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Suhle

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Suhle bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache eine natürliche oder durch wiederholte Nutzung entstandene Vertiefung im Waldboden, die mit Wasser, Schlamm oder feuchter Erde gefüllt ist und von bestimmten Wildarten zum Baden und Wälzen aufgesucht wird. Der dazugehörige Vorgang – das Wälzen im Schlamm – wird als Suhlen oder sich suhlen bezeichnet. Die Suhle gehört zu den sogenannten Einständen und Wildeinrichtungen, die für das Verständnis des Wildverhaltens und die jagdliche Praxis von hoher Bedeutung sind.

Der Begriff leitet sich vom mittelhochdeutschen „sol" bzw. „sule" ab und ist sprachgeschichtlich eng mit dem Wort „Sole" (Salzwasser) verwandt. In manchen Regionen wird die Suhle auch als Sudel, Suhlstelle oder Saulache bezeichnet.

Welche Wildarten nutzen die Suhle?

Die Suhle wird vorrangig von Schwarzwild (Wildschwein) und Rotwild (Rothirsch) aufgesucht. Beim Schwarzwild gehört das Suhlen zum täglichen Verhaltensrepertoire und ist ganzjährig zu beobachten. Keiler, Bachen und selbst Frischlinge suchen Suhlen regelmäßig auf. Beim Rotwild sind es vor allem die Hirsche, die sich während der Brunft intensiv suhlen – ein Verhalten, das eng mit dem Imponiergehabe und der Reviermarkierung verknüpft ist.

Gelegentlich nutzen auch Damwild, Elchwild und in südeuropäischen Revieren Wisente Suhlstellen. Unter den Haustieren ist das Suhlen vor allem bei Schweinen und Wasserbüffeln bekannt. Das Verhalten ist also nicht auf eine einzelne Art beschränkt, sondern bei verschiedenen Huf- und Paarhufertieren verbreitet.

Funktion und Bedeutung des Suhlens

Das Suhlen erfüllt mehrere biologische Funktionen gleichzeitig:

  • Thermoregulation: Schwarzwild besitzt keine funktionsfähigen Schweißdrüsen. Die feuchte Schlammschicht auf der Schwarte wirkt kühlend und hilft den Tieren, ihre Körpertemperatur bei sommerlicher Hitze zu regulieren. Auch Rotwild profitiert von diesem Kühlungseffekt.
  • Parasitenschutz: Der angetrocknete Schlamm bildet eine Kruste auf der Haut, die als Schutzschicht gegen Ektoparasiten wie Zecken, Läuse, Haarlinge und Bremsen wirkt. Beim anschließenden Malen – dem Scheuern an Bäumen und Sträuchern – wird die getrocknete Schlammschicht mitsamt den Parasiten abgestreift.
  • Hautpflege: Das Suhlen unterstützt den Wechsel des Haarkleides und lindert Juckreiz, der durch Parasitenbefall oder den Haarwechsel entsteht.
  • Soziale und sexuelle Signale: Besonders bei Rotwild hat das Suhlen während der Brunft eine ausgeprägte Signalfunktion. Brunfthirsche suhlen sich in uringetränktem Schlamm, wodurch sie intensiv riechen und auf Konkurrenten sowie Kahlwild eine starke Wirkung ausüben. Die Brunftsuhle ist daher ein typischer Bestandteil des Brunftplatzes.

Erscheinungsbild und Standort

Suhlen finden sich bevorzugt an feuchten Senken, Quellmulden, Bachrändern, Wegfurchen und in sumpfigen Waldarealen. Durch die wiederholte Nutzung über Jahre und Jahrzehnte kann eine Suhle erhebliche Ausmaße annehmen – von kleinen, kaum einen Quadratmeter großen Mulden bis hin zu ausgedehnten Schlammlöchern von mehreren Metern Durchmesser.

Typische Erkennungsmerkmale einer aktiv genutzten Suhle sind:

  • Aufgewühlter, schlammiger Boden mit deutlichen Körperabdrücken
  • Fährten und Trittsiegel im Umfeld
  • Malbäume in unmittelbarer Nähe – Bäume, an denen sich das Wild nach dem Suhlen scheuert und die dadurch eine glatte, dunkle, schlammverschmierte Rinde aufweisen
  • Borsten und Haare (beim Schwarzwild als Sauhaare bezeichnet) an den Malbäumen
  • Charakteristischer Geruch, besonders an Brunftsuhlen

Die Höhe der Schlammspuren an den Malbäumen gibt dem erfahrenen Jäger zudem Aufschluss über die Stärke des Wildes – also über dessen Größe und Alter.

Jagdliche Bedeutung

Für den Weidmann ist die Suhle ein wertvoller Anhaltspunkt bei der Revierarbeit. Das Auffinden aktiver Suhlen ermöglicht Rückschlüsse auf Wildvorkommen, Wechsel und Einstände. Da Schwarzwild und Rotwild Suhlen häufig in der Dämmerung und während der Nachtstunden aufsuchen, eignen sich Suhlstellen als Standort für den Ansitz. Die Errichtung eines Hochsitzes oder einer Kanzel in angemessener Entfernung zu einer regelmäßig genutzten Suhle gehört zu den bewährten Methoden der Einzeljagd auf Schwarzwild.

Manche Jäger legen auch künstliche Suhlen an, indem sie flache Mulden ausheben und mit Wasser befüllen oder bestehende feuchte Stellen vertiefen. Diese Maßnahme dient sowohl der Wildlenkung als auch der Lebensraumverbesserung. In Kombination mit einer nahegelegenen Kirrung kann eine angelegte Suhle das Wild gezielt in bestimmte Revierbereiche lenken und so die Bejagung erleichtern. Dabei ist stets auf die Einhaltung der jeweiligen Landesjagdgesetze zu achten.