Seesaibling
STierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Salvelinus umbla (syn. Salvelinus alpinus in weiter Artauffassung)
- Ordnung: Lachsartige (Salmoniformes)
- Familie: Lachsfische (Salmonidae)
- Gattung: Saiblinge (Salvelinus)
- Lebensraum: Tiefe, kalte, sauerstoffreiche Seen der Alpen und des Alpenvorlandes
- Größe: 20–40 cm (Normalform), in Ausnahmefällen bis 80 cm
- Gewicht: 0,2–1,5 kg, selten bis 8 kg
- Lebenserwartung: 10–20 Jahre, in tiefen Seen auch über 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Seesaibling besitzt einen langgestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper mit torpedoförmigem Querschnitt, der ihn als ausdauernden Schwimmer ausweist. Wie alle Lachsfische trägt er zwischen Rücken- und Schwanzflosse eine kleine Fettflosse, die keinerlei Flossenstrahlen enthält. Die Schuppen sind sehr klein und sitzen tief in der Haut eingebettet, weshalb sich der Fisch glatter anfühlt als etwa eine Forelle.
Die Rückenfärbung variiert je nach Gewässer von olivgrün über dunkelgrau bis fast schwarz. Die Flanken zeigen zahlreiche helle, oft gelbliche oder rosafarbene Punkte – ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Bachforelle, deren Punkte überwiegend dunkel sind. Der Bauch ist zur Laichzeit bei den Männchen leuchtend orange bis tiefrot gefärbt; außerhalb der Fortpflanzungszeit erscheint er weißlich bis cremefarben. Die paarigen Flossen – Brust- und Bauchflossen – tragen einen charakteristischen weiß-schwarzen Vorderrand, der als sicheres Bestimmungsmerkmal aller Saiblingsarten dient.
Im Vergleich zum eng verwandten Bachsaibling (Salvelinus fontinalis) fehlt dem Seesaibling die marmorierte Zeichnung auf dem Rücken. Gegenüber dem Namaycush (Salvelinus namaycush), dem nordamerikanischen Seesaibling, bleibt er deutlich kleiner.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Seesaiblings erstreckt sich über die tiefen Voralpenseen und Gebirgsseen der Alpen. In Deutschland kommt er autochthon unter anderem im Königssee, im Starnberger See, im Walchensee und im Bodensee vor. In Österreich besiedelt er zahlreiche Kärntner und Salzkammergut-Seen, in der Schweiz etwa den Zürichsee, den Thunersee und den Vierwaldstättersee. Auch in skandinavischen und arktischen Gewässern leben nahe verwandte Populationen, die je nach taxonomischer Auffassung derselben oder einer übergeordneten Art (Salvelinus alpinus im weiteren Sinne) zugerechnet werden.
Das bevorzugte Habitat sind kalte, oligotrophe bis mesotrophe Seen mit hohem Sauerstoffgehalt und Wassertiefen von mehr als 30 Metern. Der Seesaibling ist ein ausgesprochener Kaltwasserfisch, dessen Temperaturoptimum zwischen 6 und 14 °C liegt. In den Sommermonaten zieht er sich in die kühle Tiefenzone (Hypolimnion) zurück und hält sich bevorzugt in Bereichen zwischen 30 und 80 Metern Tiefe auf. Steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel und zunehmende Eutrophierung gehören zu den kritischsten Faktoren, die seinen Lebensraum einengen.
Ernährung
Der Seesaibling ernährt sich omnivor mit einem Schwerpunkt auf tierischer Kost. In der Jugendphase dominieren Zooplankton – vor allem Kleinkrebse wie Wasserflöhe (Daphnia) und Hüpferlinge (Copepoda) – sowie Insektenlarven. Ausgewachsene Tiere fressen zusätzlich Bodentiere wie Zuckmückenlarven (Chironomidae), Flohkrebse (Gammarus) und kleine Schnecken. Große Exemplare können sich teilweise piscivore ernähren und erbeuten dann kleinere Fische, darunter Elritzen oder junge Artgenossen. Die Nahrungsaufnahme findet vorwiegend in der Dämmerung und nachts statt; tagsüber verharren die Tiere häufig in der Tiefe und zeigen wenig Aktivität.
Verhalten & Lebensweise
Seesaiblinge leben gesellig und bilden lose Schwärme, die sich vor allem in der Freiwasserzone (Pelagial) aufhalten. Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen sie nur während der Laichzeit. Außerhalb der Fortpflanzungsperiode unternehmen die Fische vertikale Wanderungen: Sie steigen in der Dämmerung aus der Tiefe auf, um in höheren Wasserschichten nach Nahrung zu suchen, und kehren bei Tageslicht in die kalte Tiefenzone zurück. Dieses Verhaltensmuster ist eng an den Tageslichtzyklus gekoppelt und lässt sich mit Echolotuntersuchungen gut dokumentieren.
In vielen Seen existieren zwei oder mehr ökologische Formen nebeneinander – etwa eine pelagische Normalform und eine kleinwüchsige Bodenform (auch als „Schwarzreuter" oder „Tiefseesaibling" bezeichnet). Diese Formen unterscheiden sich in Körpergröße, Nahrungsspektrum und Laichplatzwahl, pflanzen sich aber mitunter untereinander fort.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit fällt je nach Gewässer und Population in die Monate Oktober bis Februar. Die Männchen nehmen in dieser Phase ihre intensive Rotfärbung an und entwickeln am Unterkiefer einen leichten Laichhaken. Die Weibchen suchen geeignete Laichplätze auf kiesigem oder steinigem Grund in Ufernähe oder auf unterlacustrinen Quellaustritten. Manche Populationen laichen in beträchtlicher Tiefe auf dem Seegrund, andere steigen in Zuflüsse auf.
Das Weibchen schlägt mit der Schwanzflosse eine flache Laichgrube in den Kies, in die es zwischen 500 und 5.000 Eier ablegt – abhängig von Körpergröße und Ernährungszustand. Das Männchen befruchtet die Eier unmittelbar. Anschließend bedeckt das Weibchen das Gelege