Türkentaube
TTierart – Vögel > Tauben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Streptopelia decaocto
- Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
- Familie: Tauben (Columbidae)
- Gattung: Streptopelia
- Lebensraum: Siedlungsgebiete, Parks, Gärten, landwirtschaftliche Flächen
- Größe: 31–33 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 47–55 cm
- Gewicht: 150–220 g
- Lebenserwartung: 10–16 Jahre (in freier Wildbahn durchschnittlich kürzer)
Aussehen & Merkmale
Die Türkentaube ist eine schlanke, mittelgroße Taube mit einer einheitlich sandbeigen bis graubraunen Gefiederfärbung. Die Oberseite erscheint etwas dunkler als die Unterseite, die einen leicht rosafarbenen Anflug zeigen kann. Das auffälligste Merkmal ist ein schmaler, schwarzer Nackenring, der halbmondförmig an den Halsseiten verläuft und weiß eingefasst ist. Dieses Halsband fehlt bei Jungvögeln und entwickelt sich erst nach der ersten Mauser.
Die Augen sind dunkelrot mit einem schmalen, weißlichen Augenring. Der Schnabel ist schwarz, die Füße rötlich gefärbt. Im Flug fällt der relativ lange Schwanz auf, dessen Unterseite eine kontrastreich schwarz-weiße Zeichnung zeigt – die äußeren Steuerfedern sind an der Basis dunkel und zum Ende hin weiß. Die Flügelspitzen sind etwas dunkler als der übrige Flügel. Im Vergleich zur ähnlich gefärbten, aber deutlich kleineren Turteltaube (Streptopelia turtur) wirkt die Türkentaube insgesamt heller und gleichmäßiger gefärbt. Von der Ringeltaube (Columba palumbus) unterscheidet sie sich durch ihre geringere Größe und das Fehlen der weißen Halsflecken.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Türkentaube lag in Vorderasien und auf dem indischen Subkontinent. Ab den 1930er-Jahren begann eine der spektakulärsten Arealausweitungen, die in der Ornithologie dokumentiert sind: Ausgehend vom Balkan breitete sich die Art in wenigen Jahrzehnten über ganz Europa aus. In Deutschland wurde sie erstmals 1946 als Brutvogel nachgewiesen. Heute besiedelt sie nahezu den gesamten europäischen Kontinent sowie Teile Zentralasiens und Nordafrikas. Auch in Nordamerika, Japan und auf einigen Karibikinseln existieren eingebürgerte Populationen.
Als typischer Kulturfolger bewohnt die Türkentaube bevorzugt menschliche Siedlungsräume. Ihr Habitat umfasst Dörfer, Stadtränder, Vorstädte, Parks, Friedhöfe, Gartenanlagen und landwirtschaftliche Betriebe mit Getreidespeichern oder Siloanlagen. Geschlossene Waldgebiete meidet sie weitgehend. Die Nähe zu menschlichen Strukturen, die Nahrung und Nistmöglichkeiten bieten, ist für die Biotopwahl entscheidend. In Mitteleuropa kommt die Art vom Tiefland bis in Höhenlagen von etwa 600 Metern vor, in südlicheren Regionen auch deutlich höher.
Ernährung
Die Türkentaube ernährt sich überwiegend pflanzlich. Samen von Getreide, Gräsern und Wildkräutern bilden die Hauptnahrung. Daneben nimmt sie Beeren, Früchte und gelegentlich Knospen auf. In Siedlungsgebieten nutzt sie gezielt anthropogene Nahrungsquellen: Körner an Futterhäuschen, verschüttetes Getreide an Silos, Bäckerei- und Lebensmittelreste sowie Vogelfutter in Gärten. In geringem Umfang werden auch kleine Wirbellose wie Schnecken und Insekten gefressen, besonders während der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf erhöht ist.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt am Boden, wobei die Vögel oft in kleinen Trupps fressen. Zum Trinken suchen sie regelmäßig Wasserstellen auf und saugen das Wasser – wie alle Tauben – direkt ein, anstatt den Kopf beim Trinken in den Nacken zu legen.
Verhalten & Lebensweise
Die Türkentaube ist tagaktiv und lebt außerhalb der Brutzeit häufig gesellig. Kleine Gruppen von zehn bis zwanzig Individuen sind an ergiebigen Nahrungsplätzen keine Seltenheit, an Getreidesilos oder auf Feldern können sich zeitweise auch größere Ansammlungen von über hundert Vögeln bilden. Die Nacht verbringen Türkentauben in Schlafgemeinschaften, oft in dichten Baumkronen oder Hecken.
Der Ruf der Türkentaube ist ein dreisilbiges, monoton wiederholtes „gu-GUU-gu", bei dem die Betonung auf der mittleren Silbe liegt. Dieser Balzruf ist ganzjährig zu hören, besonders intensiv aber von Februar bis September. Er gehört zu den häufigsten Vogelstimmen in Siedlungsgebieten und wird von den Männchen sowohl als Reviermarkierung als auch zur Anlockung von Weibchen eingesetzt.
In Mitteleuropa ist die Türkentaube ein Standvogel, der sein Revier ganzjährig bewohnt. Nur in den nördlichsten und östlichsten Teilen des Verbreitungsgebietes ziehen einzelne Populationen im Winter in mildere Regionen. Die Bindung an den Menschen als Nahrungsquelle stabilisiert die Standorttreue, da Futterstellen und Siedlungen auch im Winter ein zuverlässiges Nahrungsangebot bieten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Türkentauben leben in monogamen Paarbindungen, die oft über mehrere Brutperioden bestehen bleiben. Die Balz beginnt bereits im Februar und umfasst neben dem charakteristischen Ruf auch Balzflüge, bei denen das Männchen steil aufsteigt und mit ausgebreiteten Flügeln im Gleitflug wieder herabgleitet. Zusätzlich zeigt das Männchen ritualisierte Verbeugungen und Schwanzfächern vor dem Weibchen.
Das Nest ist eine lose, flache Plattform aus dünnen Zweigen, die in Bäumen, Sträuchern, auf Gebäudes