Tigerschnegel
TTierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Limax maximus
- Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
- Familie: Schnegel (Limacidae)
- Gattung: Limax
- Lebensraum: Feuchte Wälder, Gärten, Keller, Parks, Ruinen
- Größe: 10–20 cm (ausgestreckt)
- Gewicht: ca. 5–15 g
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Tigerschnegel ist eine der größten heimischen Nacktschneckenarten und erreicht in ausgestrecktem Zustand eine Körperlänge von bis zu 20 Zentimetern. Sein Körper ist schlank, langgestreckt und seitlich leicht zusammengedrückt. Die Grundfärbung variiert von hellgrau über gelblich bis bräunlich. Namensgebend sind die auffälligen dunklen Flecken und Streifen, die in unregelmäßigen Längsreihen über den gesamten Körper verlaufen und an die Zeichnung eines Tigers erinnern. Diese Musterung ist individuell verschieden – manche Exemplare zeigen eher rundliche Tupfen, andere deutlich längliche Streifen.
Der Mantelschild (Notum) bedeckt etwa ein Drittel des vorderen Körpers und enthält unter der Haut ein rudimentäres, ovales Kalkplättchen – ein stammesgeschichtliches Relikt des Gehäuses, das bei den Vorfahren der Nacktschnecken noch voll ausgebildet war. Das Atemloch (Pneumostom) liegt in der hinteren Hälfte des Mantelschilds auf der rechten Körperseite. Der Kiel auf der Rückseite des Körpers ist nur im hinteren Drittel ausgeprägt. Die Sohle ist einheitlich hell gefärbt, der Schleim farblos und wässrig – ein Unterscheidungsmerkmal zu vielen anderen Nacktschneckenarten, die gelben oder orangefarbenen Schleim absondern.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Tigerschnegels umfasst Süd- und Westeuropa sowie Teile Nordafrikas. Durch menschliche Verschleppung hat sich die Art mittlerweile über weite Teile Mittel- und Nordeuropas, Nordamerikas, Südafrikas, Australiens und Neuseelands ausgebreitet. In Mitteleuropa gilt sie als Archäozoon, also als eine Tierart, die bereits vor langer Zeit durch den Menschen eingeführt wurde und sich fest etabliert hat.
Als Habitat bevorzugt der Tigerschnegel feuchte, schattige Standorte. Man findet ihn in Laub- und Mischwäldern, an Mauern, in Kellern, Gewächshäusern, unter Totholz und Steinen sowie in naturnahen Gärten. Er ist ausgesprochen synanthrop – das heißt, er lebt häufig in unmittelbarer Nähe menschlicher Siedlungen und nutzt dort das Mikroklima von Gebäuden, Komposthaufen und feuchten Nischen. In trockenen oder sehr kalten Biotopen fehlt er weitgehend.
Ernährung
Der Tigerschnegel ernährt sich vorwiegend von welkendem und abgestorbenem Pflanzenmaterial, Pilzen, Flechten und Algen. Im Gegensatz zu vielen anderen Nacktschnecken richtet er an lebenden Kulturpflanzen kaum Schäden an. Stattdessen frisst er mit seiner Raspelzunge (Radula) bevorzugt bereits zersetzendes organisches Material. Eine ökologisch bedeutsame Eigenschaft ist seine Neigung zur Zoophagie: Der Tigerschnegel frisst regelmäßig Eier anderer Nacktschneckenarten sowie deren Jungtiere und gelegentlich auch ausgewachsene kleine Nacktschnecken. Damit wirkt er als natürlicher Gegenspieler von Arten wie der Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris), die in Gärten als Schädling auftritt. Er ergänzt seinen Speiseplan zusätzlich durch Aas und tierische Exkremente.
Verhalten & Lebensweise
Der Tigerschnegel ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich in feuchten Verstecken – unter Brettern, Steinen, in Mauerritzen oder Erdlöchern. Erst nach Einbruch der Dunkelheit wird er aktiv und begibt sich auf Nahrungssuche. Bei Regen oder hoher Luftfeuchtigkeit kann er gelegentlich auch tagsüber angetroffen werden.
Die Tiere leben einzelgängerisch und zeigen kein Territorialverhalten im engeren Sinne. Allerdings kehren sie häufig an denselben Tagesversteckplatz zurück, weshalb sich an geeigneten Stellen kleine Ansammlungen bilden können. Bei Störung zieht der Tigerschnegel seinen Körper zu einem kompakten, hochgewölbten Klumpen zusammen und sondert verstärkt Schleim ab. In den Wintermonaten verfällt er in eine Kältestarre und überwintert geschützt unter Laub, in Erdlöchern oder in frostfreien Kellern.
Fortpflanzung & Aufzucht
Wie alle Lungenschnecken ist der Tigerschnegel ein Zwitter (Hermaphrodit), der sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane besitzt. Zur Fortpflanzung ist dennoch in der Regel eine Paarung zwischen zwei Individuen notwendig, bei der ein gegenseitiger Spermientausch stattfindet. Selbstbefruchtung ist zwar theoretisch möglich, kommt aber selten vor.
Das Paarungsverhalten des Tigerschnegels gehört zu den spektakulärsten unter den Weichtieren. Die Balz beginnt damit, dass zwei Tiere einander auf einer Schleimfährte folgen und sich gegenseitig umkreisen. Anschließend klettern beide an eine erhöhte Position – häufig an einen Ast oder eine Mauerkante – und lassen sich an einem gemeinsamen Schleimfaden kopfüber in die Luft hinab. Während sie frei hängen, umschlingen sich die bis zu 15 Zentimeter langen, bläulich-weißen Penisse der beiden Partner spiralförmig umeinander. Die Paarung dauert mehrere Stunden. Nach dem Spermientausch lösen sich die Tiere voneinander und lassen sich zu Boden fallen oder klettern am Schleimfaden wieder hinauf.
Einige Wochen nach der Paarung legt jedes Tier bis zu 200 durchsichtige, kugelförmige Eier in kleinen Gelegen an feuchten, geschützten Stellen ab – bevorzugt in lockerer Erde, unter