Seehase
STierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aplysia punctata (häufigste europäische Art); Gattung Aplysia
- Ordnung: Hinterkiemerschnecken (Opisthobranchia) bzw. nach neuerer Systematik Aplysiida
- Familie: Seehasen (Aplysiidae)
- Gattung: Aplysia
- Lebensraum: Küstennahe Flachwasserzonen, Gezeitentümpel, Seegraswiesen, Algenbewachsene Felsküsten
- Größe: Je nach Art 5–75 cm Körperlänge; Aplysia vaccaria bis 75 cm
- Gewicht: Bis zu 14 kg bei großen Arten (A. vaccaria); europäische Arten meist 200–500 g
- Lebenserwartung: Etwa 1–2 Jahre, selten länger
Aussehen & Merkmale
Seehasen sind große, weichkörperige Meeresschnecken mit einer stark reduzierten, dünnen Innenschale, die unter dem Mantelgewebe verborgen liegt. Der Körper ist länglich-oval und seitlich leicht abgeflacht. Auffällig sind zwei Paar Tentakel am Kopf: Die vorderen Mundtentakel dienen der Tastwahrnehmung, die hinteren, als Rhinophoren bezeichneten Fühler nehmen chemische Reize aus dem Wasser auf. Die Rhinophoren erinnern in ihrer aufgerichteten Form an Hasenohren – daher der deutsche Name Seehase.
Entlang der Körperseiten tragen Seehasen breite, lappenartige Hautfortsätze, die sogenannten Parapodia. Diese muskulösen Seitenlappen können über dem Rücken zusammengeschlagen werden und dienen bei manchen Arten der Fortbewegung durch wellenförmige Schwimmbewegungen. Die Körperoberfläche ist glatt bis leicht warzig und von einer dünnen Schleimschicht überzogen.
Die Färbung variiert stark und hängt von der aufgenommenen Nahrung ab. Aplysia punctata zeigt Farbtöne von olivgrün über rotbraun bis dunkelviolett, häufig mit hellen oder dunklen Flecken. Tiere, die vorwiegend Rotalgen fressen, nehmen eine rötlich-violette Pigmentierung an; bei Grünalgen-Ernährung dominieren grüne und bräunliche Töne.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie der Aplysiidae ist in tropischen, subtropischen und gemäßigten Meeren weltweit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet von Aplysia punctata erstreckt sich über den nordöstlichen Atlantik, von Norwegen über die Britischen Inseln und die Küsten Frankreichs bis zum Mittelmeer und zu den Kanarischen Inseln. Im Mittelmeerraum kommen zusätzlich Aplysia fasciata und Aplysia depilans vor.
Das bevorzugte Habitat sind flache Küstengewässer bis etwa 20 Meter Tiefe, gelegentlich auch tiefer. Seehasen besiedeln vor allem felsige Untergründe mit dichtem Algenbewuchs, Seegraswiesen der Gattung Zostera, Gezeitentümpel und geschützte Buchten. Sie benötigen ein Biotop mit ausreichend Algenvorkommen und moderater Strömung. Während der Fortpflanzungszeit wandern viele Individuen in besonders flache, geschützte Küstenabschnitte.
Ernährung
Seehasen sind Herbivoren und ernähren sich ausschließlich von Algen. Je nach Art und Verfügbarkeit stehen Rot-, Grün- und Braunalgen auf dem Speiseplan. Aplysia punctata bevorzugt Rotalgen der Gattungen Plocamium und Laurencia, nimmt aber auch Grünalgen wie Ulva (Meersalat) an. Die Nahrungsaufnahme erfolgt mithilfe einer Raspelzunge (Radula), mit der die Tiere Algenstücke vom Substrat lösen und zerkleinern.
Die aufgenommenen Algenpigmente werden im Körpergewebe eingelagert und beeinflussen die Körperfärbung. Darüber hinaus speichern Seehasen bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe aus den Algen, die als chemischer Abwehrstoff gegen Fressfeinde dienen.
Verhalten & Lebensweise
Seehasen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie häufig in Spalten, unter Steinen oder zwischen dichten Algenpolstern. Bei der Nahrungssuche bewegen sie sich langsam kriechend über das Substrat, wobei der muskulöse Fuß wellenförmige Kontraktionen ausführt.
Bei Bedrohung setzen Seehasen eine auffällig gefärbte Tinte frei. Diese violette bis purpurrote Flüssigkeit wird aus einer spezialisierten Drüse, der sogenannten Purpurdrüse, ausgestoßen. Die Tinte bildet im Wasser eine dichte Wolke, die den Angreifer irritiert und dem Seehasen die Flucht ermöglicht. Zusätzlich sondern die Tiere einen weißlichen, klebrigen Schleim ab, der als Opalin bezeichnet wird und bei manchen Prädatoren die Chemorezeptoren blockiert. Diese doppelte Verteidigungsstrategie – Tintenwolke und Opalin – ist innerhalb der Meeresschnecken ungewöhnlich gut entwickelt.
Seehasen leben solitär, kommen aber während der Fortpflanzungszeit in größeren Ansammlungen vor. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht bekannt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Seehasen sind simultane Zwitter (Hermaphroditen): Jedes Tier besitzt funktionsfähige männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Bei der Paarung kann ein Individuum gleichzeitig als Spermienspender und -empfänger fungieren. Häufig bilden sich sogenannte Paarungsketten, bei denen drei oder mehr Tiere hintereinander aufgereiht kopulieren. Das vorderste Tier übernimmt dabei die weibliche Rolle, das hinterste die männliche, während die mittleren Tiere beide Rollen gleichzeitig einnehmen.
Nach der Befruchtung legen Seehasen lange, schnurartige E