Steinmarder
STierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Martes foina (Erxleben, 1777)
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Gattung: Echte Marder (Martes)
- Lebensraum: Kulturlandschaften, Siedlungen, Steinbrüche, Felsbiotope, lichte Wälder
- Körperlänge: 40–54 cm (ohne Schwanz), Schwanzlänge 22–30 cm
- Gewicht: 1,1–2,3 kg
- Lebenserwartung: 8–10 Jahre in freier Wildbahn, bis 18 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Steinmarder ist ein schlanker, langgestreckter Raubtier-Vertreter mit relativ kurzen Beinen und einem buschigen Schwanz. Das Fell ist graubraun bis dunkelbraun gefärbt und etwas rauer als das des nah verwandten Baummarders (Martes martes). Das auffälligste Unterscheidungsmerkmal gegenüber dem Baummarder ist der weiße bis gelblichweiße Kehlfleck, der beim Steinmarder typischerweise gegabelt ist und sich bis zu den Vorderbeinen hinabziehen kann. Beim Baummarder hingegen ist dieser Kehlfleck gelblich bis orangefarben und meist ungeteilt.
Der Kopf ist breit mit einer stumpfen Schnauze und auffallend großen, gerundeten Ohren. Die Nase ist hell, ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Baummarder mit seiner dunklen Nase. Die Pfoten sind unbefellt, was dem Steinmarder auf festen Untergründen wie Fels, Mauerwerk und Dachbalken guten Halt verleiht, ihn auf weichem Waldboden oder Schnee jedoch im Vergleich zum Baummarder benachteiligt. Das Gebiss umfasst 38 Zähne mit gut entwickelten Reißzähnen, die für die Ordnung der Carnivora typisch sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Steinmarders erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von der Iberischen Halbinsel über Mittel- und Südeuropa bis nach Zentralasien und in die Mongolei. In Skandinavien und auf den Britischen Inseln fehlt die Art. In Nordamerika kommt sie nicht vor; dort wird die ökologische Nische teilweise vom Fischermarder (Pekania pennanti) eingenommen.
Im Gegensatz zum Baummarder, der geschlossene Waldgebiete bevorzugt, ist der Steinmarder ein ausgesprochener Kulturfolger. Sein bevorzugtes Habitat umfasst offene und halboffene Landschaften, Steinbrüche, Felsbiotope, Scheunen und menschliche Siedlungen. In Städten nutzt er Dachböden, Schuppen und Gartenhäuser als Tagesversteck. Die enge Bindung an menschliche Strukturen hat ihm den volkstümlichen Namen Hausmarder eingebracht. In Gebirgsregionen besiedelt er Höhenlagen bis über 2.000 Meter, sofern geeignete Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sind.
Ernährung
Der Steinmarder ist ein Allesfresser (Omnivor) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Tierische Nahrung macht einen wesentlichen Teil seiner Ernährung aus: Er erbeutet Kleinsäuger wie Mäuse und Ratten, Vögel und deren Eier, Amphibien, Insekten und Regenwürmer. In Siedlungsnähe plündert er gelegentlich Hühnerställe, was ihm einen schlechten Ruf bei Geflügelhaltern eingebracht hat. Das dabei beobachtete sogenannte „Überschusstöten" – das Töten mehrerer Beutetiere über den eigentlichen Bedarf hinaus – wird durch den Fluchtreflex der eingesperrten Hühner ausgelöst, der den Jagdinstinkt des Marders immer wieder neu aktiviert.
Pflanzliche Kost spielt vor allem im Spätsommer und Herbst eine große Rolle. Früchte wie Kirschen, Pflaumen, Birnen, Beeren und Weintrauben werden gern angenommen. Auch Abfälle und Komposthaufen durchsucht der Steinmarder in menschlichen Siedlungen regelmäßig nach Verwertbarem.
Verhalten & Lebensweise
Der Steinmarder ist überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Den Tag verbringt er in seinen Verstecken, die er häufig wechselt. Er lebt als Einzelgänger und beansprucht ein festes Revier, das er mit Sekreten seiner Analdrüsen und mit Kot markiert. Die Reviergröße variiert je nach Nahrungsangebot und Habitat: In städtischen Gebieten umfassen Reviere oft nur 10–30 Hektar, während sie in ländlichen Regionen 50–200 Hektar und mehr betragen können. Die Reviere von Männchen überlappen häufig mit denen mehrerer Weibchen, während gleichgeschlechtliche Reviere in der Regel strikt getrennt sind.
Ein allgemein bekanntes Verhalten des Steinmarders ist das Annagen von Kabeln, Schläuchen und Dämmmaterialien in Motorräumen von Fahrzeugen. Die Ursache liegt wahrscheinlich in der Kombination aus Neugier, Spieltrieb und territorialem Verhalten: Duftmarken anderer Marder an einem Fahrzeug können aggressive Beißreaktionen auslösen. Die dadurch verursachten Schäden an Zünd- und Kühlwasserleitungen belaufen sich in Deutschland auf geschätzte mehrere zehntausend Fälle pro Jahr.
Steinmarder sind gute Kletterer, bewegen sich aber häufiger am Boden als der Baummarder. Sie können kurze Sprünge von bis zu zwei Metern Weite ausführen, erreichen aber nicht die akrobatischen Leistungen ihres waldbewohnenden Verwandten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit (Ranz) des Steinmarders liegt in den Monaten Juni bis August. Nach der Befruchtung findet eine für die Familie der Marder typische Keimruhe (Eiruhe, verzögerte Implantation) statt: Die befruchtete Eizelle nistet sich erst nach mehreren Monaten in die Gebärmutterwand ein. Die eigentliche Embryonalentwicklung dauert nur etwa 30 Tage, sodass die Jungtiere nach einer Gesamttragzeit von 230–275 Tagen im März oder April geboren werden.
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