Sechsender
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Definition und Überblick
Als Sechsender bezeichnet der Jäger einen männlichen Hirsch – in der Regel einen Rothirsch –, dessen Geweih insgesamt sechs Enden aufweist. Die Zählung erfolgt dabei nach beiden Geweihstangen zusammen, sodass ein Sechsender typischerweise an jeder Stange drei Enden trägt. In der Jägersprache (auch Weidmannssprache genannt) ist die Bezeichnung nach der Endenzahl eine der gebräuchlichsten Methoden, um das Geweih und damit auch die Reife eines Hirsches einzuordnen. Der Sechsender gilt als junger Hirsch, der sich in einem frühen Stadium der Geweihentwicklung befindet und noch deutliches Wachstumspotenzial besitzt.
Die Zählung der Enden
In der jagdlichen Praxis werden alle Sprossen und Enden beider Geweihstangen zusammengezählt. Als Ende gilt jeder Fortsatz an der Stange, der mindestens zwei Zentimeter lang ist und sich mit einem Ring umgreifen lässt. Bei einem typischen Sechsender finden sich an jeder Stange drei Enden: die Augsprosse (das unterste Ende, nahe am Rosenstock), die Mittelsprosse und das Stangenende selbst. Ein regelmäßiger Sechsender, der auf beiden Seiten je drei Enden trägt, wird als gerader Sechsender bezeichnet. Trägt der Hirsch auf einer Seite mehr Enden als auf der anderen – etwa vier links und zwei rechts – spricht man von einem ungeraden Sechsender.
Die Geweihenden werden in der Jägersprache immer in geraden Zahlen angegeben, wenn das Geweih symmetrisch ausgebildet ist. Neben dem Sechsender existieren entsprechend der Achter, Zehner, Zwölfender und bei kapitalen Hirschen auch höhere Stufen wie der Vierzehnender oder Sechzehnender. Ein Hirsch mit nur zwei Enden (je eines pro Stange, ohne Sprossen) wird als Spießer oder Zweier bezeichnet, während ein Gabler vier Enden aufweist.
Einordnung in die Altersklassen
Das Geweih eines Rothirsches wächst mit jedem Lebensjahr neu. Jedes Frühjahr wirft der Hirsch sein altes Geweih ab, und innerhalb weniger Monate bildet sich unter der nährstoffreichen Haut, dem Bast, ein neues Geweih. Die Endenzahl steigt dabei in den ersten Lebensjahren in der Regel an, sodass die Zahl der Enden einen groben Rückschluss auf das Alter des Hirsches erlaubt – allerdings nur als Anhaltspunkt, nicht als verlässliches Kriterium.
Ein Sechsender ist in den meisten Fällen ein junger Hirsch im Alter von etwa zwei bis vier Jahren. In der jagdlichen Einteilung gehört er damit zur Jugendklasse. Hirsche dieser Altersklasse befinden sich noch im Wachstum, sowohl was den Körperbau als auch die Geweihentwicklung betrifft. Ihr Geweih ist dünner, leichter und weniger weit ausgespannt als bei älteren Hirschen. Die Stangen sind kürzer, die Sprossen schwächer ausgeprägt, und die typische Krone, die bei reifen Hirschen das obere Ende der Stange schmückt, fehlt in der Regel noch vollständig.
Allerdings kann auch ein älterer Hirsch, der unter schlechten Ernährungsbedingungen lebt, krank ist oder sich in einer Phase des Geweihabbaus (sogenanntes Zurücksetzen) befindet, nur sechs Enden ausbilden. Die alleinige Endenzahl ist daher kein sicheres Altersmerkmal. Erfahrene Jäger berücksichtigen zusätzlich die Stangenlänge, die Perlung (die raue Struktur der Stangenoberfläche), den Rosenstock, die Körperstatur und das Verhalten des Hirsches.
Bedeutung für die Jagdpraxis und Hege
In der modernen Rotwildbewirtschaftung spielt die Endenzahl eine zentrale Rolle bei der Erstellung von Abschussplänen. Sechsender gehören zur Jugendklasse und sind in vielen Revieren entweder geschont oder gezielt zum Abschuss freigegeben – je nach Konzept der Hege. Grundsätzlich verfolgt die Jagd auf Rotwild das Ziel, eine gesunde Altersstruktur im Bestand zu erhalten.
- Schonung: In Revieren mit dem Ziel, möglichst starke, reife Hirsche zu erhalten, werden Sechsender häufig geschont, damit sie sich weiterentwickeln und in höheren Altersklassen ihr volles genetisches Potenzial entfalten können.
- Selektiver Abschuss: Junge Hirsche, die im Vergleich zu Altersgenossen ein auffällig schwaches Geweih tragen, können als sogenannte Kümmerer oder Geringentwickler gezielt erlegt werden, um den Bestand qualitativ zu verbessern.
- Regulierung des Bestands: In Regionen mit hoher Rotwilddichte kann der Abschuss von Sechsendern zur Bestandsregulierung beitragen und so Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft verringern.
Die Entscheidung, ob ein Sechsender erlegt oder geschont wird, obliegt dem Revierinhaber oder dem zuständigen Hegeringleiter und richtet sich nach den jeweiligen Abschussrichtlinien des Bundeslandes oder Jagdbezirks.
Abgrenzung zu anderen Schalenwildarten
Obwohl der Begriff Sechsender am häufigsten im Zusammenhang mit dem Rothirsch (Cervus elaphus) verwendet wird, kann er grundsätzlich auch auf andere geweihtragende Schalenwildarten angewendet werden. Beim Damhirsch (Dama dama) etwa wird die Endenzahl ebenfalls gezählt, wobei die Geweihform durch die typischen Schaufeln deutlich anders ausfällt. Beim Rehbock hingegen spricht man bei sechs Enden selten von einem Sechsender, da das Rehgehörn im Normalfall nur sechs Enden als Maximalform erreicht und die Terminologie dort eher