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Stechfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Stomoxys calcitrans (Linnaeus, 1758)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Familie: Echte Fliegen (Muscidae)
  • Gattung: Stomoxys
  • Lebensraum: Ställe, Weiden, landwirtschaftliche Betriebe, in der Nähe von Nutztieren weltweit
  • Größe: 5–8 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 10–20 mg
  • Lebenserwartung: Imagines ca. 2–4 Wochen; gesamter Lebenszyklus (Ei bis Tod) etwa 3–6 Wochen je nach Temperatur

Aussehen & Merkmale

Die Gemeine Stechfliege – auch Stallfliege oder Wadenstecher genannt – ähnelt auf den ersten Blick der gewöhnlichen Stubenfliege (Musca domestica), von der sie sich jedoch durch mehrere anatomische Merkmale deutlich unterscheidet. Auffälligstes Unterscheidungsmerkmal ist der starre, nach vorne gerichtete Stechrüssel (Proboscis), der bei beiden Geschlechtern ausgebildet ist. Dieser chitinisierte Rüssel ist deutlich länger als der weiche, tupfende Saugrüssel der Stubenfliege und dient dem Durchstechen der Haut von Wirtstieren.

Der Körper ist grau gefärbt und trägt auf dem Thorax vier dunkle Längsstreifen. Das Abdomen zeigt eine schachbrettartige Fleckung aus hellen und dunklen Bereichen. Die Flügel sind transparent und werden in Ruhestellung V-förmig leicht gespreizt gehalten – bei der Stubenfliege liegen sie dagegen eher parallel übereinander. Die Facettenaugen sind bei beiden Geschlechtern durch eine deutliche Stirnpartie getrennt, wobei der Abstand beim Weibchen etwas größer ausfällt als beim Männchen. Die Beine sind kräftig gebaut und mit Haftpolstern (Pulvilli) an den Tarsen ausgestattet.

Lebensraum & Verbreitung

Stomoxys calcitrans ist ein Kosmopolit und kommt nahezu weltweit vor, mit Ausnahme der polaren Regionen. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente, wobei die Art in gemäßigten, subtropischen und tropischen Klimazonen gleichermaßen vertreten ist. In Europa tritt sie vor allem von Mai bis Oktober in Erscheinung; in tropischen Gebieten sind die Populationen ganzjährig aktiv.

Das bevorzugte Habitat der Stechfliege ist eng an die Tierhaltung geknüpft. Rinderställe, Pferdeställe, Schweinemastbetriebe und offene Weiden bilden die typischen Biotope. Die Fliegen halten sich tagsüber bevorzugt an sonnenbeschienenen Wänden, Zäunen und an der Unterseite von Dachvorsprüngen auf. In der Nähe von verrottendem organischem Material – insbesondere durchfeuchtetem Stroh, Mist und Silageresten – finden sie ideale Bedingungen für die Eiablage und Larvenentwicklung. Auch an Stränden wurde die Art wiederholt in Massenvermehrungen beobachtet, wenn angespülte Algen als Brutsubstrat dienten.

Ernährung

Beide Geschlechter der Stechfliege sind obligate Blutsauger – ein wesentlicher Unterschied zur Stubenfliege, bei der keines der Geschlechter Blut aufnimmt. Die Fliege sticht mit ihrem gezähnten Rüssel (Labium mit Labellen) durch die Haut des Wirts und nimmt innerhalb von zwei bis fünf Minuten eine Blutmahlzeit auf, die etwa das Eineinhalbfache ihres eigenen Körpergewichts betragen kann.

Zu den bevorzugten Wirtstieren zählen Rinder, Pferde, Schweine, Hunde und gelegentlich auch der Mensch. Die Stiche erfolgen vorwiegend an den Beinen und der Bauchunterseite der Wirte, was der Art den volkstümlichen Namen Wadenstecher eingebracht hat. Eine einzelne Fliege nimmt in der Regel ein- bis zweimal pro Tag eine Blutmahlzeit zu sich. Zwischen den Blutmahlzeiten saugen die Tiere gelegentlich an Nektar oder anderen zuckerhaltigen Flüssigkeiten, um ihren Energiebedarf zu decken.

Verhalten & Lebensweise

Die Stechfliege ist tagaktiv und zeigt die höchste Stechaktivität in den Morgen- und Nachmittagsstunden. Bei starker Sonneneinstrahlung und Temperaturen über 30 °C nimmt die Aktivität ab; die Tiere ziehen sich dann in schattige Ruhezonen zurück. Bei Temperaturen unter 15 °C stellen sie die Nahrungssuche weitgehend ein.

Die Wirtsfindung erfolgt über eine Kombination aus visuellen und olfaktorischen Reizen. Kohlendioxid, Körperwärme und dunkle, sich bewegende Objekte wirken als Lockreize. Die Fliegen nähern sich ihren Wirten häufig in niedrigem Flug und landen bevorzugt an den unteren Extremitäten. Werden sie während der Blutmahlzeit gestört, fliegen sie kurz auf und kehren rasch an dieselbe oder eine nahegelegene Stelle zurück.

Die Stechfliege gilt als mechanischer Vektor für zahlreiche Krankheitserreger. Sie kann unter anderem das Virus der Equinen Infektiösen Anämie, Trypanosoma-Arten, Bacillus anthracis (Milzbrand) sowie verschiedene Helminthen zwischen Wirtstieren übertragen. Im Gegensatz zu biologischen Vektoren wie Tsetsefliegen (Glossina) findet im Körper der Stechfliege keine Vermehrung oder Entwicklung der Erreger statt – die Übertragung erfolgt rein mechanisch über kontaminierte Mundwerkzeuge.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung legt das Weibchen seine Eier in feuchtes, zersetzendes organisches Material ab, bevorzugt in mit Urin durchsetztes Stroh, Mist oder Kompost. Pro Gelege werden etwa 25 bis 50 Eier abgesetzt; ein Weibchen kann im Laufe seines Lebens bis zu vier Gelege mit insgesamt 200 bis 400 Eiern produzieren.

Die Eier sind länglich-oval, etwa 1 mm lang und weißlich gefärbt.