Spanische Wegschnecke
STierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Arion vulgaris (Moquin-Tandon, 1855)
- Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
- Familie: Wegschnecken (Arionidae)
- Gattung: Arion
- Lebensraum: Gärten, Äcker, Wiesen, Auwälder, Ruderalflächen
- Größe: 8–15 cm (ausgestreckt)
- Gewicht: 10–30 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Spanische Wegschnecke ist eine gehäuselose Nacktschnecke mit einem langgestreckten, muskulösen Körper. Anders als Gehäuseschnecken besitzt sie kein äußerlich sichtbares Schneckenhaus – lediglich unter dem Mantelschild befindet sich ein kleines, rudimentäres Kalkplättchen. Die Körperfarbe variiert erheblich und reicht von orangebraun über rotbraun und dunkelbraun bis fast schwarz. Jungtiere sind häufig heller gefärbt und zeigen seitliche Längsbänder, die bei ausgewachsenen Exemplaren oft verblassen.
Der Mantelschild bedeckt das vordere Körperdrittel und weist eine charakteristische körnige Oberfläche auf. Die Sohle – also die Unterseite des Fußes – ist hell bis gelblich-orange gefärbt. Bei Reizung produziert die Schnecke einen auffällig zähen, klebrigen Schleim von orangegelber Farbe, der für Fressfeinde unangenehm ist und als Abwehrmechanismus dient. Dieses stark schleimende Verhalten unterscheidet sie von vielen verwandten Arten wie der Großen Wegschnecke (Arion ater) oder der Garten-Wegschnecke (Arion hortensis), mit denen sie leicht verwechselt werden kann.
Eine sichere Artbestimmung ist bei Wegschnecken der Gattung Arion häufig nur durch Untersuchung der Genitalanatomie möglich, da die äußere Farbvariation innerhalb einer Art groß und zwischen den Arten überlappend ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Spanischen Wegschnecke liegt vermutlich in Südwesteuropa – auf der Iberischen Halbinsel und in Südfrankreich. Der deutsche Trivialname leitet sich von dieser angenommenen Herkunft ab, wobei neuere genetische Studien Zweifel daran aufkommen lassen: Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Art möglicherweise auch in Mitteleuropa seit Langem heimisch ist und sich hier lediglich durch veränderte Landnutzung und Klimawandel stark ausgebreitet hat.
Heute besiedelt Arion vulgaris weite Teile Europas – von Portugal bis Skandinavien und von Großbritannien bis nach Osteuropa. Als typische Kulturfolger-Art bevorzugt sie anthropogen geprägte Habitate: Gärten, Gemüsebeete, Parkanlagen, Komposthaufen, Ackerränder und feuchte Wiesen. In naturnahen Biotopen wie geschlossenen Wäldern tritt sie seltener auf. Besonders hohe Populationsdichten erreicht sie in milden, feuchten Sommern. Ihre Ausbreitung wurde wesentlich durch den internationalen Pflanzenhandel begünstigt, über den Eier und Jungtiere in Pflanzenerde verschleppt werden.
Ernährung
Die Spanische Wegschnecke ist ein Allesfresser mit deutlichem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Sie frisst Blätter, Stängel, Früchte und Blüten einer Vielzahl von Kulturpflanzen und Wildkräutern. Salat, Erdbeeren, Kohl, Tagetes und Funkien gehören zu den bevorzugten Nahrungspflanzen in Gärten. Darüber hinaus nimmt sie auch Aas, Kot, Pilze und sogar tote Artgenossen auf. Diese opportunistische Ernährungsweise verschafft ihr einen Konkurrenzvorteil gegenüber spezialisierten einheimischen Schneckenarten.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt über die Raspelzunge (Radula), ein für Weichtiere typisches Organ, das mit Tausenden winziger Zähnchen besetzt ist und pflanzliches Gewebe effektiv abraspeln kann.
Verhalten & Lebensweise
Arion vulgaris ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbirgt sie sich unter Brettern, Steinen, dichter Vegetation oder in Erdspalten, um Austrocknung zu vermeiden. Bei Regenwetter oder hoher Luftfeuchtigkeit ist sie auch tagsüber aktiv und kann dann in großer Zahl auf Wegen und Beeten beobachtet werden.
Die Fortbewegung erfolgt über wellenförmige Muskelkontraktionen des Fußes auf einer selbst produzierten Schleimspur. Dieser Schleim dient nicht nur der Fortbewegung, sondern auch der Kommunikation: Artgenossen können über chemische Signale in der Schleimspur Informationen über Nahrungsquellen und paarungsbereite Tiere aufnehmen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht bekannt; die Tiere zeigen jedoch eine gewisse Ortsgebundenheit und kehren wiederholt zu denselben Tagesverstecken zurück.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wie alle Wegschnecken ist die Spanische Wegschnecke ein Zwitter (Hermaphrodit) – jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Bei der Paarung, die meist im Spätsommer stattfindet, tauschen zwei Individuen gegenseitig Spermatophoren aus. Der Begattung geht ein ausgedehntes Balzverhalten voraus, bei dem sich die Tiere umkreisen, gegenseitig beschleimen und aneinander fressen.
Einige Wochen nach der Paarung legt jedes Tier 200 bis 400 Eier in kleinen Gelegen von jeweils 20 bis 80 Stück. Die durchscheinenden, weißlichen Eier werden in feuchte Erde, unter Steine oder in Komposthaufen abgelegt. Die Entwicklungsdauer bis zum Schlupf beträgt je nach Temperatur drei bis sechs Wochen. Die Jungtiere sind beim Schlupf wenige Millimeter groß und bereits selbstständig – eine Brutpflege findet nicht statt. Die Elterntiere sterben in der Regel im Herbst oder Winter nach der Eiablage. In milden Wintern können jedoch auch ausgewachsene Schnecken