Schweißhund
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Definition und Überblick
Der Begriff Schweißhund bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache eine spezialisierte Gruppe von Jagdhunden, die für die Nachsuche auf angeschossenes oder verletztes Wild gezüchtet und ausgebildet werden. Das Wort „Schweiß" steht in der Jägersprache nicht für Transpiration, sondern für das Blut des Wildes. Ein Schweißhund ist demnach ein Hund, der in der Lage ist, die Blutspur – die sogenannte Schweißfährte – eines kranken, also verwundeten Tieres über große Distanzen und auch nach vielen Stunden noch zuverlässig zu verfolgen.
Die Nachsuche mit dem Schweißhund gehört zu den ältesten und zugleich ethisch bedeutsamsten Aufgaben der Jagd. Sie dient dazu, angeschossenem Wild unnötiges Leiden zu ersparen und es möglichst schnell zu erlösen. In vielen deutschen Bundesländern sowie in Österreich und der Schweiz ist die Nachsuche mit einem geeigneten Hund jagdrechtlich vorgeschrieben.
Ursprung und Geschichte
Die Verwendung von Hunden zur Verfolgung verletzter Tiere reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Bereits in den Jagdordnungen des 7. und 8. Jahrhunderts finden sich Hinweise auf sogenannte Leithunde, die an der langen Leine – dem Schweißriemen – geführt wurden, um die Fährte kranken Wildes aufzunehmen. Aus diesen Leithunden entwickelten sich über Jahrhunderte die heutigen Schweißhundrassen, wobei die gezielte Zucht auf Fährtentreue, Ruhe und Ausdauer im Vordergrund stand.
Im Gegensatz zu den schnellen Hetzhunden, die Wild auf Sicht verfolgten, arbeiteten Schweißhunde stets langsam, methodisch und nasenorientiert. Diese Spezialisierung auf die Riemenarbeit – also die geführte Fährtensuche an der langen Leine – unterscheidet sie grundlegend von anderen Jagdhundtypen wie Vorstehhunden, Bracken oder Erdhunden.
Rassen der Schweißhunde
Zu den anerkannten Schweißhundrassen zählen vor allem zwei Vertreter, die von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) in der Gruppe 6, Sektion 2 geführt werden:
- Hannoverscher Schweißhund (HSH): Diese Rasse geht auf die schweren Leithunde des Mittelalters zurück und gilt als eine der ältesten deutschen Jagdhundrassen. Der Hannoversche Schweißhund ist mittelgroß, kräftig gebaut und besitzt ein kurzes, dichtes Fell in verschiedenen Hirschrottönen. Er zeichnet sich durch eine außerordentlich feine Nase, große Spurwilligkeit und ein ruhiges, ausgeglichenes Wesen aus.
- Bayerischer Gebirgsschweißhund (BGS): Diese etwas leichtere und wendigere Rasse entstand im 19. Jahrhundert durch Kreuzung des Hannoverschen Schweißhundes mit Gebirgsbracken. Der Bayerische Gebirgsschweißhund wurde speziell für die Nachsuche im alpinen Gelände entwickelt, wo Trittsicherheit und Beweglichkeit unverzichtbar sind.
Darüber hinaus wird in Skandinavien die Alpenländische Dachsbracke teilweise als Schweißhund eingesetzt, und auch der Bloodhound (Bluthund) teilt historische Wurzeln mit den kontinentalen Schweißhundrassen. In der jagdlichen Praxis werden für die Schweißarbeit gelegentlich auch andere fährtenstarke Rassen wie Deutsche Bracken, Deutsch Drahthaar oder Wachtelhunde herangezogen, wobei diese als Schweißhunde im weiteren Sinne gelten.
Ausbildung und Arbeit
Die Ausbildung eines Schweißhundes beginnt bereits im Welpenalter und erstreckt sich über mehrere Jahre. Grundlage bildet das sogenannte Fährtentraining, bei dem künstliche Schweißfährten mit Wildblut gelegt werden. Der junge Hund lernt dabei, einer zunehmend älteren und komplexeren Fährte ruhig und konzentriert zu folgen. Die Fährtenschuhlänge – also die Distanz zwischen den einzelnen Tropfen – wird schrittweise vergrößert, die Stehzeit der Fährte verlängert.
Ein fertig ausgebildeter Schweißhund muss bei der Verbandsschweißprüfung eine mindestens 20 Stunden alte, 1.000 bis 1.200 Schritt lange Kunstfährte mit mehreren Haken (Richtungswechseln) und Verweiserpunkten sicher ausarbeiten können. Neben der Fährtenarbeit am Schweißriemen gehört zum Leistungsspektrum auch das Hetzen – das selbstständige Verfolgen und Stellen von flüchtigem kranken Wild – sowie das zuverlässige Verbellen oder Verweisen des verendeten Stückes.
Der Schweißhundführer, auch Nachsuchenführer genannt, bildet mit seinem Hund ein eingespieltes Team. Er muss die Körpersprache seines Hundes lesen können, um zu erkennen, ob dieser sicher auf der Fährte arbeitet oder Schwierigkeiten hat. Die Nachsuche verlangt vom Gespann aus Mensch und Hund gleichermaßen Geduld, Kondition und Erfahrung.
Bedeutung für die Jagdpraxis
Die Nachsuche mit dem Schweißhund ist ein unverzichtbarer Bestandteil der weidgerechten Jagdausübung. Nach jedem Schuss auf Schalenwild – also auf Hirsche, Rehe, Wildschweine und vergleichbare Arten – ist der Anschuss zu untersuchen. Finden sich dort Schweißspuren, Knochensplitter, Organteile oder andere Pirschzeichen, die auf eine Verletzung hindeuten, muss eine fachkundige Nachsuche eingeleitet werden.
In der Praxis werden Schweißhundführer häufig von Jägern gerufen, die selbst keinen spezialisierten Nachsuchenhund führen. Organisiert wird dies über die Schweißhundstationen, ein Netzwerk ehrenamtlich tätiger Hundeführer, die rund um die Uhr erreichbar sind. In Deutschland koordinieren die Jägervereinigungen und der Verein Hirschmann – der Zuchtverein für den Hannoverschen Schweißhund – sowie der Klub