Schwarzwild
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Definition und Überblick
Schwarzwild ist der weidmännische Sammelbegriff für alle Wildschweine (Sus scrofa) unabhängig von Alter und Geschlecht. Der Name leitet sich von der charakteristischen dunklen Färbung des Borstenhaarkleids ab, das bei ausgewachsenen Tieren von dunkelbraun bis nahezu schwarz reicht. In der Jägersprache zählt Schwarzwild zum sogenannten Hochwild und nimmt innerhalb der deutschen Jagdtradition eine besondere Stellung ein. Es gehört zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) und zur Familie der Echten Schweine (Suidae). Das Wildschwein ist die Stammform des Hausschweins und in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas heimisch.
Weidmännische Bezeichnungen nach Alter und Geschlecht
Die Jägersprache unterscheidet beim Schwarzwild präzise nach Alter, Geschlecht und sozialem Status. Diese Begriffe sind nicht bloß Tradition, sondern dienen der eindeutigen Verständigung unter Jägern – etwa bei Gesellschaftsjagden, wo rasche und klare Kommunikation über das angesprochene Stück entscheidend ist.
- Frischling: Ein Wildschwein im ersten Lebensjahr. Frischlinge tragen in den ersten Lebensmonaten ein gestreiftes Fell (Streifenzeichnung), das ihnen im Unterholz als Tarnung dient.
- Überläufer: Ein Wildschwein im zweiten Lebensjahr. Man unterscheidet zwischen Überläuferbache (weiblich) und Überläuferkeiler (männlich).
- Bache: Ein weibliches Wildschwein ab dem dritten Lebensjahr. Die Leitbache ist das älteste und erfahrenste weibliche Tier einer Rotte und übernimmt die Führung des Familienverbands.
- Keiler: Ein männliches Wildschwein ab dem dritten Lebensjahr. Ausgewachsene Keiler leben überwiegend als Einzelgänger und suchen die Rotten nur während der Rauschzeit (Paarungszeit) auf.
Körperbau und Körperteile in der Jägersprache
Für die Beschreibung des Wildschweinkörpers existiert ein eigenes Vokabular. Der Kopf wird als Wurf bezeichnet, die Ohren als Teller, die Augen als Lichter und die Schnauze als Gebrech. Der Schwanz heißt beim Schwarzwild Pürzel oder Bürzel, die Beine werden Läufe genannt. Das Fell trägt die Bezeichnung Schwarte – ein Begriff, der sich bis in die Alltagssprache erhalten hat. Die groben Haare der Schwarte heißen Borsten.
Besonders auffällig sind beim Keiler die Waffen: Die oberen Eckzähne werden als Haderer bezeichnet, die unteren als Gewehre oder Hauer. Diese können beim ausgewachsenen Keiler eine beträchtliche Länge erreichen und dienen sowohl dem Kampf mit Rivalen als auch der Verteidigung gegen Fressfeinde. Ein Keiler, der durch seine besonders starken Waffen auffällt, wird als Hauptschwein bezeichnet.
Lebensweise und Sozialverhalten
Schwarzwild lebt in Rotten, die aus mehreren Bachen mit ihren Frischlingen und Überläufern bestehen. Die Rotte wird von der Leitbache angeführt, die über Wanderrouten, Ruheplätze und Fluchtverhalten entscheidet. Keiler sind außerhalb der Rauschzeit weitgehend Einzelgänger, während junge Überläuferkeiler mitunter kleinere Gruppen bilden.
Wildschweine sind überwiegend nachtaktiv, passen ihre Aktivitätsmuster jedoch an den Jagddruck und das Nahrungsangebot an. Tagsüber ruhen sie in sogenannten Kesseln – flachen Mulden im dichten Unterholz, in Schilf oder in Dickungen. Bei kalter Witterung polstern sie diese mit Laub und Gras aus.
Die Nahrungsaufnahme wird weidmännisch als Brechen bezeichnet. Schwarzwild ist ein Allesfresser (Omnivore), der mit seinem kräftigen Gebrech den Boden nach Wurzeln, Engerlingen, Würmern und Knollen durchpflügt. Diese Wühltätigkeit hinterlässt typische Spuren, die der Jäger als Gebreche erkennt. Daneben frisst Schwarzwild Eicheln, Bucheckern (Mast), Feldfrüchte, Aas und Kleintiere. In Mastjahren – Jahren mit reichem Eichel- und Bucheckernertrag – steigen die Reproduktionsraten erheblich.
Fortpflanzung und Rauschzeit
Die Paarungszeit des Schwarzwilds wird in der Weidmannssprache Rauschzeit genannt. Sie fällt in Mitteleuropa üblicherweise in die Monate November bis Januar, kann sich bei günstiger Nahrungslage jedoch verschieben. Während der Rauschzeit suchen die Keiler die Rotten auf und konkurrieren um die paarungsbereiten Bachen. Kämpfe zwischen Keilern können heftig ausfallen; die dicke Schwarte an den Schultern – der sogenannte Schild – bietet dabei einen gewissen Schutz vor den Hauern des Rivalen.
Nach einer Tragzeit von etwa 114 bis 118 Tagen (umgangssprachlich „drei Monate, drei Wochen, drei Tage") bringt die Bache durchschnittlich vier bis acht Frischlinge zur Welt. Dazu zieht sie sich in einen eigens angelegten Wurfkessel zurück. Die Frischlinge sind Nestflüchter und folgen der Bache nach wenigen Tagen. Unter günstigen Bedingungen können bereits Überläuferbachen trächtig werden, was zu einem starken Populationswachstum führt.
Jagd auf Schwarzwild
Die Bejagung von Schwarzwild erfolgt auf verschiedene Weisen. Klassische Jagdarten sind die Ansitzjagd (Einzelansitz am Hochsitz oder an einer Kirrung), die Drückjagd und die