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Tinamu

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tinamidae (Familie); diverse Gattungen, z. B. Tinamus, Nothoprocta, Crypturellus, Eudromia
  • Ordnung: Tinamiformes (Steißhühner)
  • Familie: Tinamidae
  • Anzahl der Arten: ca. 47 rezente Arten in 9 Gattungen
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Savannen, Grasland, Hochgebirge bis über 4.000 m (Südamerika und Mittelamerika)
  • Größe: 15–53 cm (je nach Art)
  • Gewicht: 50 g (Zwergsteißhuhn) bis ca. 1,8 kg (Großes Steißhuhn, Tinamus major)
  • Lebenserwartung: ca. 5–12 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft bis 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Tinamus sind kompakt gebaute, bodenlebende Vögel mit relativ kleinem Kopf, kurzem Hals und einem rundlichen Körper, der entfernt an Rebhühner oder Wachteln erinnert. Trotz dieser äußerlichen Ähnlichkeit gehören sie taxonomisch nicht zu den Hühnervögeln, sondern bilden eine eigene Ordnung – die Tinamiformes –, die zu den ursprünglichsten Gruppen der Flachbrustvögel (Palaeognathae) zählt. Sie sind damit näher mit Straußen und Nandus verwandt als mit Hühnern.

Das Gefieder ist überwiegend in gedeckten Erdtönen gehalten: Braun-, Oliv- und Grautöne dominieren und sorgen für eine hervorragende Tarnung am Waldboden oder in offener Graslandschaft. Viele Arten zeigen eine feine Bänderung oder Strichelung auf Brust und Flanken. Der Schwanz ist stark reduziert oder äußerlich kaum sichtbar, was den Vögeln die namensgebende Bezeichnung „Steißhühner" einbrachte – der Bürzel wirkt wie abgeschnitten. Die Flügel sind kurz und abgerundet; Tinamus können zwar fliegen, tun dies aber ungern und meist nur über kurze Distanzen als Fluchtreaktion. Die Beine sind kräftig und auf das Laufen spezialisiert. Je nach Art variiert die Zehenanzahl: Die meisten besitzen vier Zehen, einige Hochlandarten nur drei.

Der Schnabel ist mittellang, leicht gebogen und artspezifisch geformt – bei fruchtfressenden Waldarten etwas breiter, bei samenfressenden Offenlandarten schlanker. Die Augen sind verhältnismäßig groß, was auf die teilweise dämmerungsaktive Lebensweise hinweist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Tinamus erstreckt sich von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis nach Patagonien im Süden Südamerikas. Damit besiedeln sie einen enormen geographischen Raum mit sehr unterschiedlichen Biotopen. Die Gattung Tinamus bewohnt vorwiegend dichte tropische Regenwälder im Tiefland Amazoniens und des Chocó. Arten der Gattung Crypturellus finden sich ebenfalls in Waldhabitaten, besiedeln aber auch Sekundärwälder und Waldränder. Die Gattung Nothoprocta hingegen bevorzugt offenes Grasland und Hochebenen der Anden, wo einzelne Arten in Höhenlagen von über 4.500 m vorkommen. Die Schopfsteißhühner (Eudromia) leben in den trockenen Steppen und Halbwüsten Argentiniens.

Diese ökologische Vielfalt macht die Tinamidae zu einer der anpassungsfähigsten Vogelfamilien Südamerikas. Grundsätzlich sind Tinamus jedoch an Lebensräume mit dichter Bodenvegetation oder Streu gebunden, da sie auf Tarnung angewiesen sind.

Ernährung

Tinamus sind Allesfresser mit artspezifischen Schwerpunkten. Waldlebende Arten wie Tinamus major ernähren sich überwiegend von herabgefallenen Früchten, Beeren und Samen, die sie vom Waldboden aufpicken. Daneben nehmen sie Insekten, Spinnen, kleine Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere auf. Offenlandarten fressen vor allem Grassamen, Knospen, Wurzeln und Blätter, ergänzt durch Wirbellose. Zur Unterstützung der Verdauung nehmen viele Arten kleine Steinchen (Gastrolithen) auf, die im Muskelmagen die Nahrung zermahlen.

Verhalten & Lebensweise

Die meisten Tinamu-Arten sind Einzelgänger oder leben in losen Verbänden. Sie sind überwiegend tagaktiv, einige Waldarten zeigen jedoch verstärkte Aktivität in der Dämmerung. Ihr Verhalten ist grundsätzlich scheu und unauffällig. Bei Gefahr verharren sie regungslos am Boden und verlassen sich auf ihre Tarnfärbung. Erst im letzten Moment fliegen sie mit lautem Flügelschlag explosionsartig auf, um nach wenigen Metern wieder zu landen und sich erneut zu ducken.

Besonders auffällig sind die Gesänge der Tinamus, die zu den melodischsten Vogelrufen der neotropischen Wälder gehören. Die flötenden, oft mehrsilbigen Rufe dienen der Reviermarkierung und der Kontaktaufnahme zwischen den Geschlechtern. In dichten Regenwäldern, wo Sichtkontakt kaum möglich ist, spielt die akustische Kommunikation eine zentrale Rolle.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Tinamus weist eine Besonderheit auf, die sie von den meisten anderen Vogelgruppen unterscheidet: Bei fast allen Arten übernimmt ausschließlich das Männchen das Brutgeschäft und die Kükenaufzucht. Die Balz wird durch die auffälligen Rufe eingeleitet, woraufhin ein Männchen nacheinander mehrere Weibchen anlockt. Das Weibchen legt seine Eier in das vom Männchen vorbereitete Bodennest – eine einfache Mulde, spärlich mit Laub ausgekleidet – und zieht anschließend weiter, um bei einem anderen Männchen erneut zu legen. Dieses System wird als sequentielle Polyandrie bezeichnet.

Die Eier der Tinamus sind berühmt für ihre außergewöhnliche Schalenoberfläche: Sie besitzen einen