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Singzikade

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Tierart – Insekten > Wanzen, Zikaden & Läuse

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cicadidae (Familie); in Europa v. a. Cicada orni (Mannazikade) und Lyristes plebejus (Gemeine Singzikade)
  • Ordnung: Hemiptera (Schnabelkerfe)
  • Unterordnung: Auchenorrhyncha (Zikaden)
  • Familie: Cicadidae (Singzikaden)
  • Lebensraum: Wälder, Buschland, Olivenhaine, Macchie, Parks und Gärten in warmen bis tropischen Klimazonen
  • Größe: 20–55 mm Körperlänge (je nach Art); Flügelspannweite bis 100 mm
  • Gewicht: ca. 2–10 g
  • Lebenserwartung: Larvalstadium 2–17 Jahre unterirdisch; adulte Tiere 4–6 Wochen

Aussehen & Merkmale

Singzikaden gehören zu den größten Vertretern der Zikaden in Europa. Ihr Körperbau ist gedrungen und kräftig, der breite Kopf trägt zwei große, weit auseinanderstehende Facettenaugen sowie drei Punktaugen (Ocellen) auf der Scheitelmitte. Die Fühler sind kurz und borstenförmig – ein typisches Merkmal der Auchenorrhyncha. Der Saugrüssel (Rostrum) entspringt weit hinten am Kopf und ist nach unten gerichtet.

Die vier häutigen Flügel sind durchsichtig bis leicht getönt, von einem deutlichen Adernetz durchzogen und werden in Ruhestellung dachartig über dem Hinterleib zusammengelegt. Die Vorderflügel sind länger als die Hinterflügel. Die Körperfärbung variiert je nach Art zwischen grünlich, bräunlich und schwarz, oft mit hellen Zeichnungen auf Thorax und Abdomen. Die Gemeine Singzikade (Lyristes plebejus) erreicht eine Körperlänge von bis zu 50 mm und ist damit eine der größten europäischen Arten. Die Mannazikade (Cicada orni) bleibt mit etwa 25–30 mm deutlich kleiner.

Ein anatomisches Alleinstellungsmerkmal der Männchen sind die paarig angelegten Trommelorgane (Tymbale) an den Seiten des ersten Hinterleibssegments. Diese bestehen aus gewölbten Chitinplatten, die durch spezielle Muskeln in schnelle Schwingungen versetzt werden. Resonanzräume im Abdomen verstärken den erzeugten Schall erheblich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Singzikaden erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Weltweit sind rund 3.000 Arten beschrieben. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in den Tropen und Subtropen. In Europa kommen etwa 15 Arten vor, die überwiegend den Mittelmeerraum besiedeln. Die Mannazikade ist in Südeuropa von Portugal bis in die Türkei verbreitet und dringt stellenweise bis in die südlichen Alpentäler vor. In Deutschland wurden bislang nur vereinzelte Funde gemeldet, etwa in klimatisch begünstigten Lagen am Oberrhein und im Kaiserstuhl.

Bevorzugte Habitate sind lichte Laub- und Mischwälder, Olivenhaine, Macchie, Garrigue sowie Gärten und Parkanlagen. Entscheidend für die Besiedlung ist das Vorhandensein von Bäumen oder Sträuchern, deren Wurzeln den Larven als Nahrungsquelle dienen. Die Tiere benötigen zudem warme, trockene Sommer, da die Gesangsaktivität der Männchen temperaturabhängig ist.

Ernährung

Sowohl Larven als auch adulte Singzikaden ernähren sich ausschließlich von Pflanzensäften. Die Larven stechen mit ihrem Saugrüssel Wurzeln an und nehmen das nährstoffarme Xylem auf. Da Xylemsaft vor allem Wasser und Mineralstoffe, aber nur geringe Mengen organischer Verbindungen enthält, müssen die Tiere große Mengen davon aufnehmen. Dies ist einer der Gründe für die extrem lange Larvalentwicklung. Adulte Tiere saugen an dünnen Zweigen und jungen Trieben. Wirtspflanzen sind unter anderem Oliven, Pinien, Zypressen, Eschen und verschiedene Obstbäume. Ein nennenswerter wirtschaftlicher Schaden an Kulturpflanzen entsteht in der Regel nicht.

Verhalten & Lebensweise

Singzikaden sind tagaktive Insekten. Die Männchen beginnen ihren Gesang bei Temperaturen ab etwa 22 °C, die höchste Aktivität liegt in den Mittagsstunden und am frühen Nachmittag. Der Gesang dient der Anlockung paarungsbereiter Weibchen und gleichzeitig der Revierabgrenzung gegenüber anderen Männchen. Die Lautstärke kann bei manchen Arten über 100 Dezibel erreichen – gemessen in unmittelbarer Nähe des Tieres. Damit gehören Singzikaden zu den lautesten Insekten überhaupt.

Jede Art besitzt einen arttypischen Gesang, der sich in Frequenz, Rhythmus und Phrasierung von dem verwandter Arten unterscheidet. Dieses akustische Signal wirkt als Isolationsmechanismus und verhindert Hybridisierung zwischen sympatrisch vorkommenden Arten. Weibchen antworten auf den Gesang eines Männchens häufig mit kurzen Flügelklicks, die dem Männchen die Ortung ermöglichen.

Bei Gefahr durch Prädatoren – darunter Vögel, Eidechsen und parasitische Wespen – fliegen die Tiere abrupt auf oder produzieren einen schrillen Abwehrlaut. Die adulten Zikaden bilden keine sozialen Verbände, können aber in hohen Dichten auftreten, insbesondere während synchronisierter Massenschlüpfereignisse.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung legt das Weibchen mit seinem säbelförmigen Legebohrer (Ovipositor) Eier in kleine Schlitze dünner Zweige. Pro Gelege werden bis zu 400–600 Eier in Gruppen von jeweils 10–20 Stück abgelegt. Die Eiablage kann zum Absterben der betroffenen Triebspitzen führen.

Nach einigen Wochen schlüpfen die Vorlarven, lassen sich zu Boden fallen und graben sich in die Erde ein. Dort durchlaufen sie fünf Larvenstadien über einen