Stachelschwein
STierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Hystrix cristata (Gewöhnliches Stachelschwein)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Stachelschweine (Hystricidae)
- Gattung: Hystrix
- Lebensraum: Trockene und felsige Landschaften, Halbwüsten, Savannen, lichte Wälder
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 60–90 cm, Schwanzlänge 8–17 cm
- Gewicht: 10–30 kg
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Stachelschweine gehören zu den größten lebenden Nagetieren der Alten Welt. Ihr auffälligstes Merkmal ist das namensgebende Stachelkleid, das den Rücken, die Flanken und den Schwanz bedeckt. Die Stacheln sind umgewandelte Haare, die aus Keratin bestehen – demselben Protein, aus dem auch menschliche Fingernägel aufgebaut sind. Sie erreichen eine Länge von bis zu 40 cm und sind in einem Muster aus hellen und dunklen Bändern gefärbt, was eine Warnfunktion erfüllt.
Am hinteren Rückenbereich sitzen besonders dicke, scharfe Stacheln, während die Schulterpartie von einer Mähne aus langen, borstenartigen Haaren bedeckt ist. Am Schwanzende befinden sich hohle, becherartig geformte Stacheln, die beim Schütteln ein rasselndes Geräusch erzeugen. Der Kopf ist relativ klein und stumpf, die Augen sind klein, die Ohren kurz und rundlich. Die Vorderzähne sind wie bei allen Nagetieren zu kräftigen, nachwachsenden Nagezähnen (Incisivi) ausgebildet, die orange bis gelblich gefärbt sind. Der Körperbau ist gedrungen und kräftig, die Beine kurz. Die Füße tragen Krallen, die zum Graben geeignet sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Gewöhnlichen Stachelschweins (Hystrix cristata) erstreckt sich über weite Teile Afrikas und reicht bis nach Südeuropa. In Italien ist die Art bis heute heimisch – es handelt sich um das einzige wildlebende Stachelschwein Europas. Ob die italienische Population natürlichen Ursprungs ist oder in der Antike durch den Menschen eingeführt wurde, ist unter Zoologen nach wie vor umstritten.
Innerhalb der Familie Hystricidae existieren elf Arten in drei Gattungen. Neben der Gattung Hystrix mit dem Gewöhnlichen Stachelschwein, dem Indischen Stachelschwein (Hystrix indica) und dem Malaiischen Stachelschwein (Hystrix brachyura) gehören auch die Pinselstachler (Atherurus) und die Quastenstachler (Trichys) zur Familie. Das Habitat reicht von Halbwüsten über Steppen und Savannen bis hin zu subtropischen Wäldern und Kulturlandschaften. Stachelschweine bevorzugen felsige oder hügelige Biotope, in denen sie natürliche Höhlen und Spalten als Unterschlupf nutzen können. Fehlen solche Strukturen, graben sie eigene Baue, die mehrere Meter lang sein können und über verschiedene Eingänge verfügen.
Von den Stachelschweinen der Alten Welt (Hystricidae) sind die Baumstachler (Erethizontidae) Amerikas streng zu unterscheiden. Trotz des ähnlichen Namens und der konvergenten Entwicklung von Stacheln handelt es sich um eine eigenständige Familie, die nicht näher verwandt ist.
Ernährung
Stachelschweine sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie fressen Wurzeln, Knollen, Zwiebeln, Rinde, Früchte und Feldfrüchte. Gelegentlich nehmen sie auch Aas oder Knochen auf – Letztere dienen vermutlich der Mineralstoffversorgung, insbesondere der Aufnahme von Kalzium und Phosphor. In landwirtschaftlich genutzten Gebieten können Stachelschweine erhebliche Schäden an Nutzpflanzen wie Kartoffeln, Kürbissen und Getreide verursachen, was regional zu Konflikten mit dem Menschen führt. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich am Boden; Stachelschweine klettern nicht.
Verhalten & Lebensweise
Stachelschweine sind streng nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in ihren Bauen oder in natürlichen Felsspalten, die sie oft über Jahre hinweg nutzen. Zur Nahrungssuche legen sie nachts Strecken von mehreren Kilometern zurück und folgen dabei häufig denselben Pfaden, sodass ausgetretene Wechsel entstehen.
Die Tiere leben paarweise oder in kleinen Familiengruppen, die aus einem Elternpaar und dem Nachwuchs mehrerer Würfe bestehen können. Ein festes Revier wird verteidigt, wobei die Reviergrößen je nach Nahrungsangebot und Habitat stark schwanken. Die Kommunikation erfolgt über Lautäußerungen wie Grunzen und Fauchen sowie über das charakteristische Rasseln der hohlen Schwanzstacheln. Bei Bedrohung richtet das Stachelschwein zunächst seine Stacheln auf, um größer zu wirken, stampft mit den Füßen und rasselt mit dem Schwanz. Bleibt der Angreifer, läuft das Tier rückwärts auf ihn zu und rammt ihm die Stacheln in den Körper. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme können Stachelschweine ihre Stacheln nicht aktiv abschießen. Die Stacheln lösen sich allerdings leicht aus der Haut und bleiben in der Haut des Angreifers stecken, wo sie durch Widerhaken an der Spitze tief eindringen und schwere Verletzungen verursachen können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Stachelschweine leben in monogamen Paarbindungen, die oft über mehrere Jahre bestehen. Die Paarungszeit ist je nach Verbreitungsgebiet unterschiedlich; in Nordafrika und Südeuropa findet sie vorwiegend im Frühjahr statt. Nach einer Tragzeit von etwa 110 Tagen bringt das Weibchen ein bis drei – selten vier – Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen wiegen rund 300 bis 400 Gramm und haben bei der Geburt bereits weiche St