Theraphosa
TTierart – Spinnentiere > Vogelspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Theraphosa (Gattung)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
- Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
- Unterfamilie: Theraphosinae
- Arten: Theraphosa blondi (Goliath-Vogelspinne), Theraphosa stirmi, Theraphosa apophysis (Rosarote Goliathvogelspinne)
- Lebensraum: Tropischer Regenwald Südamerikas
- Körperlänge: Bis 12 cm (ohne Beine); Beinspannweite bis 30 cm
- Gewicht: Bis 170 g (Weibchen)
- Lebenserwartung: Weibchen 15–25 Jahre, Männchen 3–6 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gattung Theraphosa umfasst die größten Vogelspinnen der Welt. Der Körper gliedert sich wie bei allen Spinnen in Prosoma (Vorderkörper) und Opisthosoma (Hinterleib). Das Prosoma ist von einem massiven Carapax bedeckt, der bei allen drei Arten eine dunkelbraune bis kastanienbraune Grundfärbung aufweist. Das Opisthosoma ist dicht mit Brennhaaren (Setae) besetzt, die bei Bedrohung abgestreift werden können.
Theraphosa blondi, die bekannteste Vertreterin, zeigt eine gleichmäßig dunkelbraune bis schokoladenbraune Färbung. Die Beine sind kräftig gebaut und ebenfalls dicht behaart. Theraphosa apophysis unterscheidet sich durch einen deutlich rosafarbenen bis weinroten Farbton an den Brennhaaren des Hinterleibs. Theraphosa stirmi steht morphologisch zwischen beiden Arten und wurde erst 2010 als eigenständige Spezies beschrieben.
Die Cheliceren (Kieferklauen) erreichen eine Länge von bis zu 2,5 cm und sind damit groß genug, um menschliche Haut zu durchdringen. Die acht Augen sind wie bei den meisten Vogelspinnen relativ klein und auf einem Augenhügel des Carapax angeordnet. Das Sehvermögen spielt für die Orientierung eine untergeordnete Rolle – stattdessen nehmen die Tiere ihre Umgebung überwiegend über Vibrationen und taktile Reize wahr, die sie mit spezialisierten Sinneshaaren (Trichobothrien) an den Beinen registrieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Theraphosa beschränkt sich auf den nördlichen Teil Südamerikas. T. blondi kommt in Venezuela, Brasilien, Guyana, Suriname und Französisch-Guayana vor. T. apophysis ist aus Venezuela bekannt, während T. stirmi in Guyana und Brasilien nachgewiesen wurde.
Als Habitat dient diesen Spinnen der tropische Tieflandregenwald mit hoher Luftfeuchtigkeit und konstant warmen Temperaturen zwischen 24 und 28 °C. Die Tiere bewohnen bevorzugt feuchte Bodenbereiche und graben dort Wohnhöhlen, die sie mit Spinnseide auskleiden. Diese Erdhöhlen befinden sich häufig unter Wurzeln, Totholz oder Felsen. Das Biotop zeichnet sich durch eine dichte Laubschicht am Waldboden aus, die sowohl Deckung als auch ein stabiles Mikroklima bietet.
Ernährung
Theraphosa-Arten sind opportunistische Jäger, die kein Fangnetz bauen. Sie lauern in oder nahe ihrer Wohnröhre und überwältigen Beutetiere durch einen schnellen Vorstoß. Zum Beutespektrum gehören große Wirbellose wie Schaben, Grillen, Tausendfüßer und andere Spinnen. Gelegentlich erbeuten sie auch kleinere Wirbeltiere – darunter Frösche, Eidechsen, Mäuse und, wie der deutsche Name Goliath-Vogelspinne andeutet, vereinzelt auch nestjunge Vögel. Solche Wirbeltierbeute ist im Freiland allerdings eher die Ausnahme als die Regel.
Die Verdauung erfolgt wie bei allen Spinnen extraintestinal: Die Beute wird mit Verdauungsenzymen verflüssigt und anschließend aufgesaugt. Ein einzelnes Beutetier kann die Spinne über mehrere Tage sättigen.
Verhalten & Lebensweise
Theraphosa-Arten sind überwiegend nachtaktiv und verbringen den Tag in ihrer selbst gegrabenen Wohnröhre. Die Tiere leben einzelgängerisch und verteidigen ihr unmittelbares Revier gegen Artgenossen. Bei Störungen setzen sie mehrere Abwehrmechanismen ein: Zunächst nehmen sie eine Drohstellung ein, bei der das Prosoma angehoben und die Cheliceren gespreizt werden. Gleichzeitig erzeugen sie durch Stridulation – das Reiben spezialisierter Borsten an den Pedipalpen und dem ersten Beinpaar – ein hörbares Zischgeräusch.
Als zweite Verteidigungslinie streifen sie mit den Hinterbeinen Brennhaare vom Opisthosoma ab. Diese Setae besitzen Widerhaken und verursachen bei Kontakt mit Haut und Schleimhäuten starken Juckreiz und Reizungen. Der Biss selbst ist für gesunde erwachsene Menschen in der Regel nicht lebensbedrohlich, vergleichbar etwa mit einem Wespenstich, kann aber schmerzhaft sein.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird vom Männchen eingeleitet, das nach der Reifehäutung auf Wanderschaft geht, um ein Weibchen zu finden. Männchen besitzen an den Pedipalpen Bulbi, die als Begattungsorgane dienen, sowie am ersten Beinpaar Tibiaapophysen (Schienbeinhaken), mit denen sie die Cheliceren des Weibchens während der Kopulation fixieren. Die Balz besteht aus vorsichtigem Trommeln und Vibrationen an der Wohnröhre des Weibchens.
Nach erfolgreicher Paarung fertigt das Weibchen einen Kokon aus dichter Spinnseide an, in dem es 100 bis