Tenrek
TTierart – Säugetiere > Insektenfresser & Co
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Tenrecidae
- Ordnung: Afrosoricida (Tenrekartige)
- Familie: Tenrecidae (Tenreks)
- Unterfamilien: Tenrecinae, Oryzorictinae, Geogalinae, Potamogalinae
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Trockenwälder, Buschland, Gewässernähe; überwiegend Madagaskar, teilweise Zentral- und Westafrika
- Größe: 4 cm (Kleiner Igeltenrek) bis 40 cm (Großer Tenrek), je nach Art
- Gewicht: 5 g bis über 2 kg
- Lebenserwartung: 5–10 Jahre, je nach Art und Haltungsbedingungen
Aussehen & Merkmale
Die Tenreks bilden eine der formenreichsten Säugetierfamilien überhaupt. Ihre äußere Erscheinung variiert so stark, dass man kaum auf eine gemeinsame Verwandtschaft schließen würde. Der Große Tenrek (Tenrec ecaudatus) erinnert mit seinem stacheligen Fell an einen Igel, der Erdtenrek (Microgale-Arten) gleicht eher einer Spitzmaus, und der Wassertanrek (Limnogale mergulus) hat sich mit seinem stromlinienförmigen Körper und den Schwimmhäuten an ein aquatisches Leben angepasst – ähnlich einer Bisamratte. Diese Vielfalt ist ein Paradebeispiel für adaptive Radiation: Ausgehend von einem gemeinsamen Vorfahren haben sich die Tenreks in zahlreiche ökologische Nischen diversifiziert.
Das Fell der Tenreks reicht von weichem, dichtem Haarkleid bei den Reistenreks bis hin zu derben Stacheln bei den Igeltenreks (Setifer setosus, Echinops telfairi). Einige Arten tragen ein Mischkleid aus Haaren und Stacheln. Die Schnauze ist bei den meisten Arten lang und beweglich, was auf den ausgeprägten Geruchssinn hinweist. Die Augen sind vergleichsweise klein, die Ohren je nach Art gerundet oder kaum sichtbar. Der Schwanz variiert von stummelartig kurz beim Großen Tenrek bis auffallend lang bei Gattungen wie Microgale, wo er als Greifschwanz beim Klettern dient.
Lebensraum & Verbreitung
Das Hauptverbreitungsgebiet der Tenreks liegt auf Madagaskar, wo rund 30 Arten vorkommen. Die Unterfamilie der Otterspitzmäuse (Potamogalinae) ist dagegen in Zentral- und Westafrika beheimatet. Die madegassischen Arten besiedeln nahezu alle verfügbaren Habitate der Insel: feuchte Regenwälder im Osten, Trockenwälder im Westen, Dornbuschsavannen im Süden und sogar vom Menschen geprägte Kulturlandschaften und Gärten. Einzelne Arten wie Microgale nasoloi sind auf eng begrenzte Waldfragmente beschränkt und daher besonders gefährdet.
Der Große Tenrek wurde durch den Menschen auf die Komoren, die Seychellen, Réunion und Mauritius eingeführt, wo er sich etabliert hat. In seinem ursprünglichen Biotop bevorzugt er dichte Vegetation mit lockeren Böden, in denen er seine Baue anlegen kann.
Ernährung
Die meisten Tenreks ernähren sich vorwiegend von Wirbellosen: Insekten, Regenwürmer, Schnecken und Larven bilden die Hauptnahrung. Der Große Tenrek ist dabei wenig wählerisch und nimmt auch kleine Wirbeltiere, Früchte und Aas zu sich – ein echter Allesfresser. Die aquatisch lebenden Wassertanreks jagen Süßwasserkrebse, Frösche und kleine Fische in Fließgewässern, wobei sie ihre empfindlichen Tasthaare (Vibrissen) zur Beuteerkennung unter Wasser nutzen. Die kleineren Reistenreks der Gattung Microgale suchen in der Laubstreu nach Arthropoden und deren Larven. Die Nahrungssuche erfolgt bei den meisten Arten überwiegend nachts.
Verhalten & Lebensweise
Tenreks sind überwiegend nachtaktiv und einzelgängerisch. Tagsüber ruhen sie in selbst gegrabenen Erdbauen, unter Baumwurzeln oder in dichter Vegetation. Der Große Tenrek kann ausgedehnte Tunnelsysteme anlegen. Einige Arten zeigen eine unter Säugetieren seltene Eigenschaft: Sie sind in der Lage, ihre Körpertemperatur stark abzusenken und in einen Torpor oder eine echte Winterruhe (Hibernation) einzutreten. Dies geschieht während der kühleren und nahrungsarmen Trockenzeit Madagaskars von Mai bis Oktober. Der Stoffwechsel wird dabei drastisch reduziert, und die Tiere zehren von Fettreserven.
Ein eigentliches Revier verteidigen die meisten Arten nicht aggressiv, sie nutzen aber feste Aktionsräume. Bei Bedrohung rollen sich die Igeltenreks zu einer Kugel zusammen und stellen ihre Stacheln auf – eine Strategie, die konvergent auch bei Igeln (Erinaceidae) und Stachelschweinen vorkommt. Der Gestreifte Tenrek (Hemicentetes semispinosus) lebt als eine der wenigen Arten in kleinen Familiengruppen und zeigt damit ein für Tenreks ungewöhnliches Sozialverhalten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsbiologie der Tenreks weist einige Besonderheiten auf. Der Große Tenrek hält unter den Säugetieren einen Rekord: Weibchen können bis zu 32 Jungtiere in einem Wurf zur Welt bringen – die höchste bekannte Wurfgröße bei Säugetieren. Durchschnittlich sind es 12 bis 16. Die Tragzeit beträgt etwa 58 bis 64 Tage. Die Jungtiere kommen nackt und blind zur Welt und entwickeln sich im schützenden Bau.
Der Gestreifte Tenrek nutzt zur Kommunikation innerhalb der Familiengruppe eine spezielle Stridulation: Er reibt spezialisierte Stacheln auf dem Rücken aneinander und erzeugt so hochfrequente Töne. Diese Form der ak