Seeelefant
STierart – Säugetiere > Meeressäuger – Robben & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Mirounga (Gattung); zwei Arten: Nördlicher Seeelefant (Mirounga angustirostris) und Südlicher Seeelefant (Mirounga leonina)
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
- Familie: Hundsrobben (Phocidae)
- Lebensraum: Offene Ozeane, Küsten und subantarktische Inseln
- Größe: Bullen bis 6,5 m (Südlicher Seeelefant), Kühe bis 3,5 m
- Gewicht: Bullen bis 3.700 kg, Kühe 400–900 kg
- Lebenserwartung: Etwa 20–22 Jahre (Kühe), 14–16 Jahre (Bullen)
Aussehen & Merkmale
Seeelefanten sind die größten Vertreter der Robben und zeigen einen extremen Geschlechtsdimorphismus: Ausgewachsene Bullen können das Drei- bis Vierfache des Gewichts einer Kuh erreichen. Der massige, torpedoförmige Körper ist von einer kurzen, bräunlich-grauen Haut bedeckt, die bei älteren Tieren oft narbig und runzlig wirkt. Ein dichtes Fell fehlt weitgehend – die Tiere verlassen sich zur Wärmeisolation auf eine bis zu 15 cm dicke Speckschicht, den sogenannten Blubber.
Das auffälligste Merkmal der Bullen ist der namensgebende Rüssel, eine stark vergrößerte Nase, die bei erregten Tieren aufgeblasen wird und als Resonanzkörper für tiefe, brüllende Laute dient. Beim Südlichen Seeelefant kann dieser Rüssel bis zu 30 cm lang werden; beim Nördlichen Seeelefant ist er noch deutlich ausgeprägter und hängt über das Maul herab. Kühe und Jungtiere besitzen keinen solchen Rüssel und haben eine unauffällige, rundliche Schnauze.
Wie alle Hundsrobben verfügen Seeelefanten über keine äußeren Ohrmuscheln. Ihre Hinterflossen lassen sich nicht unter den Körper drehen, weshalb sie sich an Land robbend fortbewegen. Die großen, dunklen Augen sind an das Sehen unter Wasser und bei geringem Licht angepasst.
Lebensraum & Verbreitung
Die beiden Arten der Gattung Mirounga bewohnen unterschiedliche Verbreitungsgebiete. Der Südliche Seeelefant (M. leonina) besiedelt ein zirkumpolares Habitat rund um die Antarktis. Große Kolonien finden sich auf Südgeorgien, den Kerguelen, Macquarie Island, den Falklandinseln und der Antarktischen Halbinsel. Er ist die zahlreichere der beiden Arten mit einem geschätzten Bestand von rund 650.000 Tieren.
Der Nördliche Seeelefant (M. angustirostris) lebt entlang der nordamerikanischen Pazifikküste. Seine Brutkolonien erstrecken sich von Baja California in Mexiko bis zu den Farallon-Inseln vor San Francisco. Außerhalb der Fortpflanzungszeit verbringen beide Arten den Großteil ihres Lebens im offenen Ozean und suchen Küsten und Inseln nur zur Paarung, Geburt und Häutung auf.
Ernährung
Seeelefanten sind Raubtiere, die sich überwiegend von Tintenfischen und Fischen ernähren. Zu ihren Beutetieren zählen verschiedene Kalmare, Rochen, kleine Haie und Tiefseefische. Sie jagen vorwiegend in Tiefen zwischen 300 und 800 Metern, wobei Tauchgänge von über 1.500 Metern dokumentiert sind – damit gehören sie zu den am tiefsten tauchenden Meeressäugern überhaupt. Ein einzelner Tauchgang kann 20 bis 60 Minuten dauern, gefolgt von einer nur wenige Minuten langen Atempause an der Oberfläche. Diese nahezu ununterbrochene Abfolge von Tauchgängen hält über Wochen und Monate an, sowohl bei Tag als auch bei Nacht.
Verhalten & Lebensweise
Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben Seeelefanten einzelgängerisch auf hoher See. Sie sind ausgezeichnete und ausdauernde Schwimmer, die auf ihren Wanderungen tausende Kilometer zurücklegen. Satelliten-Telemetrie hat gezeigt, dass Nördliche Seeelefanten auf ihren Nahrungszügen bis in den Golf von Alaska vordringen, während Südliche Seeelefanten das Packeis der Antarktis erreichen.
An Land wirken die massigen Tiere unbeholfen: Sie ziehen sich mit wellenförmigen Bewegungen des Rumpfes über Sand und Geröll. In der Brutzeit bilden sich an geeigneten Küstenabschnitten dichte Ansammlungen, die als Kolonien bezeichnet werden. Das Sozialverhalten ist in diesen Phasen stark von innerartlicher Konkurrenz geprägt. Dominante Bullen, sogenannte Beachmasters, kontrollieren Abschnitte der Kolonie und verteidigen ihren Harem aggressiv gegen Rivalen. Die Auseinandersetzungen zwischen Bullen können äußerst brutal sein und tiefe Narben am Hals und an der Brust hinterlassen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt, je nach Art und Breitengrad, zwischen September und November. Die Bullen treffen vor den Kühen an den Brutstränden ein und kämpfen um die besten Positionen. Ein erfolgreicher Beachmaster kann einen Harem von 30 bis 100 Kühen monopolisieren, während die Mehrzahl der Bullen sich nicht fortpflanzt – ein extremes Beispiel polygamer Fortpflanzungsstrategie.
Die Kühe bringen etwa ein bis zwei Wochen nach ihrer Ankunft ein einzelnes Jungtier zur Welt. Die Tragzeit beträgt rund elf Monate, wobei eine verzögerte Einnistung (Keimruhe) Teil des Fortpflanzungszyklus ist. Das Neugeborene wiegt beim Südlichen Seeelefant etwa 40 bis 50 kg und wird drei bis vier Wochen lang mit extrem fettreicher Milch gesäugt – der Fettgehalt liegt bei bis zu 55 Prozent. In dieser kurzen Stillzeit vervierfacht das Jungtier sein Gewicht, während die Mutter stark abmagert, da sie während der gesamten Laktation fastet