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Schwarte

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Der Begriff Schwarte gehört zum festen Vokabular der Jägersprache (auch Weidmannssprache oder Waidmannssprache genannt) und bezeichnet die dicke, derbe Haut bestimmter Wildarten. Im engeren Sinne wird die Schwarte ausschließlich für die Haut des Schwarzwildes (Wildschwein) verwendet. Im erweiterten Gebrauch findet der Ausdruck auch bei Dachsen Anwendung. Die Schwarte unterscheidet sich von den jagdlichen Bezeichnungen für die Haut anderer Wildtiere: Beim Rotwild, Damwild und Rehwild spricht der Jäger von der Decke, beim Haarwild wie Fuchs oder Marder vom Balg, und beim Hasen oder Kaninchen wird die Haut als Fell bezeichnet.

Die eigenständige Benennung der Schwarzwildhaut als Schwarte rührt von der besonderen Beschaffenheit dieser Haut her. Sie ist deutlich dicker und zäher als die Haut anderer heimischer Wildarten und bildet bei älteren Stücken – insbesondere bei Keilern – eine nahezu panzerartige Schutzschicht.

Anatomische Besonderheiten der Schwarzwildschwarte

Die Schwarte des Wildschweins ist ein biologisch hochspezialisiertes Organ. Sie besteht aus mehreren Schichten und kann bei ausgewachsenen Keilern eine Dicke von mehreren Zentimetern erreichen. Besonders ausgeprägt ist sie im Bereich der Schultern und der Flanken, wo sie als sogenanntes Schild (auch Schildmatte genannt) eine zusätzliche Verstärkung aufweist. Dieses Schild entsteht durch eine Verdickung des Bindegewebes und der Unterhaut und dient dem Keiler als natürlicher Schutz bei Rangkämpfen mit Artgenossen, bei denen die Waffen – so die weidmännische Bezeichnung für die Eckzähne des Keilers, bestehend aus Gewehren (Oberkiefereckzähne) und Haderer (Unterkiefereckzähne) – zum Einsatz kommen.

In die Schwarte sind die Borsten eingebettet, das grobe, steife Haarkleid des Schwarzwildes. Unter den Borsten befindet sich bei Winterwild zusätzlich eine dichte Schicht feiner Wollhaare, die als Isolierung dient. Die Gesamtheit aus Schwarte, Borsten und darunter liegender Fettschicht (Feist) bildet einen wirksamen Schutz gegen Kälte, Nässe, Verletzungen und Parasiten.

Jagdliche Bedeutung

Die Schwarte spielt in der jagdlichen Praxis eine wesentliche Rolle. Bei der Erlegung von Schwarzwild muss der Schütze die Dicke und Widerstandsfähigkeit der Schwarte berücksichtigen. Besonders bei älteren Keilern kann die Schwarte im Bereich des Schildes so stark ausgebildet sein, dass sie den Einschuss eines Geschosses beeinflusst. Ein zu schwach dimensioniertes Geschoss kann an der Schwarte abgelenkt werden oder seine Wirkung nicht ausreichend entfalten. Daher wird für die Schwarzwildjagd – insbesondere bei Drückjagden und Ansitzjagden auf starke Keiler – ein ausreichend schweres und durchschlagskräftiges Büchsengeschoss empfohlen.

Beim Aufbrechen (dem fachgerechten Öffnen des erlegten Wildes zur Entnahme der Eingeweide) und beim Aus-der-Schwarte-Schlagen (dem Abziehen der Haut, was beim Schwarzwild auch als Abschwarten bezeichnet wird) erfordert die zähe Beschaffenheit der Schwarte ein scharfes Messer und einige Erfahrung. Das Abschwarten unterscheidet sich vom Aus-der-Decke-Schlagen bei anderem Schalenwild oder dem Abbalgen bei Raubwild durch die deutlich größere Kraftanwendung, die nötig ist.

Verwertung der Schwarte

Die Schwarte des Schwarzwildes wird auf verschiedene Weise verwertet:

  • Kulinarische Verwertung: In der Küche ist die Schwarte als Bestandteil von Wildschweinfleisch geschätzt. Sie wird beim Braten häufig am Stück belassen, da sie beim Garen eine knusprige Kruste bildet. Besonders bei der Zubereitung von Wildschweinkeulen oder Frischlings­rücken wird die Schwarte rautenförmig eingeritzt und im Ofen kross gebraten. Auch für Sülzen und Aspik findet sie Verwendung, da sie reich an Kollagen ist.
  • Lederherstellung: Gegerbte Wildschwein­schwarten ergeben ein besonders robustes und charakteristisch genarbtes Leder, das historisch für Bucheinbände, Sattlereibedarf und strapazierfähige Bekleidung genutzt wurde. Das Narbenbild mit den typischen Dreiergruppen der Borstenkanäle ist ein unverwechselbares Merkmal von Schweinsleder.
  • Trophäe und Brauchtum: Im jagdlichen Brauchtum wird die Schwarte eines starken Keilers gelegentlich als Trophäe aufbewahrt, insbesondere wenn das Schild besonders ausgeprägt ist. Die Schwarte kann präpariert und gegerbt als Wandschmuck oder Unterlage dienen.

Sprachliche Herkunft und verwandte Begriffe

Das Wort Schwarte stammt aus dem Mittelhochdeutschen (swarte) und bezeichnete ursprünglich eine dicke, harte Haut oder Rinde. In der Alltagssprache hat sich der Begriff über die Jägersprache hinaus erhalten – etwa als Speckschwarte beim Hausschwein oder umgangssprachlich für den Einband alter Bücher („alte Schwarte"). Diese sprachliche Übertragung verdeutlicht, wie stark die Weidmannssprache das allgemeine Deutsch beeinflusst hat.

Innerhalb der Jägersprache stehen zahlreiche weitere Begriffe in direktem Zusammenhang mit der Schwarte. Das Abschwarten wurde bereits erwähnt. Wenn ein Wildschwein durch einen Schuss nur oberflächlich an der Schwarte getroffen wird, ohne dass das Geschoss in den Wildkörper eindringt, spricht man davon, dass das Stück geschwartet