Steinfliege
STierart – Insekten > Sonstige Insekten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Plecoptera (Ordnung)
- Ordnung: Plecoptera (Steinfliegen)
- Familien: weltweit ca. 16 Familien, darunter Perlidae, Nemouridae, Leuctridae, Perlodidae, Taeniopterygidae
- Anzahl der Arten: weltweit etwa 3.500 beschriebene Arten, in Mitteleuropa rund 130 Arten
- Lebensraum: kühle, sauerstoffreiche Fließgewässer; Larven (Nymphen) im Benthos von Bächen und Flüssen, Imagines in Gewässernähe
- Größe: Körperlänge je nach Art 5–50 mm, Flügelspannweite bis 80 mm bei den größten Vertretern
- Gewicht: wenige Milligramm bis etwa 1 g
- Lebenserwartung: Larvalentwicklung 1–3 Jahre; Imagines leben nur wenige Tage bis Wochen
Aussehen & Merkmale
Steinfliegen besitzen einen dorsoventral abgeflachten, weichhäutigen Körper mit zwei langen, gegliederten Cerci (Schwanzfäden) am Hinterleibsende. Der Kopf trägt lange, fadenförmige Antennen, große Facettenaugen und in der Regel drei Punktaugen (Ocellen). Das Pronotum ist breit und schildförmig. Erwachsene Steinfliegen haben zwei Paar häutige Flügel, wobei die Hinterflügel breiter als die Vorderflügel sind und im Ruhezustand flach auf dem Hinterleib zusammengefaltet werden. Bei manchen Arten, etwa aus der Familie Leuctridae, sind die Flügel reduziert oder werden zum Fliegen kaum genutzt. Die Flügeläderung ist vergleichsweise ursprünglich und dient als wichtiges Bestimmungsmerkmal. Die Körperfarbe variiert je nach Art von gelbbraun über olivgrün bis hin zu fast schwarz. Die Larven (Nymphen) ähneln den Imagines in der Grundform, besitzen jedoch statt ausgebildeter Flügel Flügelscheiden und tragen häufig fadenförmige oder büschelförmige Tracheenkiemen an Thorax und Abdomen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Plecoptera erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die höchste Artendiversität findet sich in gemäßigten und kühlen Klimazonen der Nordhalbkugel sowie in Gebirgsregionen der Südhalbkugel. In Europa leben Steinfliegen vorwiegend in den Alpen, Mittelgebirgen und skandinavischen Gebirgsregionen.
Das bevorzugte Habitat der Larven sind schnell fließende, sauerstoffreiche und kühle Gewässer – insbesondere Quellbäche, Gebirgsbäche und naturnahe Flüsse mit steinigem oder kiesigem Substrat. Die Nymphen leben benthisch, also am Gewässergrund, und halten sich unter Steinen, Totholz oder zwischen Kies auf. Einige Arten besiedeln auch die Uferzone stehender Gebirgsseen. Die adulten Tiere halten sich stets in unmittelbarer Gewässernähe auf und ruhen tagsüber an Steinen, Brücken, Baumstämmen und Ufervegetation. Da die Larven hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellen, gelten Steinfliegen als ausgezeichnete Bioindikatoren: Ihr Vorkommen in einem Biotop zeigt eine geringe Belastung mit organischen Schadstoffen und einen hohen Sauerstoffgehalt an.
Ernährung
Die Ernährungsweise variiert innerhalb der Ordnung erheblich. Bei den Larven wird zwischen zwei Grundtypen unterschieden: Viele Arten aus den Familien Nemouridae, Leuctridae und Taeniopterygidae ernähren sich als Zerkleinerer (Shredder) von totem pflanzlichem Material wie Falllaub, Algenaufwuchs und Detritus. Andere Familien, insbesondere Perlidae und Perlodidae, sind dagegen räuberisch und erbeuten andere Wirbellose des Gewässerbodens – darunter Zuckmückenlarven, Eintagsfliegenlarven und kleinere Artgenossen. Die Imagines nehmen bei vielen Arten keine oder nur geringe Nahrung auf. Einige Vertreter lecken Algen oder Pollen von Oberflächen, doch die adulte Lebensphase dient primär der Fortpflanzung.
Verhalten & Lebensweise
Steinfliegen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen die Imagines regungslos an Uferstrukturen und sind aufgrund ihrer unscheinbaren Körperfarbe gut getarnt. Viele Arten sind schlechte Flieger und bewegen sich bevorzugt laufend oder kletternd fort. Die Flugaktivität ist vor allem in den kühlen Morgen- und Abendstunden zu beobachten. Ein charakteristisches Verhalten der Steinfliegen ist die akustische Kommunikation durch sogenanntes Trommeln (Drumming): Die Tiere schlagen mit dem Hinterleib rhythmisch auf das Substrat – typischerweise Äste, Steine oder Baumrinde – und erzeugen so artspezifische Vibrationssignale, die der Partnerfindung dienen. Dieses Trommelverhalten kann als funktionales Äquivalent zur Balz bei anderen Insektenordnungen verstanden werden.
Die Larven sind ebenfalls überwiegend nachtaktiv und verlassen ihre Verstecke unter Steinen und im Interstitial des Gewässergrundes nach Einbruch der Dunkelheit zur Nahrungssuche. Sie sind gegen Strömung positiv rheotaktisch orientiert und meiden Stillwasserzonen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet an Land in unmittelbarer Gewässernähe statt. Nach dem artspezifischen Trommelritual nähern sich die Geschlechter einander. Das Weibchen trägt die Eier in einem Eiballen am Hinterleibsende und gibt diesen über dem Wasser ab – entweder durch direktes Eintauchen des Abdomens in die Wasseroberfläche oder durch Abwerfen im Flug. Ein Eiballen kann je nach Art mehrere hundert bis einige tausend Eier enthalten.
Die Larvalentwicklung verläuft hemimetabol, also über eine unvollständige Metamorphose ohne Puppenstadium. Die Nymphen durchlaufen je nach Art und Umgebungstemperatur 10 bis über 30 Häutungsstadien (Inst