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Truthahngeier

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Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Cathartes aura
  • Ordnung: Accipitriformes (Greifvögel) – nach älterer Systematik teils Cathartiformes (Neuweltgeier)
  • Familie: Cathartidae (Neuweltgeier)
  • Gattung: Cathartes
  • Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, von Wüsten über Grasland bis hin zu Waldrändern und Kulturlandschaften
  • Größe: 64–81 cm Körperlänge; Flügelspannweite 160–183 cm
  • Gewicht: 0,8–2,4 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 16 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft über 30 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Truthahngeier ist ein großer, überwiegend dunkel gefärbter Greifvogel mit einer auffällig nackten, roten Kopfhaut – ein Merkmal, das ihm seinen deutschen Namen einbrachte, da der unbefiederte Kopf an den eines Truthahns erinnert. Das Gefieder ist nahezu einheitlich schwarzbraun bis dunkelbraun, wobei die Unterseiten der Schwungfedern im Flug deutlich heller, silbergrau erscheinen. Dieser Kontrast zwischen dunklen Flügeldecken und hellen Schwungfedern ist eines der besten Erkennungsmerkmale im Flugbild.

Der Schnabel ist relativ kurz, elfenbeinfarben und leicht hakenförmig gekrümmt – typisch für einen Aasfresser, der Kadaver aufreißen muss, ohne über die Kraft größerer Geierarten zu verfügen. Die Beine sind kräftig, aber die Zehen tragen nur schwach gekrümmte Krallen, die zum Greifen lebender Beute kaum geeignet sind. Im Flug hält der Truthahngeier seine Flügel in einer charakteristischen V-Stellung (Dihedral) und kippt dabei häufig leicht von einer Seite zur anderen – ein Flugbild, das ihn selbst auf große Entfernung von Adlern, Bussarden und dem Rabengeier (Coragyps atratus) unterscheidet.

Jungtiere besitzen einen dunkelgrauen bis schwärzlichen Kopf, der sich erst mit zunehmender Reife rot färbt. Die Geschlechter lassen sich äußerlich nicht unterscheiden; ein Geschlechtsdimorphismus fehlt weitgehend.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Truthahngeiers erstreckt sich über weite Teile der Neuen Welt – von Südkanada über die gesamten Vereinigten Staaten, Mexiko und Mittelamerika bis nach Südamerika, wo die Art bis Feuerland vorkommt. Damit besitzt er unter den Neuweltgeiern eines der größten Areale überhaupt.

Als Habitat nutzt der Truthahngeier ein breites Spektrum an Landschaftstypen. Er besiedelt trockene Steppen und Halbwüsten ebenso wie subtropische Wälder, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Küstenregionen und Gebirgslagen bis über 3.000 Meter Höhe. Geschlossene, dichte Regenwälder meidet er dagegen weitgehend, da er dort weder ausreichend Thermik für seine energiesparenden Segelflüge findet noch Kadaver auf dem Waldboden leicht orten kann. In den nördlichen Teilen des Verbreitungsgebiets ist die Art ein Zugvogel, der im Herbst in südlichere Regionen abwandert und im Frühjahr zurückkehrt. Populationen in den Tropen und Subtropen sind dagegen Standvögel.

Ernährung

Der Truthahngeier ernährt sich fast ausschließlich von Aas. Er frisst Kadaver von Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Fischen unterschiedlichster Größe, bevorzugt jedoch frisch verendete Tiere gegenüber stark verwestem Material. Gelegentlich nimmt er auch Insekten, verrottende Früchte oder pflanzliches Material auf, doch diese Nahrungsquellen spielen eine untergeordnete Rolle.

Eine Besonderheit unter den Neuweltgeiern ist sein ausgeprägter Geruchssinn. Während die meisten Geierarten ihre Nahrung primär visuell orten, verfügt der Truthahngeier über vergrößerte Riechkolben (Bulbi olfactorii) im Gehirn und kann Ethylmercaptan – ein Gas, das bei der Zersetzung organischen Gewebes entsteht – bereits in geringsten Konzentrationen wahrnehmen. Er fliegt dabei in relativ niedriger Höhe über dem Boden, um Geruchsspuren aufzunehmen. Andere Arten wie der Rabengeier, der selbst weniger gut riechen kann, folgen häufig Truthahngeiern zu Kadavern und verdrängen sie dort aufgrund ihrer größeren Aggressivität.

Verhalten & Lebensweise

Truthahngeier sind tagaktiv und verbringen den größten Teil des Tages im Segelflug auf der Suche nach Nahrung. Sie nutzen Aufwinde und Thermik, um mit minimalem Energieaufwand große Strecken zurückzulegen. Morgens sonnen sie sich häufig mit ausgebreiteten Flügeln auf exponierten Sitzwarten – ein Verhalten, das vermutlich der Thermoregulation und der Desinfektion des Gefieders durch UV-Strahlung dient.

Die Nacht verbringen sie gesellig an gemeinschaftlichen Schlafplätzen, sogenannten Roosts, die in Bäumen, auf Felsen oder an Gebäudestrukturen liegen können. An solchen Schlafplätzen versammeln sich mitunter Dutzende bis Hunderte Individuen, gelegentlich auch zusammen mit Rabengeiern. Ein festes Revier verteidigen Truthahngeier nicht; sie durchstreifen große Gebiete auf der Suche nach Nahrung.

Als Abwehrmechanismus gegen Fressfeinde erbrechen Truthahngeier gezielt ihre ätzende, übelriechende Magenflüssigkeit – ein Verhalten, das die meisten Angreifer wirksam abschreckt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit variiert je nach geographischer Lage. In Nordamerika fällt sie meist in die Monate März bis Juni. Ein eigentliches Nest wird nicht gebaut. Das Weibchen legt seine meist zwei, selten ein oder drei cremefarbenen, bräunlich gefleckten Eier direkt auf den Boden einer geschützten Stelle – in Felshöhlen, hohlen Baumstämmen, dichtem Gebüsch