Sternnasenmaulwurf
STierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Condylura cristata
- Ordnung: Insektenfresser (Eulipotyphla)
- Familie: Maulwürfe (Talpidae)
- Gattung: Condylura
- Lebensraum: Feuchte Wiesen, Sümpfe, Ufer von Gewässern im östlichen Nordamerika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 10–13 cm, Schwanzlänge 6–8 cm
- Gewicht: 35–75 g
- Lebenserwartung: ca. 3–4 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Sternnasenmaulwurf ist unter den rund 40 Arten der Familie Talpidae sofort zu identifizieren – dank eines einzigartigen Nasenorgans, das keinem anderen Säugetier auch nur entfernt ähnelt. Am Ende der Schnauze sitzen 22 fingerartige, rosafarbene Hautanhänge, die sternförmig angeordnet sind und dem Tier seinen deutschen wie englischen Namen (Star-nosed Mole) geben. Diese sogenannten Eimer-Organe sind extrem dicht mit Mechanorezeptoren (Eimer-Organe) besetzt – auf einer Fläche von weniger als einem Quadratzentimeter befinden sich über 25.000 Tastsinneszellen.
Das Fell ist dicht, samtig und nahezu wasserabweisend, in der Regel dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die Vorderpfoten sind im Vergleich zu anderen Maulwürfen etwas schmaler, dafür aber kräftig bekrallt und seitlich abgeflacht – sie eignen sich sowohl zum Graben als auch zum Schwimmen. Die Augen sind winzig klein und von Fell umgeben, funktionell aber nicht vollständig zurückgebildet: Der Sternnasenmaulwurf kann hell und dunkel unterscheiden. Die Ohrmuscheln fehlen äußerlich, der Gehörgang ist jedoch vorhanden. Der Schwanz ist auffallend lang für einen Maulwurf, im Winter verdickt er sich deutlich und dient als Fettspeicher.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Condylura cristata erstreckt sich über den Osten Nordamerikas – von der kanadischen Atlantikküste (Labrador, Neuschottland) südwärts bis nach Georgia und westlich bis Manitoba und Minnesota. Die Art besiedelt bevorzugt feuchte bis nasse Habitate: Sümpfe, Feuchtwiesen, Ufer von Seen und Flüssen sowie Torfmoore. Gelegentlich findet man Sternnasenmaulwürfe auch in feuchten Waldböden oder auf Überschwemmungsflächen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Maulwürfen ist der Sternnasenmaulwurf nicht auf rein unterirdische Biotope beschränkt. Er nutzt Gangsysteme knapp unter der Erdoberfläche, bewegt sich aber regelmäßig auch oberirdisch fort und ist ein ausgezeichneter Schwimmer und Taucher. Selbst unter dem Eis von zugefrorenen Gewässern wurde er beim Nahrungserwerb beobachtet.
Ernährung
Der Sternnasenmaulwurf ernährt sich omnivor mit deutlichem Schwerpunkt auf tierischer Kost. Auf dem Speiseplan stehen Regenwürmer, Insektenlarven, Schnecken, kleine Krebstiere und gelegentlich kleine Fische. Im Wasser erbeutet er vor allem Wasserinsekten, Egelarten und Flohkrebse (Amphipoda). Pflanzliche Nahrung spielt eine untergeordnete Rolle.
Die sternförmigen Nasenanhänge sind das zentrale Werkzeug der Nahrungssuche. Mit ihrer Hilfe kann das Tier in weniger als einer Viertelsekunde ein Beutetier identifizieren, ergreifen und zum Maul führen. In kontrollierten Laborversuchen wurde eine durchschnittliche Reaktionszeit von etwa 230 Millisekunden gemessen – das macht den Sternnasenmaulwurf zum schnellsten fressenden Säugetier überhaupt. Die Nasenanhänge bewegen sich dabei in ständigem, schnellem Abtasten über den Untergrund, vergleichbar mit den Sakkadenbewegungen des menschlichen Auges.
Verhalten & Lebensweise
Anders als die meisten europäischen Maulwürfe lebt der Sternnasenmaulwurf nicht streng solitär. Mehrere Individuen teilen sich mitunter Gangsysteme, und Paare halten sich außerhalb der Fortpflanzungszeit häufig in räumlicher Nähe zueinander auf. Die Art ist sowohl tag- als auch nachtaktiv; eine feste Aktivitätsperiode lässt sich nicht eindeutig abgrenzen. Auch im Winter hält Condylura cristata keinen Winterschlaf, sondern bleibt ganzjährig aktiv.
Die Gangsysteme verlaufen meist dicht unter der Oberfläche und münden nicht selten direkt in Gewässer. Dort jagt das Tier tauchend nach Beute. Beim Schwimmen nutzt es die breiten Vorderpfoten als Paddel und den langen Schwanz als Steuerruder. An der Wasseroberfläche und unter Wasser bläst der Sternnasenmaulwurf kleine Luftblasen aus der Nase und saugt sie sofort wieder ein – eine Technik, mit der er vermutlich Geruchsmoleküle auch im Wasser wahrnehmen kann. Damit wäre er eines der wenigen Säugetiere, die unter Wasser riechen können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate März bis April. Nach einer Tragzeit von etwa 45 Tagen bringt das Weibchen in einer mit Pflanzenmaterial ausgepolsterten Nestkammer einen Wurf von meist vier bis sieben Jungtieren zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen nur rund 1,5 Gramm. Die sternförmigen Nasenanhänge sind bei der Geburt bereits angelegt, aber noch nach vorn gefaltet und weitgehend unbeweglich.
Nach etwa zwei Wochen öffnen sich die Augen, die Nasenanhänge werden voll funktionsfähig, und die Jungtiere beginnen, feste Nahrung aufzunehmen. Mit rund 30 Tagen sind sie entwöhnt. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von etwa zehn Monaten ein, sodass die meisten Tiere im Frühjahr nach ihrer Geburt erstmals selbst Nachwuchs haben. In der Regel gibt es nur einen Wurf pro Jahr.