Strauß
STierart – Vögel > Flugunfähige & Laufvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Struthio camelus
- Ordnung: Laufvögel (Struthioniformes)
- Familie: Strauße (Struthionidae)
- Gattung: Struthio
- Lebensraum: Savannen, Halbwüsten, offene Graslandschaften Afrikas
- Größe: 1,70–2,80 m (Standhöhe)
- Gewicht: 100–160 kg, in Ausnahmefällen über 180 kg
- Lebenserwartung: 30–45 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 60 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Afrikanische Strauß ist der größte und schwerste lebende Vogel der Erde. Ausgewachsene Hähne erreichen eine Standhöhe von bis zu 2,80 Metern und ein Körpergewicht von über 150 Kilogramm. Der Geschlechtsdimorphismus ist stark ausgeprägt: Hähne tragen ein überwiegend schwarzes Gefieder mit weißen Schwung- und Schwanzfedern, während die Hennen ein unauffälligeres, graubraunes Federkleid besitzen. Diese Tarnfärbung bietet den Weibchen während der Brut Schutz vor Fressfeinden.
Der Kopf und der lange Hals sind weitgehend unbefiedert und mit einem feinen Flaum bedeckt. Die Hautfarbe am Hals variiert je nach Unterart und Geschlecht zwischen bläulich-grau und rötlich. Die Augen zählen mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern zu den größten aller Landwirbeltiere und ermöglichen eine hervorragende Fernsicht. Der Schnabel ist breit, flach und abgerundet – angepasst an eine überwiegend pflanzliche Nahrung.
Eine anatomische Besonderheit stellen die Füße dar: Als einziger rezenter Vogel besitzt der Strauß nur zwei Zehen pro Fuß. Die größere Innenzehe trägt eine kräftige, bis zu sieben Zentimeter lange Kralle, die sowohl als Waffe als auch zur Bodenhaftung beim Laufen dient. Die Beinmuskulatur ist extrem kräftig entwickelt, die Flügel hingegen sind stark reduziert und zum Fliegen ungeeignet.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Straußes erstreckt sich über weite Teile des subsaharischen Afrikas. Bevorzugte Habitate sind offene Savannen, trockene Graslandschaften, Halbwüsten und Dornbuschsteppen. Dichte Waldgebiete und stark bewachsene Biotope meidet die Art, da sie auf freie Sicht und ungehinderte Fluchtmöglichkeiten angewiesen ist.
Historisch war der Strauß auch auf der Arabischen Halbinsel heimisch. Der Arabische Strauß (Struthio camelus syriacus), eine eigene Unterart, wurde dort jedoch bis Mitte des 20. Jahrhunderts ausgerottet. Heute werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter der Nordafrikanische Strauß (S. c. camelus), der Massai-Strauß (S. c. massaicus) und der Südafrikanische Strauß (S. c. australis). Der Somali-Strauß (Struthio molybdophanes) wird von einigen Taxonomen als eigenständige Art geführt und unterscheidet sich durch bläuliche Halsfärbung und genetische Merkmale.
Ernährung
Strauße sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern, Blättern, Blüten, Samen und Früchten. Ergänzend fressen sie Insekten, Eidechsen, kleine Schildkröten und gelegentlich Aas. Wie viele körnerfressende Vögel schlucken Strauße regelmäßig kleine Steine und Sand (Gastrolithen), die im muskulösen Muskelmagen bei der mechanischen Zerkleinerung der Nahrung helfen.
Strauße können längere Zeiträume ohne direkten Zugang zu Trinkwasser überleben, da sie einen großen Teil ihres Flüssigkeitsbedarfs über die Nahrung decken. Bei Verfügbarkeit trinken sie jedoch bereitwillig und ausgiebig.
Verhalten & Lebensweise
Strauße sind tagaktive Tiere, die vorwiegend in den kühleren Morgen- und Abendstunden aktiv auf Nahrungssuche gehen. Sie leben in lockeren Gruppen von fünf bis fünfzig Tieren, die sich häufig mit Herden von Zebras, Gnus oder Antilopen vergesellschaften. Diese Mischverbände bieten gegenseitige Vorteile bei der Feindvermeidung: Die Strauße profitieren vom Aufschrecken der Säugetiere, während diese von der überlegenen Fernsicht der Vögel profitieren.
Bei Gefahr verlassen sich Strauße primär auf ihre Laufgeschwindigkeit. Sie erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 70 km/h und können über längere Strecken ein Tempo von 50 km/h aufrechterhalten – damit gehören sie zu den schnellsten Landtieren überhaupt. Die weit verbreitete Annahme, Strauße würden bei Gefahr den Kopf in den Sand stecken, ist ein Mythos. Tatsächlich legen brütende Tiere bei Annäherung eines Feindes Kopf und Hals flach auf den Boden, um weniger aufzufallen. Aus der Ferne kann dieser Anblick den Eindruck erwecken, der Kopf sei im Boden vergraben.
In die Enge getrieben, können Strauße mit ihren kräftigen Beinen gefährliche Tritte austeilen. Ein einziger Vorwärtstritt kann selbst große Raubtiere wie Löwen schwer verletzen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Zur Balzzeit beanspruchen dominante Hähne ein Revier und werben mit aufwendigen Balztänzen um die Hennen. Dabei setzen sie sich auf die Sprunggelenke, breiten die Flügel aus und schwingen den Hals rhythmisch von einer Seite zur anderen. Strauße leben polygyn: Ein Hahn paart sich mit mehreren Hennen, unterhält aber eine feste Bindung zu einer Haupthenne.
Die Haupthenne legt ihre Eier in eine flache, vom Hahn gescharrte Bodenmulde