Turteltaube
TTierart – Vögel > Tauben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Streptopelia turtur
- Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
- Familie: Tauben (Columbidae)
- Gattung: Streptopelia
- Lebensraum: Offene Kulturlandschaften, lichte Wälder, Waldränder, Heckenlandschaften
- Größe: 25–28 cm Körperlänge, Flügelspannweite 47–53 cm
- Gewicht: 100–170 g
- Lebenserwartung: Bis zu 13 Jahre in freier Wildbahn, durchschnittlich 2–3 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Turteltaube ist die kleinste in Mitteleuropa heimische Taubenart und deutlich zierlicher als die verwandte Ringeltaube (Columba palumbus) oder die Türkentaube (Streptopelia decaocto). Ihr Gefieder zeigt auf der Oberseite ein warmes Rotbraun mit schwarzen Federzentren, die ein charakteristisches Schuppenmuster erzeugen. Die Brust ist zartrosa bis weinrot getönt, der Bauch weißlich. Auffällig ist der schwarz-weiß gestreifte Halsfleck an beiden Halsseiten, der bei adulten Vögeln gut sichtbar ist und Jungvögeln noch fehlt.
Der Kopf wirkt rundlich und ist blaugrau gefärbt, die Augen sind von einem schmalen orangeroten Ring umgeben. Der Schnabel ist dunkel, die Füße sind rötlich. Im Flug fallen der relativ lange, keilförmige Schwanz mit weißer Endbinde sowie die spitzen Flügel auf, die der Turteltaube ein schnelles, wendiges Flugbild verleihen. Beide Geschlechter sehen nahezu identisch aus – ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus fehlt bei dieser Art.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Turteltaube erstreckt sich über weite Teile Europas, Nordafrikas und Westasiens. In Europa reicht das Brutareal von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln ostwärts bis nach Zentralasien. In Deutschland besiedelt sie vor allem die tieferen Lagen und fehlt weitgehend in Gebirgsregionen oberhalb von 600 Metern.
Als bevorzugtes Habitat dienen der Turteltaube halboffene Landschaften mit einem Mosaik aus Feldgehölzen, Hecken, Waldrändern und extensiv bewirtschaftetem Ackerland. Lichte Auwälder, Streuobstwiesen und Weinberge gehören ebenfalls zu den typischen Biotopen. Anders als die anpassungsfähige Türkentaube meidet die Turteltaube dicht besiedelte Stadtgebiete und ist auf strukturreiche ländliche Lebensräume angewiesen.
Die Turteltaube ist ein ausgesprochener Langstreckenzieher. Im Herbst verlässt sie ihre europäischen Brutgebiete und überwintert in der Sahelzone südlich der Sahara. Der Zugweg führt über die Iberische Halbinsel oder Italien und die Sahara hinweg – eine Strecke von mehreren tausend Kilometern. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt spät, meist erst Ende April bis Anfang Mai.
Ernährung
Die Turteltaube ernährt sich überwiegend pflanzlich. Samen von Wildkräutern bilden den Hauptbestandteil ihrer Nahrung, darunter Vogelwicke, Fumaria-Arten (Erdrauch), Leimkraut und verschiedene Knöterichgewächse. Ergänzend werden Getreidekörner, kleine Hülsenfrüchte und gelegentlich Beeren aufgenommen. Tierische Nahrung wie Insekten oder Schnecken spielt nur eine untergeordnete Rolle und wird vor allem während der Jungenaufzucht in geringem Umfang gefressen.
Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich am Boden, wobei die Vögel bevorzugt offene, niedrig bewachsene Flächen aufsuchen. Wie alle Tauben benötigt auch die Turteltaube regelmäßig Zugang zu Trinkwasser, da sie Wasser saugend aufnehmen kann – eine Besonderheit innerhalb der Vogelwelt. Die zunehmende Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Verlust von Ackerrandstreifen und Wildkrautfluren hat das Nahrungsangebot für die Art in den letzten Jahrzehnten drastisch reduziert.
Verhalten & Lebensweise
Die Turteltaube ist tagaktiv und eher scheu. Außerhalb der Brutzeit tritt sie in kleinen Trupps auf, bildet aber keine großen Schwärme. Während der Brutzeit beanspruchen die Paare ein lockeres Revier, das jedoch weniger streng verteidigt wird als bei vielen Singvogelarten.
Der namensgebende Ruf ist ein tiefes, sanft schnurrendes „turr-turr-turr", das über längere Zeit gleichmäßig wiederholt wird. Dieser Gesang ist vor allem in den Morgenstunden und am Abend zu hören und dient sowohl der Reviermarkierung als auch der Paarbindung. Im Balzflug steigt das Männchen steil auf und gleitet anschließend mit ausgebreiteten Flügeln und gespreiztem Schwanz bogenförmig herab.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet. Die Turteltaube führt eine saisonale Einehe, wobei sich die Partner durch gegenseitiges Gefiederkraulen und Schnäbeln intensiv binden – ein Verhalten, das der Art ihren symbolischen Ruf als Sinnbild der Liebe eingebracht hat.
Das Nest ist eine für Tauben typische, eher dürftige Plattform aus dünnen Zweigen, die in Sträuchern oder niedrigen Bäumen in Höhen von 1 bis 5 Metern errichtet wird. Das Gelege besteht aus zwei weißen Eiern, die von beiden Elternvögeln etwa 13 bis 14 Tage bebrütet werden. Das Männchen übernimmt dabei die Brut tagsüber, das Weibchen nachts.
Die Nestlinge werden zunächst mit Kropfmilch gefüttert, einer nährstoffreichen Substanz, die im Kropf der Altvögel gebildet wird und bei allen Taubenarten vorkommt. Nach etwa 18 bis 20 Tagen sind die Jungvögel flügge. In günstigen Jahren sind zwei Bruten möglich, wobei die zweite