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Turmdeckelschnecke

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Tierart – Wirbellose > Weichtiere – Schnecken

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tarebia granifera, Melanoides tuberculata u. a. (Sammelbezeichnung für mehrere Arten)
  • Ordnung: Sorbeoconcha
  • Familie: Thiaridae (Turmdeckelschnecken)
  • Lebensraum: Süßwasser – Flüsse, Seen, Bäche, Bewässerungskanäle, Aquarien
  • Größe: je nach Art 1,5–7 cm Gehäuselänge
  • Gewicht: wenige Gramm (artabhängig)
  • Lebenserwartung: 2–5 Jahre, in Aquarienhaltung teils länger

Aussehen & Merkmale

Der Name Turmdeckelschnecke leitet sich von der charakteristischen Gehäuseform ab: Das Schneckenhaus ist schlank-konisch, hoch aufgetürmt und besteht aus zahlreichen Windungen – bei ausgewachsenen Tieren oft acht bis zwölf. Die Oberfläche des Gehäuses kann glatt oder mit feinen Längs- und Spiralrippen versehen sein, je nach Art und Herkunftspopulation. Bei Melanoides tuberculata zeigt die Schale häufig rötlich-braune Flammenmuster auf hellem Grund, während Tarebia granifera eher dunkelbraun bis schwarz gefärbt ist und eine auffällig gekörnelte Skulptur trägt.

Ein entscheidendes Merkmal der Thiaridae ist das Operculum, ein horniger Deckel am Fuß des Tieres, mit dem die Gehäusemündung bei Gefahr oder ungünstigen Umweltbedingungen verschlossen werden kann. Dieser Deckel unterscheidet die Turmdeckelschnecken deutlich von deckel­losen Lungenschnecken wie der Posthornschnecke oder der Blasenschnecke. Der Weichkörper ist dunkelgrau bis schwarz pigmentiert. Am Kopf sitzen zwei schlanke Fühler, an deren Basis sich die Augen befinden. Wie alle Vorderkiemer (Prosobranchia) atmen Turmdeckelschnecken über eine Kieme, die sich in der Mantelhöhle befindet – eine Anpassung an das vollständig aquatische Leben.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der meisten Turmdeckelschnecken-Arten liegt in den tropischen und subtropischen Regionen Afrikas und Südostasiens. Melanoides tuberculata stammt vermutlich aus dem östlichen Afrika und Vorderasien, hat sich aber durch menschliche Verschleppung – vor allem über den Aquarienhandel und Bewässerungssysteme – nahezu weltweit in warmen Gewässern etabliert. In Teilen Mittelamerikas, der Karibik, im Süden der USA sowie in Australien gelten Turmdeckelschnecken heute als Neozoen.

Als Habitat bevorzugen sie stehende oder langsam fließende Süßgewässer mit schlammigem, sandigem oder kiesigem Substrat. Sie besiedeln Seen, Teiche, Bewässerungskanäle, Quellbäche und künstliche Wasserläufe. Gegenüber Wasserparametern zeigen sie eine hohe Toleranz: Sie kommen in weichem wie in hartem Wasser vor, vertragen pH-Werte zwischen 6,5 und 8,5 und Temperaturen von etwa 18 bis 32 °C. In Mitteleuropa können sie im Freiland nicht dauerhaft überleben, da die Wintertemperaturen zu niedrig sind. In geothermisch erwärmten Gewässern – etwa in der Erft bei Köln – existieren jedoch stabile Populationen.

Ernährung

Turmdeckelschnecken sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf Detritus. Sie weiden Algenbeläge, Biofilme und Bakterienrasen von Steinen, Pflanzen und anderen Oberflächen ab. Ein großer Teil ihrer Nahrung besteht aus abgestorbenem Pflanzenmaterial, das im Substrat sedimentiert ist. Dazu graben sich die Tiere teils vollständig in den Bodengrund ein und durchwühlen ihn systematisch – ein Verhalten, das sie in der Aquaristik als natürliche Substratpfleger beliebt macht. Lebende Wasserpflanzen werden in der Regel nicht angefressen, solange ausreichend Detritus und Aufwuchs vorhanden sind. Auch Aas, Futterreste und Mikroorganismen werden aufgenommen.

Verhalten & Lebensweise

Turmdeckelschnecken sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber vergraben sie sich im Substrat oder verharren unter Steinen, Holz und Laub. Nach Einbruch der Dunkelheit kommen sie an die Oberfläche des Bodengrunds und beginnen mit der Nahrungssuche. Dieses Verhalten lässt sich im Aquarium gut beobachten: Erscheinen die Tiere auch tagsüber in großer Zahl an den Scheiben oder über dem Substrat, kann das auf Sauerstoffmangel oder ungünstige Bodenverhältnisse hinweisen.

Die Tiere leben gesellig und bilden bei guten Bedingungen schnell dichte Populationen. Ein ausgeprägtes Territorialverhalten gibt es nicht. Bei Bedrohung – etwa durch Fressfeinde wie Kugelfische, Buntbarsche oder Raubschnecken der Gattung Anentome – ziehen sie sich in ihr Gehäuse zurück und verschließen es mit dem Operculum.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzungsbiologie der Turmdeckelschnecken ist aus zoologischer Sicht ungewöhnlich. Viele Arten, insbesondere Melanoides tuberculata, vermehren sich überwiegend parthenogenetisch: Die Weibchen bringen ohne vorherige Befruchtung durch ein Männchen lebensfähige Jungtiere zur Welt. Es handelt sich dabei um ovovivipare Tiere – die Eier entwickeln sich in einer Bruttasche im Nackenbereich des Weibchens, und die fertigen Jungschnecken werden als vollständig entwickelte Miniaturausgaben der Adulten entlassen. Pro Wurf können je nach Alter und Ernährungszustand des Muttertiers zwischen 1 und 70 Jungtiere freigesetzt werden.

Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa 1–2 mm groß und besitzen bereits ein funktionsfähiges Operculum. Sie graben sich rasch in den Bodengrund ein und beginnen sofort mit der eigenständigen Nahrungsaufnahme. Durch die Parthenogenese kann ein einziges Tier eine neue Population begründen, was die schnelle Ausbreitung als Neozoon erklärt. In der Aquarienhaltung wird