T Tierlexikon.net
← Lexikon

Siebenschläfer

S

Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Glis glis
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Bilche (Gliridae)
  • Gattung: Glis
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parks, Obstgärten, gelegentlich Dachböden
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 13–19 cm, Schwanz 11–15 cm
  • Gewicht: 70–160 g (vor dem Winterschlaf bis zu 300 g)
  • Lebenserwartung: 5–6 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 13 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Siebenschläfer erinnert auf den ersten Blick an eine kleine, rundliche Maus mit auffällig großen, dunklen Augen und abgerundeten Ohren. Sein Fell ist auf der Oberseite graubraun gefärbt und geht an den Flanken in ein helleres Grau über. Die Bauchseite ist weißlich bis gelblich-weiß. Ein charakteristisches Merkmal ist der buschig behaarte Schwanz, der fast ebenso lang wie der restliche Körper ist und dem Tier beim Klettern als Balancierhilfe dient.

Die großen Augen weisen auf die nachtaktive Lebensweise hin und ermöglichen dem Siebenschläfer eine gute Orientierung bei Dunkelheit. Die Vibrissen (Tasthaare) an der Schnauze sind lang und empfindlich – sie helfen beim Navigieren in der Dunkelheit und in engen Baumhöhlen. Die Pfoten sind mit scharfen, gebogenen Krallen ausgestattet und verfügen über spezielle Haftballen, die dem Siebenschläfer eine ausgezeichnete Kletterfähigkeit verleihen. Er kann mühelos glatte Baumrinden, Hauswände und sogar Glasscheiben erklimmen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Siebenschläfers erstreckt sich über weite Teile Europas – von Nordspanien und Frankreich im Westen bis zum nördlichen Iran und zum Kaukasus im Osten. In Deutschland kommt er vor allem in den mittleren und südlichen Landesteilen vor, während er im norddeutschen Tiefland weitgehend fehlt. Auch auf einigen Mittelmeerinseln wie Sardinien, Korsika, Sizilien und Kreta existieren Populationen, die teils auf antike Ansiedlung durch den Menschen zurückgehen.

Sein bevorzugtes Habitat sind alte, strukturreiche Laub- und Mischwälder mit hohem Anteil an Buchen, Eichen und anderen Frucht tragenden Bäumen. Entscheidend ist ein ausreichendes Angebot an Baumhöhlen, die als Schlafplätze und Kinderstuben dienen. Ersatzweise werden auch Nistkästen, Vogelhäuschen und – zum Leidwesen vieler Hausbesitzer – Dachböden, Zwischendecken und Rollladenkästen besiedelt. Der Siebenschläfer hält sich überwiegend in der Baumschicht auf und ist ein ausgeprägter Baumbewohner (arboricole Lebensweise).

Ernährung

Der Siebenschläfer ernährt sich überwiegend pflanzlich, zeigt jedoch ein breites Nahrungsspektrum. Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse, Kastanien und verschiedene Beeren bilden den Hauptbestandteil seiner Nahrung. Im Spätsommer und Herbst frisst er besonders energiereiche Früchte und Samen, um sich eine dicke Fettschicht als Energiereserve für den Winterschlaf anzufressen. In dieser Phase kann er sein Körpergewicht nahezu verdoppeln.

Daneben nimmt er auch Knospen, Rinde, Blüten und junge Triebe zu sich. Tierische Kost in Form von Insekten, Larven, Schnecken und gelegentlich Vogeleiern oder Jungvögeln ergänzt den Speiseplan, besonders im Frühjahr nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf, wenn pflanzliche Nahrung noch knapp ist. Diese omnivore Ernährungsweise sichert ihm eine flexible Anpassung an wechselnde Nahrungsverfügbarkeit.

Verhalten & Lebensweise

Der Siebenschläfer ist streng nachtaktiv. Tagsüber schläft er in Baumhöhlen, Felsspalten, Nistkästen oder auf Dachböden, oft zusammen mit mehreren Artgenossen. Obwohl er kein ausgeprägtes Sozialsystem mit festen Rudeln bildet, teilen sich insbesondere Weibchen und Jungtiere häufig gemeinsame Schlafplätze. Männchen besetzen in der Fortpflanzungszeit größere Aktionsräume, die sich mit denen mehrerer Weibchen überschneiden.

Die namensgebende Eigenschaft des Siebenschläfers ist sein ausgedehnter Winterschlaf, der je nach geographischer Lage und Witterung zwischen sechs und acht Monaten dauern kann – von September oder Oktober bis Mai oder Juni. Damit gehört er zu den Säugetieren mit dem längsten Winterschlaf in Mitteleuropa. Während dieser Phase sinkt die Körpertemperatur auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt, Herzfrequenz und Atemrate werden drastisch reduziert. Als Winterquartier dienen frostfreie Erdhöhlen und Spalten, die 30 bis 100 cm unter der Erdoberfläche liegen. Der Siebenschläfer zehrt in dieser Zeit ausschließlich von seinen Fettreserven.

Typisch ist auch seine Lautäußerung: ein hohes, quiekendes Pfeifen und ein charakteristisches Murmeln, das besonders in Sommernächten von Dachböden zu hören ist – was ihm in manchen Regionen den Ruf als Poltergeist einbrachte.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit beginnt kurz nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf, meist im Juni oder Juli. Die Männchen suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und legen dabei beträchtliche Strecken zurück. Eine eigentliche Balz im engeren Sinne findet nicht statt, wohl aber kommt es zu Verfolgungsjagden und Rivalenkämpfen zwischen Männchen.

Nach einer Tragzeit von etwa 30 bis 32 Tagen bringt das Weibchen in der Regel einen Wurf mit vier bis sechs, selten bis zu elf Jungtieren zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen nur rund 2 bis 3 Gramm. Sie öffnen ihre Augen nach etwa