Schwarze Wegameise
STierart – Insekten > Hautflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lasius niger
- Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
- Familie: Ameisen (Formicidae)
- Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
- Gattung: Lasius
- Lebensraum: Gärten, Wiesen, Waldränder, urbane Gebiete
- Größe: Arbeiterinnen 3–5 mm, Königinnen 8–9 mm, Männchen 3,5–4,5 mm
- Gewicht: Arbeiterinnen ca. 1–2 mg
- Lebenserwartung: Arbeiterinnen 1–3 Jahre, Königinnen bis zu 29 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Schwarze Wegameise besitzt den für Ameisen typischen dreigliedrigen Körperbau aus Kopf (Caput), Brust (Mesosoma) und Hinterleib (Gaster), die durch eine schmale Petiolus-Taille miteinander verbunden sind. Die Körperoberfläche ist fein behaart und weist eine dunkelbraune bis schwarze Färbung auf. Die Chitinpanzerung (Kutikula) schimmert bei Lichteinfall leicht glänzend. Im Vergleich zur nah verwandten Braunen Wegameise (Lasius brunneus) ist die Färbung deutlich dunkler und gleichmäßiger.
Die Arbeiterinnen verfügen über kräftige Mandibeln, mit denen sie Nahrung zerkleinern, Nestmaterial bearbeiten und Feinde abwehren. Ihre Fühler bestehen aus zwölf Gliedern und dienen als primäre Sinnesorgane für Geruch, Berührung und chemische Kommunikation. Die Facettenaugen sind relativ klein, da die Orientierung vorwiegend über chemische Signale erfolgt. Die geflügelten Geschlechtstiere – Königinnen und Männchen – sind deutlich größer als die Arbeiterinnen. Nach dem Hochzeitsflug werfen die begatteten Königinnen ihre Flügel ab.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Lasius niger erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis: von Westeuropa über Zentralasien bis nach Japan. In Europa gehört sie zu den häufigsten Ameisenarten und besiedelt nahezu alle Lebensräume von Meeresniveau bis in Höhenlagen von rund 2.000 Metern. Ihr Habitat umfasst offene und halboffene Biotope wie Wiesen, Gärten, Parklandschaften, Waldränder und Ruderalflächen. Auch in stark urban geprägten Gebieten ist sie eine der dominanten Arten und nistet unter Gehwegplatten, in Mauerritzen und in Rasenflächen.
Die Nester werden bevorzugt im Erdreich angelegt, häufig unter Steinen oder in sandigen Böden, die sich durch Sonneneinstrahlung schnell erwärmen. Die charakteristischen Erdhügel an Nestausgängen sind ein vertrauter Anblick in Gärten und an Wegrändern – daher der deutsche Name Wegameise. In kühleren Regionen werden wärmebegünstigte Standorte bevorzugt.
Ernährung
Die Schwarze Wegameise ist omnivor mit einer deutlichen Vorliebe für zuckerhaltige Nahrungsquellen. Einen Großteil ihrer Kohlenhydratversorgung deckt sie durch die sogenannte Trophobiose mit Blattläusen: Die Ameisen betreuen Blattlauskolonien, schützen diese vor Fressfeinden und ernten im Gegenzug den von den Läusen ausgeschiedenen Honigtau. Diese Symbiose ist so ausgeprägt, dass Königinnen bei der Koloniegründung mitunter Blattlauseier in ihr neues Nest transportieren.
Zusätzlich erbeuten Arbeiterinnen kleine Insekten und Arthropoden, die als Proteinquelle vor allem für die Aufzucht der Brut dienen. Auch tote Insekten, Pflanzensäfte und reifes Obst werden genutzt. In Gebäuden können die Tiere zu Lästlingen werden, wenn sie auf der Suche nach süßen oder eiweißhaltigen Lebensmitteln Küchen und Vorratskammern aufsuchen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend einzeln, wobei ergiebige Quellen über Pheromonspuren für Nestgenossinnen markiert werden.
Verhalten & Lebensweise
Lasius niger lebt in monogyn organisierten Kolonien, das heißt ein Nest wird in der Regel von einer einzigen Königin geführt. Die Koloniegröße schwankt zwischen einigen Hundert und bis zu 40.000 Arbeiterinnen. Die Gesellschaft ist streng in Kasten gegliedert: Arbeiterinnen übernehmen je nach Alter unterschiedliche Aufgaben im Nest – von der Brutpflege über Nestbau bis hin zur Nahrungssuche (Alterspolyethismus).
Die Aktivität ist überwiegend tagaktiv, wobei die Außendiensttätigkeit bei warmem Wetter zwischen Frühling und Herbst am intensivsten ist. Im Winter ziehen sich die Kolonien in tiefere Nestbereiche zurück und halten eine Diapause, in der die Stoffwechselaktivität stark reduziert ist. Territorial zeigt sich die Art gegenüber benachbarten Kolonien der gleichen Spezies aggressiv: Reviergrenzen werden durch chemische Markierungen und direkte Konfrontation verteidigt. Gegenüber größeren Ameisenarten wie der Roten Waldameise (Formica rufa) muss Lasius niger jedoch häufig zurückweichen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Hochzeitsflug ist das zentrale Fortpflanzungsereignis im Jahreszyklus. Er findet typischerweise an schwülwarmen Tagen zwischen Juni und September statt – häufig synchronisiert über weite Gebiete, sodass tausende geflügelte Geschlechtstiere gleichzeitig aus verschiedenen Nestern schwärmen. Diese Synchronisation erhöht die Wahrscheinlichkeit der Fremdpaarung und damit die genetische Durchmischung.
Die Jungköniginnen werden während des Schwarmfluges von einem oder mehreren Männchen begattet und speichern die Spermien in einer Samenblase (Spermatheca) – ein Vorrat, der für die gesamte restliche Lebenszeit ausreicht. Die Männchen sterben kurz nach der Paarung. Die begattete Königin sucht sich einen geeigneten Platz im Boden, gründet eine kleine K