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Spiegel

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Spiegel bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache einen hellen, meist weißlich bis gelblich gefärbten Fleck am Hinterteil bestimmter Wildarten. Dieser auffällige Fellbereich hebt sich deutlich vom übrigen Haarkleid ab und dient in der Natur vor allem als optisches Signal zwischen Artgenossen. Der Begriff gehört zum festen Vokabular der Weidmannssprache und wird von Jägern bei der Ansprache und Bestimmung von Wild regelmäßig verwendet.

Der Spiegel ist kein einheitliches Merkmal aller Wildtiere, sondern tritt bei bestimmten Arten in charakteristischer Form und Färbung auf. Seine Ausprägung kann je nach Wildart, Jahreszeit, Alter und Geschlecht des Tieres variieren. Für den Jäger stellt der Spiegel ein wesentliches Erkennungsmerkmal dar, das bei der Wildbeobachtung und beim Ansprechen eine wichtige Rolle spielt.

Vorkommen bei verschiedenen Wildarten

Am bekanntesten ist der Spiegel beim Rehwild. Rehe tragen einen deutlich sichtbaren, weißen Fleck am Hinterende, der im Winter besonders hell erscheint und im Sommer etwas gelblicher wirkt. Der Spiegel der Rehgeiß weist eine charakteristische herzförmige oder schildartige Form auf, während er beim Rehbock eher nierenförmig ausgeprägt ist. Dieses Unterscheidungsmerkmal nutzen Jäger gezielt, um das Geschlecht auf größere Entfernung zu bestimmen – ein wesentlicher Bestandteil des korrekten Ansprechens vor der Schussabgabe.

Auch beim Rotwild findet sich ein Spiegel, der hier als heller, gelblich bis rötlicher Fleck rund um den Wedel (Schwanz) auftritt. Beim Rotwild ist der Spiegel weniger kontrastreich als beim Rehwild, aber dennoch gut erkennbar. Beim Damwild zeigt sich ein weißer Spiegel, der von dunklen Linien eingefasst wird und auf dem charakteristisch langen Wedel besonders auffällt.

Weitere Wildarten mit ausgeprägtem Spiegel sind:

  • Gamswild – heller Fleck am Hinterteil, der besonders im Winterhaar sichtbar wird
  • Muffelwild – weißlicher Sattelfleck, der ebenfalls als Spiegel angesprochen wird
  • Elchwild – heller Bereich rund um den kurzen Wedel

Beim Schwarzwild (Wildschwein) fehlt ein Spiegel vollständig, was als weiteres Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Schalenwild der Hirschartigen dient.

Biologische Funktion

Der Spiegel erfüllt in der Natur mehrere biologische Aufgaben. Seine Hauptfunktion liegt in der innerartlichen Kommunikation. Wird ein Stück Wild beunruhigt und flüchtet, spreizt es häufig die Haare am Spiegel, wodurch der helle Fleck optisch vergrößert wird. Dieses Aufstellen der Haare am Hinterteil dient als Warnsignal für nachfolgende Artgenossen. In der Dämmerung und bei schlechten Lichtverhältnissen ist der helle Spiegel auch auf größere Distanz noch gut wahrnehmbar.

Bei Rehwild spielt der Spiegel zusätzlich eine Rolle bei der Mutter-Kind-Bindung. Kitze orientieren sich beim Folgen der Ricke am hellen Spiegel der Mutter, der gerade in Waldbeständen mit wenig Licht als Leitmarke dient. Diese Nachfolgefunktion ist besonders in den ersten Lebenswochen der Jungtiere von Bedeutung.

Darüber hinaus kann der Spiegel als Ablenkungs- und Verwirrungssignal gegenüber Beutegreifern wirken. Wenn ein Rudel flüchtender Rehe ihre Spiegel aufstellt, entsteht für einen Fressfeind ein verwirrendes Muster aus hellen Flecken, das die Fixierung auf ein einzelnes Tier erschwert.

Bedeutung für die jagdliche Praxis

In der jagdlichen Praxis ist der Spiegel ein unverzichtbares Hilfsmittel beim Ansprechen von Wild. Unter Ansprechen versteht der Jäger die genaue Bestimmung von Wildart, Geschlecht und Alter eines Stückes vor dem Schuss. Die Form des Spiegels liefert hierbei verlässliche Hinweise.

Beim Rehwild gilt als Faustregel: Der Spiegel der Geiß ist herzförmig und wird nach unten hin durch einen Schürzenfleck aus verlängerten Haaren – den sogenannten Schürze – ergänzt. Dem Bock fehlt diese Schürze; sein Spiegel erscheint breiter und nierenförmig. Gerade in der Blattzeit und bei der Drückjagd, wenn Entscheidungen schnell fallen müssen, ist die Kenntnis dieser Unterschiede von großer praktischer Bedeutung.

Auch bei der Nachsuche auf krankes Wild kann der Spiegel Hinweise liefern. Ein mit gesträubtem Spiegel flüchtendes Stück zeigt höchste Erregung an. Beschossenes Wild, das mit eingeklemmtem Wedel und anliegendem Spiegel abgeht, deutet häufig auf einen Treffer im Weidwundbereich hin.

Der Spiegel bei Flugwild

Neben der Verwendung beim Haarwild kennt die Jägersprache den Begriff Spiegel auch beim Federwild. Bei Enten bezeichnet der Spiegel ein glänzendes, oft metallisch schillerndes Federfeld auf den Flügeln, das als Flügelspiegel oder Schillerfeld bekannt ist. Besonders bei der Stockente tritt ein blau-violett schimmernder Spiegel auf den Armfedern hervor, der von weißen Binden eingerahmt wird. Dieser Flügelspiegel dient als Arterkennungsmerkmal und spielt bei der Balz eine Rolle.

Im Gegensatz zum Spiegel beim Schalenwild handelt es sich hier um eine Strukturfärbung der Federn, bei der einfallendes Licht an feinen Federstrukturen gebrochen und reflektiert wird – daher auch die Bezeichnung Spiegel, die auf die spiegelnde Lichtreflexion zurückgeht.

Etymologie und