Spiegelkarpfen
STierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cyprinus carpio (Zuchtform)
- Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Gattung: Cyprinus
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer, Teiche, Seen, Altarme
- Größe: 30–80 cm, in Ausnahmefällen über 100 cm
- Gewicht: 2–15 kg, Einzelexemplare über 25 kg
- Lebenserwartung: 20–40 Jahre, in Einzelfällen über 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Spiegelkarpfen ist eine durch gezielte Zucht entstandene Zuchtform des Gemeinen Karpfens (Cyprinus carpio). Sein auffälligstes Merkmal ist die stark reduzierte Beschuppung. Während der Wildkarpfen und der vollständig beschuppte Schuppenkarpfen ein gleichmäßiges Schuppenkleid tragen, besitzt der Spiegelkarpfen nur einzelne, dafür deutlich vergrößerte Schuppen. Diese sind unregelmäßig über den Körper verteilt, treten aber gehäuft entlang der Seitenlinie, am Rücken und an der Schwanzwurzel auf. Die namensgebenden Schuppen sind flach, rundlich und glänzen metallisch – daher die Bezeichnung „Spiegel".
Der Körper ist hochrückig und seitlich leicht abgeflacht, wobei der Körperbau je nach Zuchtlinie variieren kann. Manche Linien sind gedrungener, andere langgestreckter. Die Grundfärbung reicht von olivgrün bis bräunlich-golden auf der Oberseite, während die Flanken gelblich bis messingfarben schimmern. Die Bauchseite ist heller, oft gelblich-weiß. Wie alle Karpfen besitzt der Spiegelkarpfen vier Barteln am Oberkiefer – zwei kürzere und zwei längere –, die als Tastorgane bei der Nahrungssuche am Gewässergrund dienen. Das Maul ist vorstülpbar und nach unten gerichtet, typisch für einen Bodenfresser.
Eine weitere Zuchtform mit noch stärker reduzierter Beschuppung ist der Zeilkarpfen, bei dem die wenigen Schuppen in einer Reihe entlang der Seitenlinie angeordnet sind. Der nahezu schuppenlose Lederkarpfen stellt die extremste Variante dar. Alle diese Formen gehören derselben Art an und sind untereinander kreuzbar.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Karpfens lag in den Einzugsgebieten des Schwarzen Meeres und des Kaspischen Meeres. Durch die klösterliche Teichwirtschaft ab dem Mittelalter wurde der Karpfen in ganz Mitteleuropa verbreitet. Der Spiegelkarpfen als Zuchtform entstand vermutlich im 18. Jahrhundert in Mitteleuropa, wobei die genaue Herkunft nicht vollständig geklärt ist.
Heute kommt der Spiegelkarpfen in praktisch allen mitteleuropäischen Ländern vor – sowohl in bewirtschafteten Teichanlagen als auch verwildert in natürlichen Gewässern. Sein bevorzugtes Habitat sind stehende oder langsam fließende Gewässer mit weichem, schlammigem Grund. Seen, Weiher, Altarme von Flüssen, Baggerseen und Stauseen bieten geeignete Biotope. Der Spiegelkarpfen bevorzugt warme, nährstoffreiche (eutrophe) Gewässer mit dichter Ufervegetation und ausgeprägten Flachwasserzonen. In schnell fließenden, kalten oder nährstoffarmen Gewässern ist er dagegen selten anzutreffen.
Ernährung
Der Spiegelkarpfen ist ein Allesfresser (Omnivore) mit Schwerpunkt auf tierischer Kost vom Gewässergrund. Sein Nahrungsspektrum umfasst Zuckmückenlarven, Würmer, Schnecken, Muscheln, kleine Krebstiere und andere Wirbellose des Benthos. Daneben nimmt er pflanzliche Nahrung wie Wasserpflanzen, Samen und Detritus auf. Bei der Nahrungssuche durchwühlt der Karpfen den Bodengrund systematisch, wobei er das Substrat mit dem vorstülpbaren Maul einsaugt und Unverdauliches durch die Kiemen wieder ausstößt. Die Barteln spielen dabei als chemo- und mechanorezeptorische Organe eine zentrale Rolle.
In Teichanlagen wird der Spiegelkarpfen mit Getreide, Leguminosen und speziellen Futtermischungen zugefüttert. In natürlichen Gewässern kann intensive Gründelaktivität größerer Karpfenbestände die Wassertrübung erhöhen und Unterwasserpflanzen schädigen.
Verhalten & Lebensweise
Spiegelkarpfen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich oft in tieferen, geschützten Bereichen des Gewässers auf oder stehen zwischen Wasserpflanzen und unter überhängenden Ufergehölzen. In den Morgen- und Abendstunden sowie nachts ziehen sie in flachere Bereiche zur Nahrungssuche. Bei warmem Wetter lassen sich Karpfen gelegentlich an der Wasseroberfläche beobachten, wo sie Luft schnappen oder sich sonnen.
Karpfen leben gesellig und bilden lockere Gruppen, die allerdings keine festen sozialen Strukturen aufweisen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten zeigen sie nicht. Im Winter fallen Spiegelkarpfen bei Wassertemperaturen unter 8 °C in eine Art Winterruhe: Sie ziehen sich in tiefere Gewässerbereiche zurück, stellen die Nahrungsaufnahme weitgehend ein und reduzieren ihren Stoffwechsel erheblich. Erst mit steigenden Temperaturen im Frühjahr werden sie wieder aktiv.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit des Spiegelkarpfens fällt in die Monate Mai bis Juli, wenn die Wassertemperatur mindestens 18 °C erreicht. Das Laichverhalten wird häufig als „Laichspiel" bezeichnet: Mehrere Milchner (Männchen) verfolgen ein Rogner (Weibchen) in den flachen, pflanzenreichen Uferzonen. Die Balz ist mit heftigen Bewegungen, Sprüngen und lautem Platschen verbunden. Die Eier werden in mehreren Schüben an Wasserpflanzen und überfl