Strandkrabbe
STierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Carcinus maenas (Linnaeus, 1758)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Unterordnung: Pleocyemata
- Infraordnung: Krabben (Brachyura)
- Familie: Portunidae (Schwimmkrabben)
- Gattung: Carcinus
- Lebensraum: Küstengewässer, Flussmündungen, Wattenmeer, Gezeitenzonen
- Größe: Carapaxbreite bis etwa 8 cm, selten bis 10 cm
- Gewicht: 30–100 g (je nach Größe und Geschlecht)
- Lebenserwartung: 3–5 Jahre, selten bis 8 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Strandkrabbe besitzt einen annähernd fünfeckigen, flachen Rückenpanzer (Carapax), der vorne deutlich breiter ist als hinten. Der Carapax trägt auf jeder Seite des Vorderrands fünf spitze Zähne, die als sicheres Bestimmungsmerkmal gegenüber verwandten Arten dienen. Zwischen den Augen befinden sich drei abgerundete Stirnlappen.
Die Körperfarbe variiert erheblich: Die Oberseite reicht von dunkelgrün über olivbraun bis gelblich, die Unterseite ist häufig gelblich bis orange-rot gefärbt. Tiere, die sich kürzlich gehäutet haben, zeigen oft eine leuchtend grüne Färbung, während ältere Panzer stärker bräunlich wirken. Die Scherenfüße (Chelipeden) sind kräftig gebaut und leicht asymmetrisch – eine Schere ist in der Regel größer und dient zum Zerkleinern harter Nahrung, die andere ist schlanker und wird eher zum Greifen eingesetzt.
Wie alle Zehnfußkrebse verfügt die Strandkrabbe über fünf Beinpaare. Das letzte Beinpaar ist im Gegensatz zu typischen Schwimmkrabben der Familie Portunidae nicht zu Schwimmbeinen umgebildet, sondern dient der Fortbewegung auf dem Substrat. Dies unterscheidet Carcinus maenas deutlich von nahen Verwandten wie der Gemeinen Schwimmkrabbe (Liocarcinus holsatus). Zwei Paar Antennen und gestielte Komplexaugen komplettieren die Sinnesorgane am Kopf.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Strandkrabbe erstreckt sich über die Atlantikküsten Europas und Nordafrikas – von Norwegen und Island im Norden bis nach Mauretanien im Süden, einschließlich des Mittelmeers und der westlichen Ostsee. Als eines der erfolgreichsten marinen Neozoen hat die Art jedoch mittlerweile nahezu alle gemäßigten Küstenregionen der Welt besiedelt: die Ost- und Westküste Nordamerikas, Südafrika, Australien, Tasmanien, Japan und Teile Südamerikas.
Das bevorzugte Habitat sind flache Küstengewässer mit Wassertiefen von 0 bis etwa 6 Metern, wobei die Art gelegentlich auch in Tiefen bis 60 Meter nachgewiesen wurde. Strandkrabben besiedeln das Wattenmeer, felsige Gezeitenzonen, Hafenbecken, Lagunen und Ästuare. Die Art zeigt eine ausgeprägte Toleranz gegenüber Schwankungen des Salzgehalts (euryhalin) und der Wassertemperatur (eurytherm). Sie überlebt Salzgehalte zwischen 4 und 52 Promille und Temperaturen von knapp über 0 °C bis etwa 30 °C. Diese physiologische Anpassungsfähigkeit erklärt den Erfolg als invasive Art in fremden Biotopen.
Ernährung
Die Strandkrabbe ist ein opportunistischer Allesfresser (Omnivore) mit einer Vorliebe für tierische Kost. Zum Nahrungsspektrum gehören Muscheln, Schnecken, Würmer, kleinere Krebstiere, Seepocken und Fischlaich. Mit ihren kräftigen Scheren knackt sie die Schalen von Herzmuscheln und Miesmuscheln und schabt das Weichgewebe heraus. Auch Algen und abgestorbenes organisches Material werden aufgenommen.
In ihren eingeschleppten Verbreitungsgebieten übt die Art einen erheblichen Fraßdruck auf einheimische Muschelpopulationen und Jungfische aus. Studien aus Nordamerika haben gezeigt, dass Strandkrabben die Bestände kommerziell genutzter Weichschalenmuscheln (Mya arenaria) deutlich dezimieren können, was zu wirtschaftlichen Verlusten in der Fischerei führt.
Verhalten & Lebensweise
Strandkrabben sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, in Spalten, im Seetang oder graben sich flach ins Sediment ein. Bei Ebbe ziehen sich die Tiere in feucht gebliebene Bereiche der Gezeitenzone zurück oder vergraben sich im Sand, um der Austrocknung zu entgehen.
Die Art ist einzelgängerisch und zeigt kein ausgeprägtes Sozialverhalten. Allerdings kommt es insbesondere an nahrungsreichen Stellen zu hohen Individuendichten, sodass aggressive Interaktionen – vor allem zwischen Männchen – häufig auftreten. Rangordnungen werden über Drohhaltungen und Scherenkämpfe etabliert. Strandkrabben laufen typischerweise seitwärts, können bei Bedrohung aber auch vorwärts und rückwärts flüchten. An Land sind sie erstaunlich schnell und bewegen sich geschickt zwischen Felsen und Algen.
Der Wachstumsprozess erfolgt – wie bei allen Krebstieren – über regelmäßige Häutungen (Ecdysis). Junge Tiere häuten sich mehrmals im Jahr, ältere Exemplare nur noch ein- bis zweimal. In der kurzen Phase nach der Häutung ist der noch weiche Panzer besonders verletzlich, weshalb sich die Krabben dann verborgen halten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in den Sommermonaten statt und ist eng an den Häutungszyklus des Weibchens gekoppelt. Das Männchen umklammert ein paarungsbereites Weibchen oft tagelang in einer sogenannten Prä-Kopulationsumarmung und wartet die Häutung ab. Unmittelbar nach der Ecdysis,