Tangare
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Thraupidae (Familie)
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Tangaren (Thraupidae)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Bergnebelwälder, Savannen und Gärten in der Neuen Welt
- Größe: 9–28 cm je nach Art
- Gewicht: 7–115 g je nach Art
- Lebenserwartung: 3–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Tangaren gehören zu den farbenprächtigsten Vögeln der westlichen Hemisphäre. Ihr Gefieder zeigt je nach Art und Gattung ein außerordentlich breites Spektrum an Farben – von leuchtendem Blau, Grün und Türkis über intensives Rot und Orange bis hin zu tiefem Schwarz und Gelb. Viele Arten vereinen mehrere dieser Farben in auffälligen Mustern und Kontrasten. Die Farbgebung entsteht teils durch Pigmente (vor allem Carotinoide), teils durch Lichtbrechung in der Federstruktur.
Der Körperbau ist kompakt mit relativ kurzem Schwanz und mittellangem, kräftigem Schnabel. Die Schnabelform variiert innerhalb der Familie erheblich: Sie reicht von schlanken, spitzen Schnäbeln bei insektenfressenden Arten bis zu dicken, kegelförmigen Schnäbeln bei samenfressenden Vertretern. Die Beine sind kräftig und mit Greiffüßen ausgestattet, die typisch für Sperlingsvögel sind. Ein Geschlechtsdimorphismus ist bei vielen Arten ausgeprägt – Männchen tragen ein deutlich bunteres Gefieder als die oft grünlich-bräunlich gefärbten Weibchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Tangaren erstreckt sich von den südlichen Vereinigten Staaten über Mittelamerika und die Karibik bis nach Südamerika, wo die höchste Artendichte erreicht wird. Das Zentrum der Diversität liegt in den tropischen Anden, insbesondere in Kolumbien, Ecuador und Peru. Dort besiedeln sie Habitate vom Tieflandregenwald über Bergnebelwälder bis hin zu Páramo-Regionen in Höhen von über 4.000 Metern.
Tangaren bewohnen verschiedene Biotope: dichten Primärwald, lichte Sekundärwälder, Waldränder, Buschland und offene Landschaften mit vereinzelten Bäumen. Einige Arten wie die Blautangare (Thraupis episcopus) haben sich an menschliche Siedlungen angepasst und sind regelmäßig in Gärten, Parks und auf Plantagen anzutreffen. Wenige Arten, darunter die Scharlachtangare (Piranga olivacea), sind Zugvögel, die zur Brut in gemäßigte Breiten Nordamerikas wandern.
Ernährung
Die Ernährung der Tangaren ist vielseitig und umfasst je nach Art Früchte, Nektar, Samen und Insekten. Viele Arten gelten als überwiegend frugivor und spielen als Samenverbreiter eine ökologisch bedeutende Rolle in tropischen Waldökosystemen. Sie schlucken kleine Früchte oft ganz und scheiden die Samen unverdaut an anderer Stelle wieder aus.
Insekten werden häufig im Flug gefangen, von Blättern abgelesen oder in der Rinde gesucht. Einige Gattungen wie die Hakenschnabeltangaren (Diglossa) haben sich auf Nektarraub spezialisiert: Sie durchstechen mit ihrem hakenförmigen Schnabel die Basis von Blüten und gelangen so an den Nektar, ohne die Blüte zu bestäuben. Die Darwinkfinken der Galápagos-Inseln, die ebenfalls zur Familie der Thraupidae gestellt werden, zeigen eine extreme Spezialisierung auf verschiedene Nahrungsquellen – von Samen über Insekten bis hin zu Blut.
Verhalten & Lebensweise
Tangaren sind tagaktive Vögel, die sich überwiegend in den mittleren bis oberen Baumschichten aufhalten. Viele Arten schließen sich gemischten Schwärmen an, in denen mehrere Vogelarten gemeinsam durch den Wald ziehen und nach Nahrung suchen. Diese gemischten Trupps bieten Vorteile bei der Feindvermeidung und Nahrungssuche.
Das Territorialverhalten ist bei den meisten Arten während der Brutzeit stärker ausgeprägt. Männchen verteidigen dann ihr Revier durch Gesang und Imponierverhalten. Der Gesang variiert stark innerhalb der Familie – von melodischen, komplexen Strophen bis hin zu einfachen, kurzen Rufen. Außerhalb der Brutzeit leben viele Arten gesellig in kleinen Gruppen.
Einige Bergarten unternehmen saisonale Vertikalwanderungen entlang der Andenhänge, bei denen sie in tiefere Lagen ausweichen, wenn das Nahrungsangebot in der Höhe abnimmt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie der Tangaren ist so vielfältig wie die Familie selbst. Bei vielen Arten baut das Weibchen ein offenes, napfförmiges Nest aus Pflanzenfasern, Moos und Flechten, das in Büschen oder Bäumen platziert wird. Einige Gattungen brüten in Baumhöhlen.
Die Balz umfasst bei vielen Arten Zurschaustellung des bunten Gefieders, Gesangsvorträge und ritualisierte Fütterung des Weibchens durch das Männchen. Das Gelege besteht in der Regel aus zwei bis vier Eiern, die das Weibchen über einen Zeitraum von 12 bis 16 Tagen bebrütet. Die Nestlinge schlüpfen nackt und blind und werden von beiden Elternteilen mit Insekten gefüttert, auch bei ansonsten frugivoren Arten. Nach etwa zwei bis drei Wochen verlassen die Jungvögel das Nest, werden aber noch einige Zeit von den Eltern betreut.
Bei tropischen Arten kann es zu mehreren Bruten pro Jahr kommen, während Zugvogelarten wie die Scharlachtangare meist nur eine Brut pro Saison aufziehen.
Bedrohung & Schutzstatus
Die Familie der Tangaren umfasst nach aktueller Systematik rund 380 Arten und ist damit eine der artenreichsten Vogelfamilien überhaupt. Der