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Treiberameise

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dorylus (Afrika), Eciton (Neotropis) u. a.
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Ameisen (Formicidae), Unterfamilien Dorylinae und Ecitoninae
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Regenwälder, Savannen, Galeriewälder
  • Größe: Arbeiterinnen 3–14 mm, Soldatinnen bis 18 mm, Königinnen bis 50 mm (Gattung Dorylus)
  • Gewicht: Arbeiterinnen ca. 1–2 mg, Königinnen bis zu 10 g
  • Lebenserwartung: Arbeiterinnen wenige Monate; Königinnen mehrere Jahre (geschätzt bis 20 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Als Treiberameisen – im Englischen „army ants" oder „driver ants" – werden mehrere taxonomisch nicht unmittelbar verwandte Gattungen zusammengefasst, die ein gemeinsames Verhaltenssyndrom teilen: nomadisches Schwarmjagen. Die bekanntesten Vertreter gehören zur Gattung Dorylus in Afrika und zur Gattung Eciton in Mittel- und Südamerika. Der Begriff Wanderameise wird häufig synonym verwendet.

Der Körperbau der Arbeiterinnen ist schlank und langbeinig, das Integument (Außenskelett) kräftig chitinisiert und meist dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Charakteristisch ist ein ausgeprägter Größenpolymorphismus innerhalb einer Kolonie: Kleine Arbeiterinnen (Minors) übernehmen Brutpflege und Transportaufgaben, mittelgroße Mediae bilden das Gros der Heerzüge, und große Soldatinnen (Majors) sichern die Flanken der Kolonnen. Die Soldatinnen der Gattung Dorylus tragen auffallend vergrößerte, sichelförmig gebogene Mandibeln, die so stark sind, dass sie in manchen Regionen Afrikas traditionell als provisorische Wundklammern genutzt werden.

Die Königin ist das größte Individuum der Kolonie. Bei Dorylus-Arten erreicht sie eine Körperlänge von bis zu 50 mm und besitzt ein stark ausgedehntes Abdomen (Physogastrie), das die Eiproduktion von mehreren Millionen Eiern pro Monat ermöglicht. Männchen – bei afrikanischen Arten als „Wurstfliegen" (sausage flies) bekannt – sind geflügelt, besitzen große Komplexaugen und unterscheiden sich morphologisch so stark von den Arbeiterinnen, dass sie lange als eigenständige Insektenart fehlbestimmt wurden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Treiberameisen erstreckt sich über zwei große Zoogeografische Regionen. Die afrotropical verbreitete Gattung Dorylus besiedelt weite Teile Subsahara-Afrikas sowie Teile Süd- und Südostasiens. Ihr bevorzugtes Habitat umfasst tropische Regenwälder, Sekundärwälder, Feuchtsavannen und Galeriewälder entlang von Flussläufen. Die neotropischen Treiberameisen der Gattung Eciton kommen von Südmexiko bis Nordargentinien vor und bewohnen vorwiegend tropische Tieflandregenwälder. Daneben existieren weitere Gattungen mit ähnlicher Lebensweise, etwa Aenictus in der Alten Welt und Neivamyrmex in der Neuen Welt. Treiberameisen fehlen in temperierten Klimazonen vollständig – sie sind an konstant warme und feuchte Biotope gebunden.

Ernährung

Treiberameisen sind obligate Räuber. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus anderen Arthropoden – Insekten, Spinnen, Skorpione, Tausendfüßer – sowie aus Regenwürmern und Schnecken. Gelegentlich erbeuten sie auch kleine Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen, Schlangen und nestjunge Vögel oder Nagetiere, die nicht rechtzeitig fliehen können. Die Beute wird in der Regel vor Ort zerlegt und stückweise zur Biwakstelle der Kolonie transportiert. Eine große Dorylus-Kolonie kann auf einem einzigen Raubzug bis zu 100.000 Beutetiere pro Tag erlegen. Die Kolonnen fungieren dabei als eine Art ökologischer Störfaktor: Zahlreiche Vogelarten, darunter die neotropischen Ameisenvögel (Thamnophilidae), folgen den Heerzügen, um aufgescheuchte Insekten abzufangen – ein Phänomen, das als Kommensalismus eingestuft wird.

Verhalten & Lebensweise

Das Verhalten der Treiberameisen wird durch einen zyklischen Wechsel zwischen einer stationären Phase (Statärphase) und einer nomadischen Phase (Nomadphase) bestimmt. Während der Statärphase verbleibt die Kolonie an einem festen Lagerplatz, dem sogenannten Biwak – einer aus den Körpern lebender Ameisen gebildeten temporären Struktur, die Königin und Brut umschließt. In der Nomadphase bricht die gesamte Kolonie nahezu täglich auf und zieht in langen Kolonnen zu neuen Jagdgründen. Der Wechsel zwischen den Phasen korreliert eng mit dem Brutzyklus: Sobald neue Larven schlüpfen und vermehrt Nahrung benötigen, beginnt die nomadische Wanderung.

Die Heerzüge selbst folgen keiner zentralen Steuerung. Die Wegesuche wird durch Pheromone reguliert, die von den Pfadfinderinnen an der Spitze der Kolonne abgesetzt werden. Positive Rückkopplungsschleifen verstärken erfolgreiche Routen, sodass sich die Schwärme selbstorganisiert ausbreiten. Raubzüge können je nach Art als breite Front (Schwarmraubzug, typisch für Dorylus) oder als verzweigtes Kolonnensystem (Kolonnenraubzug, typisch für Eciton burchellii) auftreten.

Anders als bei vielen anderen Ameisengattungen bauen Treiberameisen keine permanenten Nester. Die meisten Arten sind überwiegend tagesaktiv, doch bestimmte Dorylus-Arten führen ihre Raubzüge vorwiegend nachtaktiv oder