Skorpionsfliege
STierart – Insekten > Sonstige Insekten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Panorpa communis (Gemeine Skorpionsfliege)
- Ordnung: Schnabelfliegen (Mecoptera)
- Familie: Skorpionsfliegen (Panorpidae)
- Gattung: Panorpa
- Lebensraum: Waldränder, Hecken, Gebüsche, krautreiche Säume in gemäßigten Breiten
- Größe: Körperlänge 9–15 mm, Flügelspannweite bis 35 mm
- Gewicht: circa 20–50 mg
- Lebenserwartung: als Imago wenige Wochen bis Monate; gesamter Entwicklungszyklus etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Skorpionsfliegen gehören trotz ihres Namens weder zu den Skorpionen noch zu den eigentlichen Fliegen. Ihr Körperbau ist schlank und langgestreckt. Der Kopf fällt durch einen schnabelartig verlängerten Fortsatz auf, der als Rostrum bezeichnet wird. An dessen Spitze sitzen die beißend-kauenden Mundwerkzeuge. Dieses Merkmal ist namensgebend für die gesamte Ordnung der Schnabelfliegen (Mecoptera).
Die Tiere besitzen zwei Paar häutige, annähernd gleich große Flügel, die in Ruhestellung flach über dem Hinterleib zusammengelegt werden. Die Flügel sind durchscheinend und tragen ein charakteristisches Muster aus dunklen Flecken und Binden, deren Ausprägung je nach Art variiert. Die Facettenaugen sind groß und gut entwickelt, dazu kommen drei Punktaugen (Ocellen) auf dem Scheitel.
Das auffälligste Merkmal der Skorpionsfliege betrifft ausschließlich die Männchen: Das Hinterleibsende ist kolbenartig verdickt und wird häufig nach oben gebogen über dem Rücken getragen – eine Haltung, die an den Stachel eines Skorpions erinnert. Tatsächlich handelt es sich jedoch um das Genitalorgan (Genitalkapsel), das keinerlei Gift enthält und völlig ungefährlich ist. Weibchen besitzen ein spitz zulaufendes Hinterleibsende ohne diese Verdickung.
Die Grundfärbung des Körpers ist gelblich-braun bis schwarz. Die Beine sind lang und dünn, die Tarsen enden in paarigen Klauen. Wie bei allen Insekten besteht der Körper aus Kopf, Thorax und Abdomen, geschützt durch ein Außenskelett aus Chitin.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Panorpa erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. In Mitteleuropa kommen mehrere Arten vor, darunter neben Panorpa communis auch Panorpa germanica und Panorpa vulgaris, die sich äußerlich stark ähneln und oft nur anhand der Genitalstrukturen sicher unterschieden werden können.
Bevorzugte Habitate sind halbschattige bis schattige Bereiche: Waldränder, Lichtungen, Gebüsche, Heckenreihen und krautreiche Säume entlang von Wegen und Gewässern. Die Tiere meiden sowohl extrem trockene als auch vollständig offene Biotope. Eine gewisse Bodenfeuchte ist für die Larvalentwicklung notwendig, weshalb Skorpionsfliegen häufig in der Nähe von Bachläufen oder in feuchten Laubwäldern anzutreffen sind. In den Alpen reicht die vertikale Verbreitung bis in Höhenlagen von etwa 1.500 Metern.
Ernährung
Skorpionsfliegen ernähren sich vorwiegend von toten oder sterbenden Insekten, von Aas und von überreifen Früchten. Sie sind damit in erster Linie Aasfresser und Allesfresser. Gelegentlich nehmen sie auch Nektar oder Honigtau auf. Lebende Beute wird nur selten aktiv erbeutet; stattdessen bedienen sich Skorpionsfliegen häufig aus Spinnennetzen, aus denen sie verfangene Insekten stehlen – ein Verhalten, das als Kleptoparasitismus bezeichnet wird. Dabei bewegen sie sich vorsichtig in das Netz, ohne selbst in den Klebfäden haften zu bleiben. Die schnabelartige Kopfverlängerung ermöglicht es ihnen, Nahrung aus engen Spalten und Ritzen aufzunehmen.
Verhalten & Lebensweise
Skorpionsfliegen sind überwiegend tagaktiv, halten sich aber bevorzugt in der Krautschicht und im Unterwuchs auf, wo sie sich entlang von Blättern und Stängeln bewegen. Ihre Flugfähigkeit ist mäßig ausgeprägt; sie fliegen eher kurze Strecken und in niedrigem, taumelndem Flug. Die adulten Tiere treten in Mitteleuropa hauptsächlich zwischen Mai und September auf, mit einem Aktivitätsschwerpunkt in den Sommermonaten. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten oder Revierverteidigung ist bei Skorpionsfliegen nicht bekannt. Die Tiere leben einzelgängerisch und kommen nur zur Paarungszeit gezielt zusammen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Paarungsverhalten der Skorpionsfliegen umfasst ein aufwändiges Balzritual. Das Männchen bietet dem Weibchen vor der Kopulation ein sogenanntes Brautgeschenk an – in der Regel ein totes Insekt oder ein Speicheltröpfchen, das aus speziellen Speicheldrüsen am Abdomen abgesondert wird. Während das Weibchen dieses Geschenk frisst, findet die Kopulation statt. Die Qualität und Größe des Brautgeschenks beeinflusst die Paarungsbereitschaft des Weibchens erheblich. Männchen, die kein oder ein minderwertiges Geschenk anbieten, werden häufig abgewiesen.
Nach der Begattung legt das Weibchen die Eier in kleinen Gelegen in feuchte Erde ab. Die Larven schlüpfen nach ein bis zwei Wochen und entwickeln sich im Boden. Sie ähneln in ihrer Gestalt Raupen von Schmetterlingen, besitzen aber neben den drei Brustbeinpaaren auch Bauchfüße am Abdomen. Die Larven durchlaufen vier Larvenstadien und ernähren sich von organischem Material im Boden, darunter tote Insekten und pflanzliche Reste. Die Verpuppung erfolgt ebenfalls im Boden in einer kleinen Erdh