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Seepocke

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Tierart – Wirbellose > Krebstiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Balanomorpha (Unterordnung); bekannteste Art: Semibalanus balanoides (Gemeine Seepocke)
  • Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
  • Unterstamm: Krebstiere (Crustacea)
  • Klasse: Maxillopoda (nach klassischer Systematik) bzw. Thecostraca
  • Unterklasse: Rankenfußkrebse (Cirripedia)
  • Ordnung: Sessilia (festsitzende Rankenfüßer)
  • Familie: Balanidae (u. a.); daneben weitere Familien wie Chthamalidae
  • Lebensraum: Meeresküsten weltweit, Gezeitenzone (Eulitoral), Sublitoral, Tiefsee; auf Felsen, Muscheln, Schiffsrümpfen, Walkörpern
  • Größe: Je nach Art 5 mm bis über 7 cm Gehäusedurchmesser
  • Gewicht: Wenige Milligramm bis mehrere Gramm
  • Lebenserwartung: 2–10 Jahre, einige Arten auch länger

Aussehen & Merkmale

Seepocken sehen auf den ersten Blick nicht wie Krebstiere aus. Ihr Körper ist von einem kegelförmigen oder zylindrischen Kalkgehäuse umgeben, das aus mehreren fest miteinander verwachsenen Kalkplatten besteht – in der Regel vier bis sechs Wandplatten, die einen Kranz bilden. Die Öffnung an der Oberseite wird durch zwei Paare beweglicher Deckelplatten (Scuta und Terga) verschlossen, die das Tier bei Ebbe oder bei Gefahr dicht zusammenpressen kann. Diese Konstruktion schützt den weichen Körper vor Austrocknung, Fressfeinden und mechanischer Belastung durch Wellenschlag.

Der eigentliche Körper im Innern des Gehäuses ist ein typischer Krebskörper mit Segmentierung, allerdings stark abgewandelt. Die sechs Paare von Thoracopoden sind zu langen, fiedrig verzweigten Rankenfüßen (Cirren) umgebildet, die rhythmisch aus der Gehäuseöffnung herausgestreckt und wieder eingezogen werden. Mit diesem Fangapparat filtert die Seepocke Nahrungspartikel aus dem Wasser. Der Kopfbereich ist reduziert und fest mit der Unterlage verklebt. Augen fehlen im Adultstadium vollständig – sie sind nur bei den frei schwimmenden Larvenstadien vorhanden.

Die Farbe des Gehäuses variiert von weißlich-grau über gelblich bis bräunlich, je nach Art und Bewuchsgrad. Verwandte Formen wie die Entenmuscheln (Lepadomorpha) unterscheiden sich durch einen langen, flexiblen Stiel, mit dem sie am Substrat befestigt sind, während Seepocken direkt und ohne Stiel aufgewachsen sind – daher die Zuordnung zur Ordnung Sessilia.

Lebensraum & Verbreitung

Seepocken besiedeln nahezu alle Meere der Erde, von der Arktis bis in die Tropen. Ihr bevorzugtes Habitat ist die Gezeitenzone (Eulitoral) felsiger Küsten, wo sie oft in dichten Kolonien die Oberfläche von Steinen, Hafenmauern und Buhnen überziehen. Einige Arten dringen in das Sublitoral vor und besiedeln Substrate in Tiefen von mehreren hundert Metern. Bestimmte Gattungen wie Chelonibia leben als Epibionten auf Meeresschildkröten, andere auf Walkörpern oder Schiffsrümpfen.

Die Gemeine Seepocke (Semibalanus balanoides) ist im Nordatlantik weit verbreitet und eine der häufigsten Arten an europäischen Felsküsten, einschließlich der Nord- und Ostsee. Die Australische Seepocke (Elminius modestus, heute Austrominius modestus) wurde im 20. Jahrhundert nach Europa eingeschleppt und hat sich als Neobiont an vielen Küstenabschnitten etabliert. Tropische Arten wie Megabalanus tintinnabulum können Gehäusedurchmesser von über sieben Zentimetern erreichen.

Die Ansiedlung erfolgt bevorzugt auf harten Oberflächen, wobei die Larven chemische und taktile Signale nutzen, um geeignete Substrate zu erkennen. Bereits vorhandene Artgenossen wirken dabei als Siedlungsreiz – ein Mechanismus, der zur typischen Koloniebildung führt.

Ernährung

Seepocken sind Filtrierer (Suspensionsfresser). Sie ernähren sich von Phytoplankton, Zooplankton, Detritus und gelösten organischen Partikeln, die sie mit ihren Cirren aus dem vorbeifließenden Wasser fangen. Die Rankenfüße werden bei Überflutung rhythmisch ausgestreckt und in einer netzartigen Bewegung durch das Wasser gezogen. Die eingefangenen Partikel werden zu den Mundwerkzeugen transportiert und dort zerkleinert. Bei Ebbe oder Trockenheit verschließt das Tier seine Deckelplatten und stellt die Nahrungsaufnahme ein, bis es erneut von Wasser umspült wird.

Verhalten & Lebensweise

Erwachsene Seepocken sind sessil – sie verbringen ihr gesamtes Adultleben an einem einzigen Ort. Ein aktives Fortbewegungsverhalten gibt es nicht. Die Tiere sind vollständig an ein Leben in der Brandungszone angepasst und tolerieren regelmäßiges Trockenfallen bei Ebbe. Durch das dichte Verschließen der Deckelplatten können sie Wasserverluste über Stunden minimieren. Diese Toleranz gegenüber Austrocknung und Temperaturschwankungen bestimmt die vertikale Zonierung an Felsküsten: Verschiedene Seepockenarten besiedeln unterschiedliche Höhenzonen im Litoral, wobei konkurrenzschwächere Arten in die obere, stärker austrocknungsgefährdete Zone verdrängt werden.

Die Kolonien können extrem dichte Bestände bilden, mit mehreren zehntausend Individuen pro Quadratmeter. Diese Dichte führt zu intraspezifischer Konkurrenz um Raum und Nahrung, was sich in verlängerten, turmartigen Wuchsformen äußern kann, wenn das Platzangebot begrenzt ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die meisten Seepockenarten sind Zwitter (simultane Hermaphroditen), die jedoch in der