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Taufliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Drosophila melanogaster (häufigste Art)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Familie: Taufliegen (Drosophilidae)
  • Gattung: Drosophila (mit über 1.500 beschriebenen Arten weltweit)
  • Lebensraum: Nahezu weltweit verbreitet; bevorzugt feuchte, warme Habitate in der Nähe von gärendem Obst und organischem Material
  • Größe: 2–4 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 1 mg
  • Lebenserwartung: 40–50 Tage unter Laborbedingungen; in freier Natur oft deutlich kürzer

Aussehen & Merkmale

Taufliegen sind kleine, zierlich gebaute Zweiflügler mit einem rundlich-ovalen Körper. Die Grundfärbung von Drosophila melanogaster variiert von gelbbraun bis dunkelbraun; der Hinterleib (Abdomen) zeigt bei beiden Geschlechtern dunkle Querstreifen, die beim Männchen zu einer nahezu schwarzen Spitze verschmelzen. Dieser Geschlechtsdimorphismus ist mit bloßem Auge erkennbar: Männchen sind etwas kleiner als Weibchen und besitzen am ersten Tarsalglied der Vorderbeine einen sogenannten Geschlechtskamm – eine Reihe kräftiger Borsten, die bei der Paarung eine Rolle spielen.

Wie alle Dipteren besitzen Taufliegen nur ein funktionsfähiges Flügelpaar. Die Hinterflügel sind zu kleinen keulenförmigen Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, die als Gleichgewichtsorgane dienen und eine hohe Flugmanövrierfähigkeit ermöglichen. Die Facettenaugen sind auffallend groß und im Regelfall leuchtend rot gefärbt – ein Merkmal, das D. melanogaster von vielen verwandten Arten unterscheidet. Andere Vertreter der Gattung, etwa Drosophila hydei oder Drosophila simulans, weisen abweichende Augenfarben und Körperproportionen auf.

Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugende Organe ausgebildet. Ein stechend-saugender Rüssel fehlt; Taufliegen können daher weder stechen noch beißen. Die Fühler (Antennen) tragen eine verzweigte Arista, die als taxonomisches Bestimmungsmerkmal innerhalb der Familie Drosophilidae herangezogen wird.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie der Taufliegen umfasst weltweit rund 4.000 beschriebene Arten mit einem enormen Verbreitungsgebiet. Drosophila melanogaster stammt ursprünglich aus dem tropischen Afrika, hat sich aber als Kulturfolger über alle Kontinente ausgebreitet – mit Ausnahme der Antarktis. Die Art ist eng an menschliche Siedlungen und landwirtschaftliche Flächen gebunden.

Ihr bevorzugtes Habitat sind Orte, an denen reifes oder gärendes Obst vorhanden ist: Obstplantagen, Komposthaufen, Weinkeller, Märkte und Küchen. Der volkstümliche Name „Fruchtfliege" oder „Obstfliege" ist weit verbreitet, taxonomisch aber ungenau, da die eigentlichen Fruchtfliegen (Tephritidae) eine andere Familie bilden. Der korrekte deutsche Name „Taufliege" leitet sich von der Beobachtung ab, dass die Tiere in den frühen Morgenstunden besonders aktiv sind, wenn noch Tau auf Pflanzen und Früchten liegt.

Andere Arten der Gattung besiedeln sehr unterschiedliche Biotope. Die auf den Hawaii-Inseln endemischen Drosophila-Arten – es gibt dort über 500 – nutzen Baumrinde, Pilze oder verrottende Blätter als Substrat. Drosophila suzukii, die Kirschessigfliege, hat sich seit 2008 als invasive Art in Europa und Nordamerika etabliert und befällt im Gegensatz zu D. melanogaster auch gesundes, reifendes Obst.

Ernährung

Taufliegen ernähren sich sowohl im Larven- als auch im Adultstadium vorwiegend von Hefepilzen und Bakterien, die auf gärenden Substraten wachsen. Die Fliegen selbst fressen also nicht das Obst, sondern die Mikroorganismen auf dessen Oberfläche. Daneben nehmen sie gelöste Zucker und organische Säuren auf. Die Larven leben in faulendem pflanzlichem Material und verwerten dort ebenfalls die mikrobielle Flora. Diese Ernährungsweise macht Taufliegen zu wichtigen Zersetzerorganismen im Stoffkreislauf.

Verhalten & Lebensweise

Taufliegen sind überwiegend tagaktiv, mit einer Aktivitätsspitze in den Morgen- und Abendstunden. Ihr Flugvermögen ist begrenzt; sie legen selten Strecken über einige hundert Meter zurück. Die Orientierung erfolgt hauptsächlich über den Geruchssinn: Gärungsprodukte wie Ethanol und Essigsäure wirken als starke Lockstoffe.

Das Balzverhalten der Männchen ist komplex und gut untersucht. Es umfasst eine stereotyp ablaufende Sequenz: Orientierung zum Weibchen, einseitiges Flügelschwirren zur Erzeugung artspezifischer Vibrationen (Balzgesang), Belecken des Genitale des Weibchens und schließlich den Kopulationsversuch. Das Weibchen entscheidet durch Akzeptanz oder Abwehr über den Paarungserfolg. Bereits verpaarte Weibchen zeigen häufig ein aktives Abwehrverhalten, indem sie den Hinterleib senken oder den Flügeln davonlaufen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Weibchen von D. melanogaster legen pro Tag bis zu 40 Eier, im gesamten Leben mehrere hundert. Die weißlichen, etwa 0,5 mm langen Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen auf geeignetes Substrat abgelegt – bevorzugt auf die Oberfläche weicher, gärender Früchte. Jedes Ei trägt zwei fadenartige Fortsätze (Filamente), die als Atemröhren dienen und ein Einsinken in flüssiges Substrat verhindern.

Die Entwicklung verläuft über eine holometabole Metamorphose: