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Seehund

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Tierart – Säugetiere > Meeressäuger – Robben & Co

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phoca vitulina
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Hundsrobben (Phocidae)
  • Gattung: Phoca
  • Lebensraum: Küstengewässer, Wattenmeer, Flussmündungen, Sandbänke und Felsküsten der gemäßigten und subarktischen Zonen
  • Größe: 150–185 cm (Männchen), 120–170 cm (Weibchen)
  • Gewicht: 80–150 kg (Männchen), 60–110 kg (Weibchen)
  • Lebenserwartung: 25–35 Jahre (Weibchen leben im Durchschnitt länger als Männchen)

Aussehen & Merkmale

Der Seehund besitzt einen torpedoförmigen, stromlinienförmigen Körper, der ihn als hervorragend an das Leben im Wasser angepassten Meeressäuger ausweist. Sein Kopf ist rundlich mit einer kurzen, breiten Schnauze. Die großen, dunklen Augen ermöglichen gutes Sehen sowohl über als auch unter Wasser. Die V-förmigen Nasenlöcher lassen sich beim Tauchen vollständig verschließen. Äußere Ohrmuscheln fehlen – ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal aller Hundsrobben gegenüber den Ohrenrobben (Otariidae), zu denen etwa Seelöwen und Seebären zählen.

Das Fell ist kurz, dicht und anliegend. Die Grundfärbung variiert stark: von silbergrau über gelblich-braun bis dunkelgrau. Typisch ist ein individuelles Muster aus dunklen Flecken und Ringen, das bei jedem Tier einzigartig ist und zur Identifikation einzelner Individuen in der Feldforschung genutzt wird. Unter der Haut liegt eine mehrere Zentimeter dicke Speckschicht (Blubber), die als Energiespeicher und Wärmeisolation dient.

Die vorderen Gliedmaßen sind zu kurzen, mit Krallen versehenen Vorderflossen umgebildet, die unter Wasser als Steuerruder fungieren. Die hinteren Flossen können nicht unter den Körper geklappt werden – anders als bei Ohrenrobben. An Land bewegt sich der Seehund daher raupenartig robbend fort, im Wasser hingegen erzeugt er seinen Vortrieb durch seitliche Schläge der Hinterflossen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Seehunds erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. In Europa besiedelt er die Küsten von Portugal bis Nordnorwegen, einschließlich der gesamten Nord- und Ostsee sowie der Gewässer um Island, die Britischen Inseln und die Färöer. In Nordamerika reicht sein Habitat von der Karibik-Seite der USA (Carolina) bis in die arktischen Gewässer Kanadas an der Atlantikküste, an der Pazifikküste von Baja California (Mexiko) bis zu den Aleuten in Alaska. Auch an den Küsten Ostasiens – etwa in Japan und am Ochotskischen Meer – kommt die Art vor.

Es werden fünf Unterarten unterschieden, darunter Phoca vitulina vitulina im Nordostatlantik und Phoca vitulina richardii im Nordostpazifik. Bevorzugte Biotope sind flache Küstenabschnitte mit Sandbänken, Wattflächen, geschützten Buchten und Flussmündungen. Das Wattenmeer der Nordsee stellt eines der bedeutendsten Habitate der europäischen Population dar; hier leben schätzungsweise über 40.000 Tiere.

Ernährung

Seehunde sind opportunistische Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Ihre Beute umfasst vor allem Fische wie Hering, Scholle, Dorsch, Sandaal und Stint. Daneben fressen sie Garnelen, Krabben, Tintenfische und gelegentlich Muscheln. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Region, Jahreszeit und lokalem Angebot.

Die Jagd erfolgt überwiegend in Küstennähe in Tiefen von 10 bis 50 Metern, wobei Tauchgänge von bis zu 200 Metern und einer Dauer von über 10 Minuten dokumentiert sind. Die empfindlichen Tasthaare (Vibrissen) an der Schnauze spielen eine zentrale Rolle beim Aufspüren von Beute: Sie registrieren feinste Wasserbewegungen und ermöglichen es dem Seehund, auch in trübem oder dunklem Wasser Fische zu orten. Pro Tag nimmt ein erwachsener Seehund etwa 3–5 kg Nahrung zu sich.

Verhalten & Lebensweise

Seehunde sind gesellig, bilden aber keine festen sozialen Gruppen mit hierarchischer Struktur. Sie versammeln sich auf Sandbänken, Felsen oder Stränden in lockeren Ansammlungen – sogenannten Liegeplätzen oder Ruheplätzen –, halten dabei jedoch individuelle Abstände ein. Körperkontakt zwischen erwachsenen Tieren wird meist vermieden. Ein ausgeprägtes Revierverhalten an Land besteht nicht.

Im Wasser jagen Seehunde in der Regel einzeln. Ihre Aktivitätsphasen sind stark vom Gezeitenrhythmus abhängig: Bei Niedrigwasser ruhen sie auf trocken fallenden Sandbänken, bei Hochwasser gehen sie auf Nahrungssuche. Eine strikte Tag- oder Nachtaktivität liegt nicht vor; die Tiere passen ihr Verhalten flexibel an Gezeiten und Lichtverhältnisse an.

Seehunde können bis zu 35 km/h schnell schwimmen und legen auf Nahrungswanderungen Strecken von über 50 Kilometern zurück, kehren aber regelmäßig zu ihren angestammten Liegeplätzen zurück. Die Ortstreue ist bei vielen Individuen stark ausgeprägt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in Europa auf die Monate Juni bis August. Die Paarung selbst findet ausschließlich im Wasser statt. Nach einer Tragzeit von etwa elf Monaten – die eine mehrmonatige Keimruhe (verzögerte Einnistung der befruchteten Eizelle) einschließt – bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind äußerst selten.

Anders als bei vielen anderen Robbenarten kommen Seeh