Tanzfliege
TTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Empididae (Familie); zahlreiche Gattungen, u. a. Empis, Hilara, Rhamphomyia
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
- Familie: Tanzfliegen (Empididae)
- Lebensraum: Feuchte Wiesen, Waldränder, Ufervegetation, Auenlandschaften
- Größe: 2–12 mm Körperlänge, je nach Art
- Gewicht: Wenige Milligramm (keine exakten Daten für die meisten Arten)
- Lebenserwartung: Als Imago (adultes Insekt) wenige Wochen; gesamter Entwicklungszyklus etwa ein Jahr
Aussehen & Merkmale
Tanzfliegen sind kleine bis mittelgroße Zweiflügler mit einem gedrungenen bis schlanken Körperbau. Ihr auffälligstes Merkmal ist der nach unten gerichtete, dolchartig verlängerte Rüssel (Proboscis), der bei vielen Arten deutlich länger ist als der Kopf selbst. Dieser Stechrüssel dient dem Durchbohren von Beutetieren und dem Aufsaugen der Körperflüssigkeiten.
Der Thorax ist kräftig gewölbt und trägt ein einzelnes Flügelpaar, wie es für alle Diptera typisch ist. Die Hinterflügel sind zu Schwingkölbchen (Halteren) reduziert, die als Gleichgewichtsorgane dienen. Die Flügel selbst sind meist glasig-transparent, bei einigen Arten leicht getönt. Die Beine sind bei vielen Gattungen auffällig gestaltet: Die Gattung Hilara etwa besitzt verbreiterte Vordertarsen beim Männchen, die zum Einspinnen von Brautgeschenken verwendet werden. Die Facettenaugen sind groß und nehmen einen erheblichen Teil des Kopfes ein; bei den Männchen stoßen sie auf der Stirn oft zusammen (holoptisch), während sie bei den Weibchen getrennt stehen (dichoptisch).
Die Körperfärbung variiert von matt schwarz über grau bis hin zu gelblich-braun. Einige Arten tragen eine feine Behaarung oder Beborstung an Thorax und Beinen, die taxonomisch zur Artbestimmung herangezogen wird.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Empididae ist weltweit verbreitet und umfasst nach aktueller Systematik rund 3.000 beschriebene Arten, von denen etwa 500 in Mitteleuropa vorkommen. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis, wobei die größte Artenvielfalt in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel liegt.
Typische Habitate sind feuchte, halbschattige Biotope: Bachläufe, Flussauen, feuchte Wiesen und Waldlichtungen. Viele Arten bevorzugen die unmittelbare Nähe von Gewässern, da sich ihre Larven im feuchten Substrat entwickeln. Einige Vertreter besiedeln auch trockenere Standorte wie Magerrasen oder lichte Wälder. In montanen und subalpinen Lagen finden sich spezialisierte Arten bis in Höhen von über 2.000 Metern.
Ernährung
Adulte Tanzfliegen sind überwiegend räuberisch. Mit ihrem spitzen Rüssel erbeuten sie andere kleine Insekten – darunter Mücken, Blattläuse und andere Fliegen –, die sie im Flug oder auf Vegetation ergreifen. Die Beute wird mit dem Rüssel angestochen, mit Speichelsekret vorverdaut und anschließend ausgesaugt. Daneben suchen zahlreiche Arten auch Blüten auf und nehmen Nektar und Pollen zu sich. Gattungen wie Empis gelten daher als Blütenbesucher und spielen in manchen Lebensräumen eine Rolle als Bestäuber.
Die Larven leben im Boden, in feuchter Laubstreu oder im Schlamm von Gewässerufern. Sie ernähren sich räuberisch von anderen Insektenlarven, kleinen Würmern und Mikroorganismen. Einige Arten entwickeln sich auch in morschem Holz.
Verhalten & Lebensweise
Den Namen „Tanzfliegen" verdankt die Familie dem auffälligen Schwarmverhalten der Männchen. In der Fortpflanzungszeit bilden diese sogenannte Tanzschwärme, in denen Dutzende bis Hunderte Individuen in auf- und abwogenden Flugbewegungen über Gewässern, Wegrändern oder Lichtungen kreisen. Dieses Schwarmverhalten dient der Anlockung von Weibchen und stellt eine Form der Balz dar.
Die meisten Arten sind tagaktiv mit Aktivitätsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Einige wenige Vertreter zeigen dämmerungsaktives Verhalten. Tanzfliegen sind überwiegend Einzelgänger; nur zur Paarungszeit kommt es zu den beschriebenen Schwarmbildungen. Außerhalb der Balzperiode sind die Tiere als Ansitzjäger oder aktive Flugjäger unterwegs.
Fortpflanzung & Aufzucht
Das Fortpflanzungsverhalten der Tanzfliegen gehört zu den am besten untersuchten Beispielen für sexuelle Selektion bei Insekten. Bei vielen Arten überreichen die Männchen den Weibchen ein Brautgeschenk – ein erbeutetes Insekt –, das dem Weibchen als Nahrung dient, während die Paarung stattfindet. Dieses Verhalten sichert dem Männchen einerseits die Kopulationszeit, andererseits versorgt es das Weibchen mit Proteinen für die Eiproduktion.
Bei der Gattung Hilara hat sich dieses System weiterentwickelt: Die Männchen spinnen die Beute in ein Seidengespinst ein, das sie mit Drüsensekreten der verbreiterten Vordertarsen produzieren. In manchen Populationen wurde beobachtet, dass Männchen leere Seidenbällchen oder nur symbolische, bereits ausgesaugte Beutereste überreichen – ein Beispiel für evolutionären „Betrug" innerhalb eines Kommunikationssystems.
Die Weibchen legen ihre Eier in feuchtes Erdreich oder Laubstreu ab. Die Larvalentwicklung durchläuft mehrere Stadien und dauert je nach Art und Umgebungstemperatur ein