Signalkrebs
STierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pacifastacus leniusculus (Dana, 1852)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Astacidae (Flusskrebse)
- Gattung: Pacifastacus
- Lebensraum: Fließgewässer, Seen, Teiche, Kanäle
- Größe: bis 18 cm Körperlänge (ohne Scheren), in Ausnahmefällen über 20 cm
- Gewicht: bis etwa 200 g, selten darüber
- Lebenserwartung: 10–20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Signalkrebs ist ein kräftig gebauter Flusskrebs mit einem glatten, olivbraun bis rötlichbraun gefärbten Panzer (Carapax). Die Körperoberfläche zeigt im Vergleich zum einheimischen Edelkrebs (Astacus astacus) eine deutlich glattere Textur mit weniger ausgeprägten Dornen hinter der Nackenfurche. Die Unterseite der massiven Scheren ist auffällig rot bis orangerot gefärbt – ein Merkmal, das ihn gut vom Edelkrebs unterscheiden lässt.
Das namensgebende Kennzeichen ist ein weißlicher bis türkisfarbener Fleck auf der Oberseite des Scherengelenks. Dieser helle Fleck dient vermutlich der innerartlichen Kommunikation und ist bei adulten Tieren stets deutlich sichtbar. Die Scheren sind breit und robust, an der Innenseite der Finger glatt und ohne den beim Edelkrebs typischen Zwischenraum. Weibchen sind in der Regel etwas kleiner als Männchen und besitzen schmalere Scheren.
Wie alle Zehnfußkrebse verfügt der Signalkrebs über einen chitinhaltigen Außenpanzer (Exoskelett), der regelmäßig gehäutet wird. Junge Tiere häuten sich mehrmals im Jahr, adulte Exemplare meist nur einmal jährlich. Die Facettenaugen sitzen auf beweglichen Stielen, und zwei Paar Antennen dienen als Tast- und Geruchsorgane.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Signalkrebses liegt im Westen Nordamerikas, von British Columbia über Washington und Oregon bis nach Kalifornien und Idaho. In den 1960er-Jahren wurde die Art gezielt in europäische Gewässer eingesetzt, um die durch die Krebspest dezimierte Bestände kommerziell genutzter Flusskrebse zu ersetzen. Schweden war eines der ersten europäischen Länder, das Signalkrebse einführte.
Heute besiedelt der Signalkrebs weite Teile Europas, darunter Großbritannien, Skandinavien, Mitteleuropa und Teile Südeuropas. In Deutschland kommt er mittlerweile in zahlreichen Fließgewässern, Seen und Kanälen vor. Als Habitat bevorzugt er sauerstoffreiche, kühle Gewässer mit steinigem oder kiesigem Untergrund, in dem er Höhlen graben oder natürliche Verstecke nutzen kann. Er toleriert jedoch auch wärmere Bedingungen und nährstoffreichere Gewässer besser als viele einheimische Krebsarten, was seine Ausbreitung begünstigt.
Die Art gilt in Europa als invasiver Neozoon und steht auf der Liste der invasiven gebietsfremden Arten von unionsweiter Bedeutung gemäß EU-Verordnung 1143/2014.
Ernährung
Der Signalkrebs ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Er ernährt sich von Wasserpflanzen, abgestorbenem Pflanzenmaterial (Detritus), Algen, Insektenlarven, Schnecken, kleinen Fischen, Fischlaich und Aas. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Jahreszeit und Verfügbarkeit. Juvenilstadien ernähren sich stärker von tierischer Kost, insbesondere von Wirbellosen, während erwachsene Tiere einen höheren Anteil pflanzlicher Nahrung aufnehmen.
Durch seine opportunistische Ernährungsweise und die hohe Populationsdichte kann der Signalkrebs erheblichen Einfluss auf die Makroinvertebraten-Gemeinschaft und die Ufervegetation seines Biotops nehmen. In Gewässern mit hohem Besatz kommt es nachweislich zu einer Reduktion submerser Wasserpflanzen und zu Veränderungen der Artenzusammensetzung am Gewässergrund.
Verhalten & Lebensweise
Der Signalkrebs ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in selbst gegrabenen Höhlen unter Steinen, Wurzeln oder in Uferbereichen. Die Grabtätigkeit kann in weichen Sedimenten und an Lehm- oder Erdufern beträchtlich sein und zur Destabilisierung von Uferböschungen führen. Diese Eigenschaft unterscheidet ihn deutlich vom weniger grabaktiven Edelkrebs.
Gegenüber Artgenossen und anderen Krebsarten verhält sich der Signalkrebs territorial und aggressiv. Er verteidigt sein Revier mit den Scheren und ist dem europäischen Edelkrebs in direkten Auseinandersetzungen körperlich überlegen. Die weißen Scherenflecken spielen dabei als visuelle Signale eine Rolle – sie werden bei Drohgebärden durch Anheben der Scheren deutlich präsentiert.
In den Wintermonaten reduziert der Signalkrebs seine Aktivität, stellt die Nahrungsaufnahme aber nicht vollständig ein. Auch bei niedrigen Wassertemperaturen um 4–5 °C können die Tiere außerhalb ihrer Verstecke angetroffen werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in Mitteleuropa auf den Herbst, meist zwischen September und November. Das Männchen dreht das Weibchen auf den Rücken und heftet Spermatophoren (Samenpakete) an die Unterseite des weiblichen Hinterleibs. Das Weibchen legt anschließend 200 bis 400 Eier ab, die an den Schwimmbeinen (Pleopoden) befestigt werden und dort über den Winter verbleiben.
Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur fünf bis neun Monate. Die Larven schlüpfen im späten Frühjahr und durchlaufen mehrere Häutungen, während sie zunächst am Muttertier verbleiben. Nach etwa zwei Wochen lösen sich die Jungkrebse und beginnen ein eigenständiges, bodenorientiertes Leben. Die Geschlechtsreife wird im zweiten oder dritten