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Stubenfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Musca domestica
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Familie: Echte Fliegen (Muscidae)
  • Gattung: Musca
  • Lebensraum: Menschliche Siedlungen, Ställe, Abfalldeponien, nahezu jedes terrestrische Habitat in gemäßigten bis tropischen Zonen
  • Größe: 6–8 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 10–12 mg
  • Lebenserwartung: 15–30 Tage (Imaginalstadium); gesamte Entwicklung vom Ei bis zum Tod etwa 6–8 Wochen

Aussehen & Merkmale

Die Stubenfliege besitzt den für Zweiflügler typischen Körperbau mit drei deutlich gegliederten Abschnitten: Kopf, Thorax und Abdomen. Der Thorax ist grau gefärbt und trägt vier dunkle Längsstreifen auf der Oberseite. Das Abdomen schimmert je nach Lichteinfall gelblich bis dunkelgrau. Die Körperoberfläche ist mit feinen Borsten und Härchen bedeckt, die als Sinnesorgane fungieren und mechanische sowie chemische Reize registrieren.

Am Kopf fallen die großen, rotbraunen Komplexaugen auf, die bei Männchen näher beieinanderstehen als bei Weibchen – ein verlässliches Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter. Jedes Komplexauge besteht aus rund 4.000 Einzelaugen (Ommatidien), die ein mosaikartiges Bild erzeugen und vor allem Bewegungen extrem schnell erfassen. Zwischen den Komplexaugen sitzen drei kleine Punktaugen (Ocellen), die der Wahrnehmung von Lichtintensität dienen.

Wie alle Diptera besitzt die Stubenfliege nur ein funktionsfähiges Flügelpaar. Das hintere Flügelpaar ist zu sogenannten Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, die als Gyroskop-ähnliche Gleichgewichtsorgane dienen und eine außerordentlich wendige Flugsteuerung ermöglichen. Die Mundwerkzeuge sind zu einem saugend-leckenden Rüssel (Labellum) umgestaltet; beißen oder stechen kann die Stubenfliege nicht.

Lebensraum & Verbreitung

Musca domestica zählt zu den kosmopolitischen Tierarten. Ihr Verbreitungsgebiet umfasst nahezu alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die Art ist eng an menschliche Siedlungen gebunden – eine Lebensweise, die als Synanthropie bezeichnet wird. Bevorzugte Habitate sind Wohngebäude, Küchen, Gaststätten, Viehställe, Schlachthöfe, Komposthaufen und Abfalldeponien. In tropischen Regionen treten Stubenfliegen ganzjährig auf, in gemäßigten Breiten vor allem von Mai bis Oktober. Die Populationsdichte steigt mit zunehmender Temperatur und Luftfeuchtigkeit deutlich an.

In Mitteleuropa leben neben der Stubenfliege mehrere verwandte Arten in ähnlichen Biotopen. Dazu gehören die Kleine Stubenfliege (Fannia canicularis), die häufig in Innenräumen kreisförmig unter Deckenlampen fliegt, sowie die Stallfliege (Stomoxys calcitrans), die im Gegensatz zur Stubenfliege einen stechenden Rüssel besitzt und Blut saugt.

Ernährung

Die Stubenfliege ernährt sich von einer breiten Palette organischer Substanzen. Da ihre Mundwerkzeuge ausschließlich zum Aufsaugen flüssiger Nahrung geeignet sind, nutzt sie eine besondere Strategie: Sie gibt Speichel und Verdauungssekrete auf feste Nahrungsquellen ab, um diese aufzulösen, und saugt die entstandene Flüssigkeit anschließend über das Labellum auf. Dieses Verfahren wird als extraorale Verdauung bezeichnet.

Zu den bevorzugten Nahrungsquellen zählen Zucker, Fruchtsäfte, Fäkalien, verwesende organische Stoffe, Schweiß und Wundsekrete. Diese wenig wählerische Ernährungsweise macht die Stubenfliege zu einem bedeutenden Vektor für Krankheitserreger, da sie beim Wechsel zwischen Fäkalien und Lebensmitteln Bakterien, Viren, Protozoen und Wurmeier mechanisch überträgt.

Verhalten & Lebensweise

Stubenfliegen sind tagaktive Insekten. Ihre Aktivitätsphasen werden stark von Temperatur und Lichtintensität beeinflusst. Bei Temperaturen unter 7 °C verfallen sie in eine Kältestarre; ihr Aktivitätsoptimum liegt zwischen 20 und 25 °C. Nachts ruhen die Tiere bevorzugt an Decken, Wänden und herabhängenden Gegenständen in der Nähe von Nahrungsquellen.

Die Fluggeschwindigkeit beträgt etwa 2 m/s, wobei die Flügel mit einer Frequenz von rund 200 Schlägen pro Sekunde bewegt werden – dieser Flügelschlag erzeugt das charakteristische Summen. Die Halteren ermöglichen dabei abrupte Richtungswechsel und eine Reaktionszeit von wenigen Millisekunden auf visuelle Reize, was das Fangen einer Stubenfliege für Prädatoren wie für Menschen gleichermaßen erschwert.

Stubenfliegen bilden keine sozialen Verbände oder Reviere. Sie aggregieren jedoch an ergiebigen Nahrungsquellen und geeigneten Eiablageplätzen, sodass lokal hohe Individuendichten entstehen können.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung erfolgt geschlechtlich. Ein Weibchen paart sich in der Regel mehrfach und kann die Spermien speichern. Wenige Tage nach der Begattung legt es in mehreren Gelegen jeweils 100 bis 150 Eier ab – im Laufe seines Lebens insgesamt bis zu 900 Eier. Als Eiablagesubstrat dienen verrottende organische Materialien: Kompost, Tierkot, Küchenabfälle oder verfaulendes Pflanzenmaterial. Die weißlichen, etwa 1,2 mm langen Eier werden gezielt in feuchte, warme Bereiche abgelegt.

Die Larven (Maden) schlüpfen bei günstigen Temperaturen bereits nach 8 bis 24 Stunden. Sie durchlaufen drei Larvenstadien, in denen sie sich von dem zersetzenden Substrat ernähren und innerhalb von etwa 5 bis