Tigermücke
TTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aedes albopictus (Skuse, 1894)
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Familie: Stechmücken (Culicidae)
- Gattung: Aedes (Stegomyia)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Regionen, zunehmend auch gemäßigte Breiten; bevorzugt siedlungsnahe Habitate
- Größe: 2–10 mm (Körperlänge)
- Gewicht: ca. 2–2,5 mg
- Lebenserwartung: Weibchen bis zu 8 Wochen, Männchen etwa 1–2 Wochen
Aussehen & Merkmale
Die Asiatische Tigermücke ist eine vergleichsweise kleine Stechmücke, die durch ihre auffällige schwarz-weiße Zeichnung gut von den meisten einheimischen Arten zu unterscheiden ist. Der Körper ist überwiegend schwarz gefärbt und trägt auf dem Thorax einen markanten, silbrig-weißen Längsstreifen, der vom Kopf bis zum Schildchen (Scutellum) verläuft. Die Beine weisen eine charakteristische schwarz-weiße Bänderung auf, die der Art ihren volkstümlichen Namen eingebracht hat. Auch die Tarsen der Hinterbeine zeigen deutliche weiße Ringe.
Die Flügel sind dunkel beschuppt und ungemustert, die Flügelspannweite beträgt etwa 4–8 mm. Wie bei allen Culicidae besitzen die Tiere einen langen, nach vorn gerichteten Stechrüssel (Proboscis), mit dem die Weibchen Blut aufnehmen. Die Fühler (Antennen) sind bei den Männchen buschig befiedert, bei den Weibchen dagegen nur spärlich behaart – ein typisches Merkmal für die Geschlechtsbestimmung bei Stechmücken. Die Facettenaugen sind groß und dunkel.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Aedes albopictus erstreckt sich über Süd- und Südostasien, von Indien über China bis nach Japan und die Inseln des westlichen Pazifiks. Seit den 1970er- und 1980er-Jahren hat sich die Art durch den internationalen Warenhandel – insbesondere über den Transport gebrauchter Reifen und Zierpflanzen wie der Glücksbambus-Pflanze – weltweit ausgebreitet. Heute ist die Tigermücke in weiten Teilen Südeuropas, Nordamerikas, Südamerikas und Afrikas etabliert.
In Europa wurde die Art erstmals 1979 in Albanien nachgewiesen. Mittlerweile bestehen stabile Populationen in Italien, Südfrankreich, Spanien, Griechenland, Kroatien und der Türkei. In Deutschland werden seit 2007 wiederholt Einzelfunde gemeldet, vor allem entlang der Autobahn-Korridore aus Südeuropa. Seit 2014 existieren lokale, überwinternde Populationen in Süddeutschland, etwa in Freiburg im Breisgau und Heidelberg. Die Ausbreitung wird durch den Klimawandel und steigende Durchschnittstemperaturen begünstigt.
Als Habitat bevorzugt die Tigermücke siedlungsnahe, halbschattige Biotope. Gärten, Parks, Friedhöfe und Hinterhöfe bieten ideale Bedingungen. Die Art ist ausgesprochen anpassungsfähig und nutzt zur Eiablage kleinste Wasseransammlungen – von Regentonnen und verstopften Dachrinnen über Blumenuntersetzer bis hin zu weggeworfenen Getränkedosen.
Ernährung
Wie bei allen Stechmücken unterscheidet sich die Ernährung zwischen den Geschlechtern grundlegend. Beide Geschlechter nehmen Nektar und andere zuckerhaltige Pflanzensäfte auf, die als Energiequelle für den Flug dienen. Nur die Weibchen stechen und saugen Blut – sie benötigen die darin enthaltenen Proteine für die Eireifung (Vitellogenese).
Die Tigermücke gilt als ausgesprochen aggressiver Blutsauger mit einem breiten Wirtsspektrum. Sie sticht Menschen, Säugetiere, Vögel und Reptilien. Im Gegensatz zu vielen einheimischen Stechmückenarten ist sie tagaktiv und zeigt Stechaktivität vor allem in den Morgen- und Abendstunden. Diese Eigenschaft macht sie in urbanen Gebieten besonders lästig.
Die Larven leben im Wasser und ernähren sich als Filtrierer von Mikroorganismen, Algen, Detritus und Bakterien. Sie nehmen die Nahrungspartikel mithilfe spezialisierter Mundwerkzeuge auf, die einen Wasserstrom erzeugen.
Verhalten & Lebensweise
Aedes albopictus ist überwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsspitzen in der Morgen- und Abenddämmerung. Die Art fliegt vergleichsweise schlecht und legt in der Regel nur Strecken von 100–200 Metern zurück. Ihr Aktionsradius beschränkt sich daher auf die unmittelbare Umgebung der Brutstätten. Die rasche Ausbreitung über große Distanzen erfolgt fast ausschließlich passiv durch menschliche Transportmittel.
Die Mücken halten sich bevorzugt in bodennahen Vegetationsschichten auf und ruhen tagsüber in schattigen, feuchten Bereichen. Auf Wirtsuche reagieren sie auf CO₂-Gradienten, Körperwärme und Duftstoffe der Haut. Weibchen sind ausdauernde Stecher und lassen sich bei Störung nur kurz abschrecken, um den Stechvorgang anschließend fortzusetzen.
In gemäßigten Breiten überwintert die Art im Eistadium. Die Eier befinden sich dann in einer Diapause, einem hormonell gesteuerten Ruhezustand, der durch abnehmende Tageslänge und sinkende Temperaturen ausgelöst wird. Diese Fähigkeit zur Diapause ist ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Etablierung in kühleren Klimazonen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet meist in der Nähe der Brutstätten statt. Männchen bilden kleine Schwärme und erkennen die Weibchen am Flügelschlagton. Nach der Kopulation und einer Blutmahlzeit legt das Weibchen seine Eier einzeln an feuchten Oberflächen knapp oberhalb der Wasserlinie ab – nicht direkt auf die Wasseroberfläche. Typische Ablageplätze