Taschenkrabbe
TTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cancer pagurus
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Taschenkrebse (Cancridae)
- Gattung: Cancer
- Lebensraum: Küstengewässer des Nordostatlantiks, felsige Untergründe, Tiefen von 6 bis 100 Metern
- Größe: Carapaxbreite bis 25 cm, in Ausnahmefällen über 30 cm
- Gewicht: Durchschnittlich 2–3 kg, Maximalgewichte über 5 kg dokumentiert
- Lebenserwartung: Etwa 20–30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Taschenkrabbe gehört zu den größten Krabbenarten europäischer Gewässer. Ihr Name leitet sich von der charakteristischen Form des Rückenpanzers (Carapax) ab, der in seiner ovalen, gewölbten Gestalt an eine Pastete oder Tasche erinnert. Der Carapax ist breit-oval, glatt und zeigt an seinem vorderen Rand zehn wellenförmige, abgerundete Einkerbungen – ein sicheres Bestimmungsmerkmal gegenüber anderen Krabbenarten.
Die Grundfärbung des Panzers variiert von rötlichbraun über rotbraun bis zu einem dunklen Braunton. Die Unterseite ist deutlich heller und zeigt ein gelblich-weißes bis cremefarbenes Kolorit. Wie bei allen Zehnfußkrebsen trägt die Taschenkrabbe fünf Beinpaare, wobei das erste Paar zu kräftigen Scheren (Chelipeden) umgebildet ist. Diese Scheren sind massiv gebaut, an den Spitzen schwarz gefärbt und bei ausgewachsenen Exemplaren auffallend unterschiedlich groß. Die größere Schere dient vorwiegend dem Aufbrechen hartschaliger Beute, die kleinere dem Zerkleinern und Heranführen der Nahrung.
Männliche Tiere lassen sich anhand ihres schmaleren, dreieckigen Abdomens von den Weibchen unterscheiden, deren Abdominalplatte breiter und abgerundeter ist. Zudem erreichen Männchen im Durchschnitt größere Carapaxbreiten als Weibchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Taschenkrabbe erstreckt sich über den gesamten Nordostatlantik – von Nordnorwegen im Norden bis zur Küste Marokkos im Süden. Im Osten reicht das Areal über die Nordsee und die westliche Ostsee bis ins Mittelmeer, wo die Art allerdings nur sporadisch auftritt. Besonders hohe Populationsdichten finden sich rund um die Britischen Inseln, an der französischen Atlantikküste und entlang der norwegischen Schärenküste.
Als Habitat bevorzugt die Taschenkrabbe felsige und steinige Untergründe mit ausreichend Spalten, Höhlen und Überhängen, die als Tagesverstecke dienen. Typische Biotope sind Felslitorale, Geröllfelder und Kelpwälder. Juvenile Tiere halten sich häufig in flacheren Gezeitenzonen auf, während adulte Krabben in Tiefen zwischen 6 und 100 Metern leben. Vereinzelt wurden Exemplare in Tiefen von über 200 Metern nachgewiesen. Saisonale Wanderungen in tiefere Gewässer während der Wintermonate sind dokumentiert.
Ernährung
Die Taschenkrabbe ist ein omnivor ausgerichteter Räuber mit einer Präferenz für tierische Kost. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Muscheln, Schnecken, Seeigeln, Seesternen, kleinen Krebstieren und Polychaeten (Vielborster). Auch Aas wird regelmäßig aufgenommen. Mit ihren kräftigen Scheren ist die Taschenkrabbe in der Lage, die Schalen von Miesmuscheln, Herzmuscheln und Wellhornschnecken ohne Weiteres aufzubrechen.
Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend nachts. Tagsüber verharren die Tiere in ihren Verstecken. Mit Einbruch der Dämmerung werden sie aktiv und durchstreifen den Meeresboden auf der Suche nach Futter. Chemorezeptoren an den Antennen und Mundwerkzeugen ermöglichen es ihnen, Beute und Aas über größere Distanzen wahrzunehmen.
Verhalten & Lebensweise
Taschenkrabben sind überwiegend nachtaktiv und führen ein einzelgängerisches Leben. Sie besetzen keine festen Reviere im engeren Sinne, zeigen aber eine gewisse Standorttreue gegenüber bevorzugten Versteckplätzen. Bei Bedrohung nehmen die Tiere eine typische Abwehrhaltung ein: Sie pressen sich flach auf den Boden, ziehen die Beine eng an den Körper und klappen die Scheren vor dem Kopf zusammen – eine Haltung, die den Taschenvergleich zusätzlich unterstreicht.
Wie alle Krebstiere muss sich die Taschenkrabbe regelmäßig häuten (Ecdysis), um wachsen zu können. Junge Tiere häuten sich mehrmals im Jahr, adulte Exemplare in der Regel nur noch einmal jährlich. Unmittelbar nach der Häutung ist der neue Panzer weich (Butterkrebs-Stadium), und die Tiere sind in dieser Phase besonders vulnerabel gegenüber Fressfeinden. Sie verbergen sich dann tagelang in geschützten Spalten, bis der Panzer ausgehärtet ist.
Zu den natürlichen Fressfeinden zählen Kraken, größere Fische wie Steinbutt und Kabeljau sowie Meeressäuger. Juvenile Taschenkrabben fallen zusätzlich Möwen und anderen Seevögeln zum Opfer.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in den Sommermonaten statt und ist eng an den Häutungszyklus des Weibchens gekoppelt. Das Männchen umklammert das Weibchen mehrere Tage lang in einer schützenden Haltung (Präkopula-Umarmung) und wartet die Häutung ab. Die eigentliche Kopulation erfolgt, solange der Panzer des Weibchens noch weich ist. Das Weibchen kann die Spermien über Monate in einer speziellen Samentasche (Spermathek) aufbewahren und die Eier zeitversetzt befruchten.
Ein Weibchen produziert zwischen 500.000 und drei Millionen Eier pro Gelege. Die befruchteten Eier werden an den Pleop