Seekatze
STierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chimaera monstrosa (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Seekatzenartige (Chimaeriformes)
- Familie: Kurznasenchimären (Chimaeridae)
- Gattung: Chimaera
- Lebensraum: Tiefsee und tiefere Schelfgebiete des Nordostatlantiks und des Mittelmeers, in Tiefen von 200 bis über 1.000 Metern
- Größe: 60–150 cm Gesamtlänge (einschließlich Schwanzfaden)
- Gewicht: bis etwa 2,5 kg
- Lebenserwartung: geschätzt 25–30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Seekatze, auch Europäische Chimäre, Geisterhai oder Spöke genannt, gehört zur Unterklasse der Holocephali und ist damit eine nahe Verwandte der Haie und Rochen, unterscheidet sich von diesen jedoch in mehreren wesentlichen Merkmalen. Ihr Körper ist langgestreckt, seitlich leicht abgeflacht und verjüngt sich nach hinten in einen langen, peitschenartigen Schwanzfaden – ein Merkmal, das ihr im englischen Sprachraum den Namen „Rabbitfish" oder „Ratfish" eingebracht hat.
Der Kopf ist groß und stumpf, die Augen auffällig groß, was eine Anpassung an das lichtarme Habitat der Tiefsee darstellt. Die Haut ist glatt und schuppenlos, von silbrig-grauer bis bräunlicher Grundfärbung, häufig mit dunkleren Flecken und Marmorierungen überzogen. Anders als bei Haien besitzt die Seekatze nur eine einzige äußere Kiemenöffnung auf jeder Seite, die von einem knorpeligen Kiemendeckel (Operculum) bedeckt wird – bei Haien und Rochen liegen hingegen mehrere freie Kiemenspalten vor.
Die erste Rückenflosse ist hoch und dreieckig. Sie trägt einen kräftigen, mit einer Giftdrüse versehenen Stachel, der bei unvorsichtiger Handhabung schmerzhafte Verletzungen verursachen kann. Die zweite Rückenflosse ist deutlich niedriger und erstreckt sich als langgezogener Saum bis zum Schwanzansatz. Die Brustflossen sind breit und fächerförmig, was der Seekatze eine langsame, schwebende Fortbewegung über dem Meeresgrund ermöglicht.
Anstelle der für Haie typischen, ständig nachwachsenden Zahnreihen besitzt die Seekatze drei Paar große, plattenförmige Zahnplatten – zwei im Oberkiefer, eines im Unterkiefer. Diese Platten wachsen ein Leben lang nach und dienen dem Zermalmen hartschaliger Beute.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Chimaera monstrosa erstreckt sich über den Nordostatlantik von Island und Norwegen südwärts bis zu den Azoren, den Kanarischen Inseln und den Küsten Marokkos. Darüber hinaus kommt die Art im westlichen und zentralen Mittelmeer vor, wo sie allerdings seltener nachgewiesen wird.
Die Seekatze bewohnt bevorzugt den Kontinentalschelf und den oberen Kontinentalhang in Tiefen zwischen 200 und 500 Metern, wurde aber auch in Tiefen von über 1.000 Metern dokumentiert. Ihr Biotop besteht vorwiegend aus schlammigen und sandigen Weichböden. In skandinavischen Fjorden kann sie gelegentlich auch in geringeren Tiefen ab etwa 50 Metern angetroffen werden, insbesondere während der kälteren Monate. Saisonale Wanderungen in flachere Gewässer sind aus norwegischen Küstengewässern gut dokumentiert.
Ernährung
Die Seekatze ernährt sich als benthischer Räuber überwiegend von bodenbewohnenden Wirbellosen. Zu ihrem Nahrungsspektrum gehören Muscheln, Schnecken, Seeigel, Seesterne, Krebstiere wie Garnelen und Einsiedlerkrebse sowie verschiedene Borstenwürmer (Polychaeten). Gelegentlich werden auch kleine Bodenfische erbeutet. Die kräftigen Zahnplatten ermöglichen es der Seekatze, selbst hart gepanzerte Beutetiere aufzuknacken.
Beim Aufspüren der Nahrung spielen die Elektrorezeptoren am Kopf eine zentrale Rolle. Diese sogenannten Ampullen von Lorenzini – ein Sinnessystem, das die Seekatze mit Haien und Rochen teilt – detektieren schwache elektrische Felder, die von der Muskelaktivität verborgener Beutetiere erzeugt werden. Ergänzend nutzt die Seekatze ihr gut entwickeltes Seitenlinienorgan zur Wahrnehmung von Wasserdruckveränderungen.
Verhalten & Lebensweise
Die Seekatze lebt überwiegend bodennah und bewegt sich langsam und gleichmäßig mit wellenförmigen Schlägen ihrer großen Brustflossen über den Meeresgrund. Sie ist vorwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag häufig in tieferen Zonen, um während der Dunkelheit in flachere Bereiche aufzusteigen – ein Verhalten, das als vertikale Wanderung bezeichnet wird.
Seekatzen treten einzeln oder in lockeren Gruppen auf, bilden jedoch keine festen Schwärme. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten ist nicht bekannt. Gegenüber Tauchern und Unterwasserfahrzeugen zeigt sich die Art in der Regel indifferent und wenig scheu. Natürliche Fressfeinde sind größere Haie und möglicherweise Rochen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung erfolgt durch innere Befruchtung. Die Männchen verfügen über paarige Klaspern (Pterygopodien) an den Bauchflossen sowie über ein zusätzliches, stirnständiges Klammerorgan (Tenaculum), das zur Fixierung am Weibchen während der Paarung dient – ein einzigartiges Merkmal der Chimären.
Die Seekatze ist ovipar, legt also Eier ab. Die Eikapsel ist spindelförmig, etwa 15–17 cm lang und von einer ledrigen, hornartigen Hülle umgeben. Die Weibchen setzen die Eikapseln paarweise auf dem Meeresboden ab, wo die Embryonalentwicklung je nach Wassertemperatur zwischen 9 und 12