Spitzmaus
STierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Soricidae (Familie)
- Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
- Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
- Unterfamilien: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae), Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae), Myosoricinae
- Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gärten, Feuchtgebiete, Gebirgsregionen
- Größe: 3,5–15 cm Körperlänge (je nach Art)
- Gewicht: 2–15 g (Etruskerspitzmaus ab ca. 1,8 g)
- Lebenserwartung: 12–18 Monate in freier Wildbahn
- Anzahl der Arten: über 350 weltweit
Aussehen & Merkmale
Spitzmäuse sind kleine, mausähnliche Säugetiere, die sich bei genauerer Betrachtung deutlich von echten Mäusen (Muridae) unterscheiden. Trotz des irreführenden Namens gehören sie nicht zu den Nagetieren (Rodentia), sondern zur Ordnung der Insektenfresser (Eulipotyphla). Ihr auffälligstes Merkmal ist die namensgebende, rüsselartig verlängerte und spitz zulaufende Schnauze, die mit zahlreichen Tasthaaren (Vibrissen) besetzt ist. Die Augen sind sehr klein, teils nahezu unter dem Fell verborgen, und die Ohrmuscheln treten kaum hervor.
Das Fell ist dicht, kurz und samtig. Die Färbung variiert je nach Art von graubraun über dunkelbraun bis fast schwarz auf der Oberseite, während die Bauchseite meist heller ausfällt. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal innerhalb der Familie ist die Zahnfärbung: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae) besitzen rötlich-braun pigmentierte Zahnspitzen durch Eiseneinlagerungen, während Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae) rein weiße Zähne aufweisen. Das Gebiss ist insektivorentypisch mit spitzen, teils mehrspitzigen Zähnen ausgestattet und unterscheidet sich grundlegend vom Nagergebiss, dem die typischen Nagezähne fehlen.
Die kleinste Art der Familie – und zugleich das kleinste Säugetier der Welt nach Gewicht – ist die Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus) mit einer Körperlänge von nur 3,5 cm und einem Gewicht von rund 1,8 g. Die größte Art, die Riesenmoskusspitzmaus (Suncus murinus), erreicht dagegen bis zu 15 cm Körperlänge.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie der Spitzmäuse ist nahezu weltweit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Europa, Asien, Afrika und Nordamerika. In Südamerika, Australien und der Antarktis fehlen sie hingegen. In Mitteleuropa sind rund zehn Arten heimisch, darunter die Waldspitzmaus (Sorex araneus), die Hausspitzmaus (Crocidura russula), die Zwergspitzmaus (Sorex minutus) und die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens).
Die bevorzugten Habitate sind vielfältig. Je nach Art besiedeln Spitzmäuse Laub- und Mischwälder, Feuchtwiesen, Uferböschungen, Hecken, Gärten und Agrarlandschaften. Die Wasserspitzmaus ist an Gewässerufer gebunden und kann geschickt schwimmen und tauchen. Waldspitzmäuse bevorzugen feuchte Biotope mit dichter Bodenstreu und Falllaubschicht, die ihnen Deckung und ein reiches Nahrungsangebot bieten. Hausspitzmäuse dringen im Winter gelegentlich in Gebäude, Scheunen und Keller vor.
Ernährung
Spitzmäuse sind überwiegend Insektenfresser mit einem extrem hohen Stoffwechsel. Sie ernähren sich von Insekten, Larven, Regenwürmern, Spinnen, Schnecken und anderen Wirbellosen. Einige Arten nehmen zusätzlich Samen und pflanzliche Kost auf, doch der Anteil tierischer Nahrung überwiegt deutlich.
Der Energiebedarf von Spitzmäusen ist in Relation zu ihrer Körpergröße enorm. Das Herz einer Waldspitzmaus schlägt in Ruhe etwa 800-mal pro Minute, bei Erregung bis zu 1.200-mal. Um den hohen Stoffwechsel aufrechtzuerhalten, müssen Spitzmäuse täglich eine Nahrungsmenge aufnehmen, die etwa ihrem eigenen Körpergewicht entspricht – teils sogar das Eineinhalbfache. Bereits wenige Stunden ohne Nahrungsaufnahme können zum Tod durch Verhungern führen. Die Wasserspitzmaus erbeutet auch kleine Fische, Kaulquappen und Wasserinsekten; sie verfügt als eine der wenigen giftigen Säugetierarten über einen leicht toxischen Speichel, mit dem sie Beutetiere lähmen kann.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Spitzmausarten leben einzelgängerisch und verteidigen ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Begegnungen zwischen zwei Spitzmäusen enden außerhalb der Paarungszeit häufig in heftigen Kämpfen, begleitet von hohen, zwitschernden Lautäußerungen. Das Revier wird durch Duftmarken aus Flankendrüsen abgegrenzt, deren moschusartiger Geruch auch für den Menschen wahrnehmbar ist. Dieser Geruch ist der Grund, warum Katzen zwar Spitzmäuse fangen, sie aber in der Regel nicht fressen.
Spitzmäuse sind je nach Art tag- oder nachtaktiv, viele Arten zeigen ein polyphasisches Aktivitätsmuster mit mehreren kurzen Aktivitäts- und Ruhephasen über den gesamten Tag verteilt. Einen echten Winterschlaf halten Spitzmäuse nicht. Die Waldspitzmaus zeigt jedoch ein ungewöhnliches Phänomen: Im Winter schrumpft ihr Schädel, Gehirn und mehrere Organe um bis zu 20 Prozent, um den Energiebedarf zu senken – ein Vorgang, der als Dehnel-Phänomen bekannt ist und im Frühjahr teilweise reversibel verläuft.
Einige Weißzahnspitzmaus-Arten zeigen ein besonderes Sozialverhalten bei der Jungenführung: Die sogenannte Karawane, bei der sich die