Seidenhuhn
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Steckbrief
- Herkunft: Ostasien (China, möglicherweise Japan)
- Rassestandard: Anerkannt durch den BDRG (Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter), europäischer Standard nach EE (Entente Européenne d'Aviculture et de Cuniculture)
- Größe: Kleine bis mittelgroße Hühnerrasse, Körperhöhe ca. 30–35 cm
- Gewicht: Hahn ca. 1,4–1,7 kg, Henne ca. 1,0–1,4 kg
- Lebenserwartung: 7–9 Jahre bei artgerechter Haltung
- Gefieder/Farben: Seidig zerfleddert wirkende Federn ohne Hakenstrahlen; anerkannte Farbschläge: weiß, schwarz, blau, wildfarbig, rot, gelb, gesperbert, splash
- Legeleistung: Ca. 80–120 Eier pro Jahr, cremefarbene bis leicht bräunliche Schale
- Eigewicht: Ca. 40 g
- Besonderheiten: Schwarze Haut, schwarzes Fleisch, blaue Ohrscheiben, fünf Zehen, Federhaube
Herkunft & Geschichte
Das Seidenhuhn zählt zu den ältesten und faszinierendsten Hühnerrassen der Welt. Seine Ursprünge liegen im ostasiatischen Raum, wobei China als das wahrscheinlichste Herkunftsland gilt. Bereits im 13. Jahrhundert erwähnte der venezianische Reisende Marco Polo in seinen Aufzeichnungen ein Huhn mit haarähnlichem Gefieder und schwarzer Haut, das er auf seinen Reisen durch Asien beobachtet hatte. Diese Beschreibung wird heute eindeutig dem Seidenhuhn zugeordnet.
In der traditionellen chinesischen Medizin wurde das Fleisch des Seidenhuhns – aufgrund seiner dunklen Pigmentierung als „Schwarzknochenhuhn" (乌骨鸡, Wūgǔjī) bekannt – seit Jahrhunderten als Heilmittel geschätzt. Über die Seidenstraße und spätere Handelsrouten gelangte die Rasse nach Europa, wo sie ab dem 18. Jahrhundert als Zierhuhn und Kuriosität in Adelskreisen gehalten wurde.
Die systematische Zucht in Europa begann im 19. Jahrhundert. Verschiedene Zuchtverbände nahmen das Seidenhuhn in ihre Rassestandards auf. In Deutschland ist der BDRG für die Standardisierung zuständig. International wird die Rasse in zahlreichen Ländern gezüchtet und auf Geflügelausstellungen präsentiert. Neben der Großrasse existiert auch eine Zwergform, das Zwerg-Seidenhuhn, das mit einem Gewicht von etwa 500–600 Gramm noch kompakter ausfällt.
Aussehen & Rassemerkmale
Das auffälligste Merkmal des Seidenhuhns ist zweifellos sein einzigartiges Gefieder. Die Federn besitzen keine funktionsfähigen Hakenstrahlen, wodurch die einzelnen Federäste nicht miteinander verhaken und das Gefieder eine seidige, fast pelzartige Textur erhält. Dieses Gefieder ist nicht wasserabweisend, was bei der Haltung berücksichtigt werden muss.
Der gedrungene, rundliche Körperbau wird von einer ausgeprägten Federhaube auf dem Kopf gekrönt, die bei beiden Geschlechtern vorhanden ist. Die Haube soll laut Rassestandard möglichst rund und gleichmäßig geformt sein, ohne die Sicht des Tieres einzuschränken. Der Kamm ist walzenförmig, dunkel maulbeerfarben bis schwarz und relativ klein. Die Ohrscheiben schimmern türkisblau – ein markantes Rassemerkmal.
Eine genetische Besonderheit ist die Fibromelanose: Die Haut, das Periost (Knochenhaut), das Fleisch und die inneren Organe sind dunkelblau bis schwarz pigmentiert. Selbst die Knochen weisen eine dunkle Färbung auf. Dieses Merkmal ist erblich fixiert und ein zwingendes Kriterium im Rassestandard.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Fünfzehigkeit. Während die meisten Hühnerrassen vier Zehen besitzen, hat das Seidenhuhn fünf vollständig ausgebildete Zehen an jedem Fuß. Die Läufe sind befiedert. Die Augen sind dunkelbraun bis schwarz.
Charakter & Wesen
Das Seidenhuhn ist für sein außergewöhnlich sanftes und zutrauliches Wesen bekannt. Diese Rasse gilt als eine der freundlichsten und ruhigsten unter den Hühnerrassen überhaupt. Die Tiere werden schnell zahm, suchen den Kontakt zum Menschen und lassen sich häufig bereitwillig auf den Arm nehmen und streicheln.
Hennen zeigen einen besonders stark ausgeprägten Bruttrieb, der geradezu sprichwörtlich ist. Seidenhuhn-Hennen werden in der Geflügelzucht gerne als Ammenhennen eingesetzt, um Eier anderer Rassen oder sogar anderer Geflügelarten auszubrüten. Die Glucken sind hingebungsvolle Mütter, die ihre Küken aufopferungsvoll führen und beschützen.
Hähne sind im Vergleich zu anderen Rassen wenig aggressiv und verträglich, auch gegenüber Artgenossen. Das allgemeine Temperament ist eher ruhig und gelassen, ohne dabei lethargisch zu wirken. Seidenhühner sind neugierig und durchaus aktiv, jedoch weniger flugfreudig als andere Rassen – nicht zuletzt, weil ihr Gefieder keinen echten Flug ermöglicht.
Haltung & Pflege
Die Haltung von Seidenhühnern erfordert einige rassespezifische Anpassungen. Da das Gefieder nicht wasserabweisend ist, benötigen die Tiere zwingend einen trockenen, zugfreien Stall und überdachte Auslaufbereiche. Dauerhaft nasses Gefieder kann zu Unterkühlung und Krankheiten führen. Idealerweise bietet man eine Kombination aus geschütztem Wintergarten und trockenem Freilauf an.
Die Sitzstangen sollten niedrig angebracht werden, da Seidenhühner nicht fliegen können und sich bei Sprüngen aus größerer Höhe verletzen könnten. Breite Sitzstangen oder erhöhte Sitzbretter im Abstand von maximal 30–40 cm über dem Boden sind empfehlenswert.