Tigerhai
TTierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Galeocerdo cuvier
- Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
- Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
- Gattung: Galeocerdo (monotypisch)
- Lebensraum: Tropische und warmgemäßigte Küstengewässer, pelagische Zonen
- Größe: Durchschnittlich 3,5–4,5 m; maximal über 5,5 m
- Gewicht: 385–635 kg; Einzelexemplare über 800 kg
- Lebenserwartung: Geschätzt 25–30 Jahre, möglicherweise bis 50 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Tigerhai verdankt seinen Namen den dunklen, vertikalen Streifen und Flecken an den Körperflanken, die an die Zeichnung eines Tigers erinnern. Diese Musterung ist bei Jungtieren besonders kontrastreich ausgeprägt und verblasst mit zunehmendem Alter, sodass adulte Exemplare häufig eine nahezu gleichmäßig graubraune Oberseite zeigen. Die Unterseite ist weißlich bis cremfarben – eine typische Gegenschattierung, die in der Wassersäule sowohl von oben als auch von unten Tarnung bietet.
Der Körperbau ist robust und kräftig, mit einem breiten, stumpfen Kopf und einer kurzen, abgerundeten Schnauze. Die Augen sind verhältnismäßig groß und mit einer Nickhaut versehen. Das Maul ist breit und deutlich hinter der Schnauzenspitze positioniert. Besonders charakteristisch ist das Gebiss: Die Zähne sind cockscomb-förmig – kurz, breit und stark gezackt mit einer auffälligen seitlichen Kerbe. Diese Zahnform ist unter Haien einzigartig und erlaubt es dem Tigerhai, harte Strukturen wie Schildkrötenpanzer, Muschelschalen und Knochen zu durchtrennen. Wie bei allen Haien werden die Zähne regelmäßig durch nachrückende Ersatzzähne ausgetauscht.
Die Haut ist mit Placoidschuppen bedeckt, die dem Tier eine raue Oberfläche verleihen und den Strömungswiderstand verringern. Die erste Rückenflosse ist hoch und weit vorn angesetzt, die zweite deutlich kleiner. Die Schwanzflosse (Caudalflosse) weist einen stark verlängerten oberen Lobus auf, der für langsame, ausdauernde Schwimmbewegungen optimiert ist, aber bei Bedarf auch schnelle Beschleunigung ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Tigerhais erstreckt sich über alle tropischen und subtropischen Meere zwischen etwa 45° nördlicher und 35° südlicher Breite. Er kommt im westlichen und östlichen Atlantik, im Indischen Ozean, im Pazifik sowie im Roten Meer vor. Besonders hohe Populationsdichten sind in den Gewässern um Hawaii, vor der Küste Australiens, im Golf von Mexiko, in der Karibik und entlang der ostafrikanischen Küste dokumentiert.
Das bevorzugte Habitat umfasst küstennahe Gewässer über dem Kontinentalschelf, Lagunen, Flussmündungen, Häfen und Korallenriffe. Der Tigerhai hält sich häufig in Tiefen von 2–140 Metern auf, wurde jedoch durch Telemetriedaten auch in Tiefen von über 900 Metern nachgewiesen. Anders als viele küstengebundene Haiarten unternimmt er ausgedehnte saisonale Wanderungen. Markierungsstudien vor Hawaii haben Wanderrouten von mehreren Tausend Kilometern über offenes Meer belegt. In den gemäßigteren Randbereichen seines Verbreitungsgebietes tritt er vor allem in den warmen Sommermonaten auf.
Ernährung
Der Tigerhai gilt als einer der am wenigsten spezialisierten Jäger unter den Großhaien. Sein Nahrungsspektrum ist außergewöhnlich breit und umfasst Knochenfische, Rochen, kleinere Haiarten, Meeresschildkröten, Seevögel, Kopffüßer, Krebstiere, Robben, Delfine und Dugongs. Auch Aas wird regelmäßig aufgenommen. Mageninhaltanalysen haben zudem nicht-biologische Gegenstände wie Nummernschilder, Reifen und Plastikteile zutage gefördert, was dem Tigerhai den Ruf eines „Müllschluckers der Meere" eingebracht hat.
Ökologisch spielt der Tigerhai als Topprädator eine regulierende Rolle. In den Seegraswiesen der Shark Bay in Westaustralien wurde nachgewiesen, dass allein die Anwesenheit von Tigerhaien das Weideverhalten von Dugongs und Meeresschildkröten beeinflusst und so indirekt den Zustand der Seegrasbestände stabilisiert – ein klassisches Beispiel für eine „Landschaft der Angst" (landscape of fear).
Verhalten & Lebensweise
Tigerhaie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sie sich oft in größerer Tiefe oder im offenen Wasser auf und nähern sich zur Jagd in der Dämmerung den Küsten und Riffen. Sie sind Einzelgänger ohne feste Revierstruktur, können jedoch an ergiebigen Nahrungsquellen – etwa bei Albatros-Brutkolonien auf Hawaii – in lockeren Aggregationen auftreten.
Die Schwimmgeschwindigkeit liegt im Normalfall bei etwa 4 km/h, kann bei Angriffen aber kurzzeitig auf über 30 km/h ansteigen. Der Tigerhai verfügt über ein hochentwickeltes Sensorium: Neben dem Seitenlinienorgan und dem Geruchssinn nutzt er die Lorenzinischen Ampullen, um schwache elektrische Felder zu detektieren, die von der Muskelaktivität potenzieller Beutetiere ausgehen.
Im Hinblick auf Interaktionen mit dem Menschen steht der Tigerhai nach dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias) an zweiter Stelle der Statistik registrierter Bissunfälle. Die Mehrzahl dieser Vorfälle geht auf Verwechslungen oder exploratives Beißen zurück.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Tigerhai ist die einzige ovovivipare Art innerhalb der Familie der Requiemhaie, bei der keine Plazentaverbindung besteht. Die Embryonen entwickeln sich in Eikapseln im Uterus und werden vom Dottersack ernäh