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Stichling

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Gasterosteus aculeatus (Dreistachliger Stichling)
  • Ordnung: Stichlingsartige (Gasterosteiformes)
  • Familie: Stichlinge (Gasterosteidae)
  • Gattung: Gasterosteus
  • Lebensraum: Süßgewässer, Brackwasser, küstennahe Meeresgebiete
  • Größe: 4–8 cm, selten bis 11 cm
  • Gewicht: 1–8 g
  • Lebenserwartung: 2–4 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Dreistachlige Stichling ist ein kleiner, seitlich leicht abgeflachter Fisch mit einer spindelförmigen Körpergestalt. Sein auffälligstes Merkmal sind die drei freistehenden Stacheln auf dem Rücken, die vor der eigentlichen Rückenflosse sitzen und der Art ihren Namen geben. Diese Stacheln lassen sich aufrichten und dienen als wirksamer Fraßschutz gegen Raubfische und andere Beutegreifer.

Anstelle typischer Schuppen besitzt der Stichling seitlich am Körper sogenannte Knochenplatten, deren Anzahl je nach Population stark variiert. Wanderformen, die zwischen Meer und Süßwasser pendeln, tragen in der Regel eine nahezu vollständige Panzerung aus bis zu 35 Knochenplatten pro Seite, während stationäre Süßwasserpopulationen oft nur wenige Platten aufweisen. An der Bauchseite finden sich zwei weitere kräftige Stacheln, die den umgewandelten Bauchflossen entsprechen.

Außerhalb der Laichzeit zeigt der Stichling eine unauffällige graugrüne bis silbrige Färbung mit dunkleren Flecken auf dem Rücken und heller Unterseite. Während der Fortpflanzungszeit entwickelt das Männchen eine intensive Rotfärbung an Kehle und Brust, während die Iris der Augen blaugrün leuchtet. Der Rücken nimmt dann einen grünlich-blauen Ton an. Diese Farbveränderung wird hormonell gesteuert und spielt eine zentrale Rolle im Balzverhalten.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Dreistachligen Stichlings erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. Er kommt in Europa, Nordasien und Nordamerika vor und besiedelt dort ein breites Spektrum an Gewässern. In Mitteleuropa zählt er zu den häufigsten heimischen Süßwasserfischen und ist in nahezu allen Gewässertypen anzutreffen.

Als Habitat nutzt der Stichling stehende und langsam fließende Gewässer wie Gräben, Teiche, Weiher, Altarme, kleine Bäche und die Uferzonen von Seen. Er bevorzugt flache, pflanzenreiche Bereiche mit dichtem Unterwasserbewuchs, der Deckung und Nahrung bietet. Dabei toleriert er ein breites Spektrum an Wasserqualitäten und besiedelt auch nährstoffreiche, stark verkrautete Biotope, in denen viele andere Fischarten nicht mehr vorkommen. Manche Populationen leben dauerhaft im Brackwasser oder in küstennahen Meeresgebieten und wandern nur zum Laichen ins Süßwasser auf – diese werden als anadrome Wanderformen bezeichnet.

In Deutschland ist der Stichling flächendeckend verbreitet und in allen Bundesländern nachgewiesen. Er gilt als anpassungsfähiger Kulturfolger und kann selbst in stark anthropogen veränderten Gewässern wie Entwässerungsgräben und Parkteichen stabile Bestände aufbauen.

Ernährung

Der Stichling ist ein opportunistischer Allesfresser mit Schwerpunkt auf tierischer Kost. Sein Nahrungsspektrum umfasst Kleinkrebse (Daphnien, Copepoden), Insektenlarven, Würmer, Schnecken und andere wirbellose Kleintiere. Ergänzend nimmt er auch Fischeier, frisch geschlüpfte Fischlarven und gelegentlich pflanzliches Material auf. Die Nahrungssuche erfolgt vorwiegend visuell – der Stichling ortet seine Beute mit den Augen und saugt sie mit einer schnellen Maulbewegung ein. In Gewässern mit hoher Stichlingsdichte kann der Fraßdruck auf Zooplankton so stark sein, dass sich dies auf die gesamte Nahrungskette auswirkt.

Verhalten & Lebensweise

Außerhalb der Laichzeit leben Stichlinge in lockeren Schwärmen, die keine feste Struktur aufweisen. Diese Gruppen bieten Schutz vor Fressfeinden wie Hecht, Barsch, Eisvogel und Graureiher. Die Tiere sind tagaktiv und verbringen die Nacht ruhend in Deckung zwischen Wasserpflanzen oder in Bodennähe.

Mit Beginn der Fortpflanzungszeit im Frühjahr ändert sich das Sozialverhalten grundlegend. Die Männchen lösen sich aus den Schwärmen, besetzen ein Revier und verteidigen dieses aggressiv gegen Artgenossen und andere Eindringlinge. Dabei zeigen sie typische Drohgebärden: Der Körper wird aufgerichtet, die Stacheln gespreizt, und der Rivale wird mit gesenktem Kopf attackiert. Dieses ausgeprägte Territorialverhalten wurde durch die Arbeiten des Verhaltensforschers Niko Tinbergen im 20. Jahrhundert eingehend untersucht und machte den Stichling zu einem der bekanntesten Modellorganismen der Verhaltensbiologie.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit erstreckt sich in Mitteleuropa von April bis Juli. Das Männchen baut am Gewässerboden ein faustgroßes, tunnelförmiges Nest aus Pflanzenfasern, Algen und feinen Wurzeln, das es mit einem Nierensekret verklebt. Nach Fertigstellung des Nests beginnt die Balz: Das Männchen führt vor vorbeiziehenden, laichtragenden Weibchen einen charakteristischen Zickzacktanz auf, bei dem es abwechselnd auf das Nest zuschießt und zum Weibchen zurückkehrt.

Folgt ein Weibchen dem Männchen zum Nest, schwimmt es durch den Tunnel und legt dort seine Eier ab – in der Regel 50 bis 100 Stück pro Laichvorgang. Das Männchen befruchtet die Eier unmittelbar danach. Häufig lockt ein Männchen mehrere Weibchen nacheinander zum Nest, sodass sich Eier