Seeforelle
STierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Salmo trutta lacustris
- Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
- Familie: Lachsfische (Salmonidae)
- Gattung: Salmo
- Lebensraum: Tiefe, sauerstoffreiche Voralpenseen und große Seen Mitteleuropas
- Größe: 40–80 cm, in Ausnahmefällen über 100 cm
- Gewicht: 2–10 kg, Maximalgewichte über 20 kg dokumentiert
- Lebenserwartung: 10–20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Seeforelle ist die größte Erscheinungsform der Art Salmo trutta und wird häufig als „Königin der Alpenseen" bezeichnet. Ihr Körper ist langgestreckt, seitlich leicht abgeflacht und torpedoförmig – eine Anpassung an das Leben als aktiver Raubfisch im Freiwasser großer Seen. Die Grundfärbung variiert je nach Gewässer und Jahreszeit: Der Rücken zeigt ein dunkles Graugrün bis Olivbraun, die Flanken schimmern silbrig, und die Bauchseite ist weißlich bis gelblich. Über Rücken und Flanken verteilen sich unregelmäßige schwarze Punkte, die teilweise auch unterhalb der Seitenlinie auftreten – ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber manchen anderen Salmoniden.
Die Schuppen sind klein und fest sitzend. Die Fettflosse zwischen Rücken- und Schwanzflosse ist typisch für alle Lachsartigen und dient als sicheres Erkennungsmerkmal der Ordnung. Das Maul ist endständig und bei älteren, großen Exemplaren kräftig ausgebildet, mit einem deutlichen Oberkieferknochen, der bis hinter das Auge reicht. Zur Laichzeit entwickeln die Männchen einen leichten Laichhaken am Unterkiefer, der jedoch weniger stark ausgeprägt ist als bei der Meerforelle.
Jungfische tragen noch die sogenannten Parr-Zeichnungen – dunkle Querbinden an den Flanken –, die mit zunehmendem Wachstum und dem Übergang zum Leben im offenen Wasser verschwinden. Diesen Vorgang bezeichnet man als Smoltifikation, auch wenn er bei Seeforellen weniger dramatisch abläuft als bei anadromen Lachsen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Seeforelle erstreckt sich über die tiefen, kalten und sauerstoffreichen Seen Mitteleuropas. Ihr Schwerpunkthabitat liegt in den Voralpenseen der Schweiz, Österreichs, Süddeutschlands und Norditaliens. Bedeutende Vorkommen finden sich im Bodensee, Vierwaldstättersee, Thuner See, Brienzersee, Walensee, Wolfgangsee und Traunsee. Auch in skandinavischen Seen kommt die Seeforelle vor, wobei dort die Abgrenzung zur Meerforelle fließend sein kann.
Als Biotop bevorzugt die Seeforelle oligotrophe bis mesotrophe Seen mit großer Tiefe und kühlen Wassertemperaturen. Im Sommer hält sie sich bevorzugt in Tiefen von 20 bis 50 Metern auf, wo die Temperaturen unter 15 °C liegen. Im Winter und zur Laichzeit sucht sie flachere Uferbereiche oder – häufiger – die Zuflüsse der Seen auf. Die Qualität und Erreichbarkeit dieser Zuflüsse ist entscheidend für den Fortbestand lokaler Populationen.
Ernährung
Die Seeforelle durchläuft im Laufe ihres Lebens einen deutlichen Nahrungswechsel. Jungfische ernähren sich zunächst von Zooplankton, Insektenlarven und kleinen Wirbellosen. Ab einer Körperlänge von etwa 25 bis 30 Zentimetern stellen die Tiere ihre Ernährung weitgehend auf Fischnahrung um. Dieser Wechsel zum piscivoren Nahrungsspektrum ermöglicht das für die Seeforelle charakteristische starke Wachstum.
Zu den bevorzugten Beutefischen zählen Felchen (Coregonus spp.), Elritzen, Groppen und junge Barsche. In Gewässern mit Stintbeständen gehören auch diese zu den Hauptnahrungsquellen. Die Jagd erfolgt aktiv im Freiwasser (pelagisch) oder in Ufernähe (litoral). Große Seeforellen sind effiziente Räuber, die ihre Beute durch schnelle Vorstöße ergreifen.
Verhalten & Lebensweise
Die Seeforelle lebt als Einzelgänger. Außerhalb der Laichzeit zeigt sie kein ausgeprägtes Sozialverhalten und verteidigt kein festes Revier im eigentlichen Sinne, da sie sich als pelagischer Jäger über weite Strecken im See bewegt. Die Aktivitätsphasen konzentrieren sich auf die Dämmerung und die Nachtstunden – die Art gilt als überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei insbesondere in trüben Verhältnissen auch tagsüber gejagt wird.
Saisonale Wanderungen sind ein zentrales Element der Lebensweise. Im Herbst ziehen laichreife Tiere aus dem See in die Zuflüsse auf, teilweise über beachtliche Distanzen von mehreren Dutzend Kilometern. Nach dem Laichgeschäft kehren sie in den See zurück. Diese Wanderung stellt hohe Anforderungen an die Durchgängigkeit der Fließgewässer.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit fällt in die Monate Oktober bis Januar, abhängig von Gewässer und Höhenlage. Die Seeforelle ist ein Kieslaicher: Das Weibchen (Rogner) schlägt mit kräftigen Schwanzbewegungen eine Laichgrube in den kiesigen Grund eines geeigneten Fließgewässerabschnitts. In diese Grube werden mehrere Tausend Eier abgegeben und vom Männchen (Milchner) besamt. Anschließend bedeckt das Weibchen die Eier mit Kies.
Die Eier entwickeln sich über den Winter bei niedrigen Wassertemperaturen. Die Entwicklungsdauer beträgt – abhängig von der Temperatur – etwa 400 bis 500 Tagesgrade. Die Brütlinge schlüpfen im Frühjahr und verbleiben zunächst als sogenannte Dottersacklarven im Kieslückensystem, bevor sie aktiv zu fressen beginnen. Die Jungfische verbringen ein bis drei Jahre im Fluss, bevor sie als Smol