Strudelwurm
STierart – Wirbellose > Würmer & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tricladida (Ordnung); bekannteste einheimische Art: Dugesia gonocephala, Polycelis nigra, Dendrocoelum lacteum
- Stamm: Plattwürmer (Plathelminthes)
- Klasse: Turbellaria (Strudelwürmer im weiteren Sinne)
- Ordnung: Tricladida (Dreiästige Strudelwürmer)
- Familien (Auswahl): Planariidae, Dugesiidae, Dendrocoelidae
- Lebensraum: Süßgewässer (Bäche, Quellen, Seen), feuchte Landhabitate, Meer
- Größe: 2–30 mm (einheimische Süßwasserarten); tropische Landplanarien bis über 60 cm
- Gewicht: Wenige Milligramm bis unter ein Gramm
- Lebenserwartung: Unter Laborbedingungen theoretisch unbegrenzt durch ständige Regeneration; in der Natur wenige Monate bis etwa zwei Jahre
Aussehen & Merkmale
Strudelwürmer – die deutsche Bezeichnung für die Klasse Turbellaria – besitzen einen dorsoventral abgeflachten, weichen Körper ohne Segmentierung. Die Körperoberfläche ist vollständig von einem bewimperten Epithel bedeckt. Durch den koordinierten Schlag dieser Cilien entstehen im umgebenden Wasser kleine Strömungswirbel, sogenannte Strudel, die dem Tier seinen Namen gaben. Anders als bei Ringelwürmern oder Fadenwürmern fehlt Strudelwürmern ein Coelom; sie gehören zu den Acoelomates, deren Körperinnenraum von einem Parenchymgewebe ausgefüllt ist.
Die meisten einheimischen Süßwasserarten erreichen eine Länge von 5 bis 25 mm. Der Kopf ist je nach Gattung dreieckig, pfeilförmig oder abgerundet. Bei vielen Planarien sind am Kopf zwei dunkle Augenflecken (Ocellen) erkennbar, die aus lichtempfindlichen Pigmentbechern bestehen. Diese Augenflecken ermöglichen keine Bildwahrnehmung, wohl aber die Unterscheidung von hell und dunkel sowie die Bestimmung der Lichtrichtung. Die Körperfarbe variiert von durchscheinend weiß (Dendrocoelum lacteum, der Milchweiße Strudelwurm) über braun bis schwarz (Polycelis nigra).
Der Verdauungstrakt ist bei der Ordnung Tricladida dreiästig verzweigt – ein zentraler Darmast verläuft nach vorn, zwei weitere nach hinten. Der Darm endet blind, ein After fehlt. Die Mundöffnung liegt auf der Bauchseite, meist in der Körpermitte, und beherbergt einen ausstülpbaren, muskulösen Pharynx (Schlundrüssel).
Lebensraum & Verbreitung
Strudelwürmer besiedeln nahezu alle aquatischen und einige terrestrische Biotope weltweit. In Mitteleuropa kommen rund 30 Süßwasserarten vor, die überwiegend in kühlen, sauerstoffreichen Fließgewässern leben. Dugesia gonocephala gilt als Leitart sauberer Quellbäche und Oberläufe. Polycelis nigra toleriert stärker belastete Gewässer und dient daher in der biologischen Gewässergütebestimmung als Indikatororganismus.
Das Verbreitungsgebiet der Ordnung Tricladida umfasst alle Kontinente einschließlich subantarktischer Inseln. Marine Strudelwürmer (Unterordnung Maricola) leben im Gezeitenbereich und in der Tiefsee. Tropische Landplanarien (Unterordnung Terricola, z. B. Bipalium) bewohnen feuchte Waldböden. Einige tropische Landplanarien gelten als invasive Arten in Europa, etwa Obama ladislavii, die inzwischen in Gewächshäusern Westeuropas nachgewiesen wurde.
Im Habitat bevorzugen die meisten Süßwasserplanarien die Unterseite von Steinen, Totholz und Falllaub, wo sie vor direktem Licht geschützt sind.
Ernährung
Strudelwürmer ernähren sich räuberisch und saprophytisch. Sie fressen kleine Wirbellose wie Wasserasseln, Zuckmückenlarven, Oligochaeten und Schneckeneier. Darüber hinaus nehmen sie Aas und abgestorbenes organisches Material auf. Die Nahrungsaufnahme erfolgt über den ausstülpbaren Pharynx: Der Wurm stülpt seinen Schlundrüssel über die Beute oder in sie hinein und sezerniert Verdauungsenzyme, die das Gewebe vorverdauen. Die verflüssigte Nahrung wird anschließend in den verzweigten Darm aufgenommen, wo intrazelluläre Verdauung stattfindet. Unverdauliche Reste werden über die Mundöffnung wieder ausgeschieden.
Chemorezeptoren entlang des Kopfrandes (Aurikularsinnesorgane) ermöglichen das gezielte Aufspüren von Nahrungsquellen über chemische Gradienten im Wasser.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Süßwasserplanarien sind nachtaktiv oder meiden zumindest direktes Licht (negative Phototaxis). Tagsüber verharren sie regungslos an der Unterseite von Steinen oder im Lückensystem des Gewässergrunds (hyporheisches Interstitial). Nachts gleiten sie auf ihrem Cilienschlag und einem Schleimfilm über das Substrat, wobei sie Geschwindigkeiten von wenigen Millimetern pro Sekunde erreichen. Die Fortbewegung wird durch Muskelkontraktionen im Hautmuskelschlauch unterstützt, die ein wellenartiges Gleiten erzeugen.
Strudelwürmer sind Einzelgänger ohne Revierverhalten. Bei hoher Populationsdichte können sie jedoch in größerer Zahl unter demselben Stein angetroffen werden, was eher auf gleiche Habitatpräferenzen als auf soziale Strukturen zurückzuführen ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Strudelwürmer sind Zwitter (simultane Hermaphroditen). Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung tauschen zwei Individuen wechselseitig Spermien aus. Die befruchteten Eier werden in Kokons abgelegt, die an Steinen, Pflanzen oder