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Verbiss

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Verbiss bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache das Abbeißen und Abfressen von Knospen, Trieben, Blättern, Nadeln und Rinde junger Gehölze durch wildlebende Pflanzenfresser. Der Begriff beschreibt sowohl den Vorgang selbst als auch das sichtbare Schadbild an der Vegetation. Verbiss gehört neben Schälung (dem Abschälen der Rinde) und Fegen (dem Abreiben der Bastschicht am Geweih durch Rehböcke und Hirsche) zu den bedeutendsten Formen von Wildschäden im Wald. In der forstlichen und jagdlichen Praxis spielt der Verbiss eine zentrale Rolle, da er unmittelbare Auswirkungen auf die Waldverjüngung, die Artenvielfalt und das Ökosystem hat.

Verursacher des Verbisses

Hauptverursacher von Verbissschäden sind Schalenwildarten, also Huftiere mit gespaltenen Hufen (Schalen). Dazu zählen vor allem:

  • Rehwild (Capreolus capreolus) – als sogenannter Konzentratselektierer bevorzugt das Reh besonders nährstoffreiche Pflanzenteile wie Knospen und junge Triebe. Rehwild gilt in Mitteleuropa als Hauptverursacher von Verbiss.
  • Rotwild (Cervus elaphus) – der Rothirsch verursacht neben Verbiss auch erhebliche Schälschäden an Baumrinde, besonders im Winter.
  • Gamswild (Rupicapra rupicapra) – in Bergwäldern kann die Gämse durch Verbiss an Jungbäumen die Schutzwaldfunktion gefährden.
  • Damwild (Dama dama) und Sikawild (Cervus nippon) – beide Arten verursachen regional ebenfalls Verbissschäden.
  • Muffelwild (Ovis gmelini musimon) – das Wildschaf kann in seinen Einstandsgebieten lokal zu Verbiss beitragen.

Neben dem Schalenwild können auch Hasen und Kaninchen durch Benagen von Rinde und Abbeißen junger Triebe Schäden verursachen, die dem Verbiss zugerechnet werden. In der weidmännischen Ansprache unterscheidet man dabei nach der Wildart, um gezielte Maßnahmen ergreifen zu können.

Arten des Verbisses

Je nach betroffener Pflanzenstelle und Jahreszeit werden verschiedene Verbissarten unterschieden:

  • Knospenverbiss – das Abbeißen von End- und Seitenknospen, besonders im Winter und Frühjahr, wenn andere Äsung knapp ist. Der Verlust der Endknospe (Terminaltrieb) führt zu Wuchsdeformationen.
  • Triebverbiss – das Abtrennen junger, noch weicher Triebe während der Vegetationsperiode. Besonders im Frühjahr fressen Rehe bevorzugt die frisch austreibenden Pflanzenspitzen.
  • Blatt- und Nadelverbiss – das Abfressen von Blättern oder Nadeln, das bei starkem Auftreten die Photosyntheseleistung der Pflanze erheblich einschränkt.
  • Sommerverbiss und Winterverbiss – die saisonale Unterscheidung ist für die Bewertung der Schäden von Bedeutung, da Winterverbiss die Pflanze stärker schwächt als Sommerverbiss, bei dem die Pflanze noch Kompensationstriebe ausbilden kann.

Ein erfahrener Jäger oder Förster erkennt Verbissspuren am typischen Schadbild: Da Rehe und anderes Schalenwild im Oberkiefer keine Schneidezähne besitzen, werden Triebe nicht glatt abgeschnitten, sondern abgerissen oder gequetscht. Die Bissstelle erscheint daher ausgefranst – im Gegensatz zum glatten Schnitt, den etwa ein Hase hinterlässt.

Auswirkungen auf den Wald

Starker Verbiss hat weitreichende Folgen für die Waldverjüngung und die Zusammensetzung der Baumarten. Besonders betroffen sind seltene und empfindliche Baumarten wie Tanne, Eiche, Bergahorn und Eibe, die vom Wild bevorzugt geäst werden. Weniger schmackhafte Arten wie die Fichte bleiben häufig verschont. Dieses selektive Fressverhalten führt langfristig zu einer Entmischung des Waldes: Die Baumartenvielfalt nimmt ab, und es entstehen monotone Bestände, die anfälliger gegenüber Stürmen, Trockenheit und Borkenkäferbefall sind.

Wiederholter Verbiss am Leittrieb bewirkt bei jungen Bäumen eine Verbuschung oder den sogenannten Verbisszwergwuchs. Die Pflanze treibt zwar immer wieder aus, kann aber nicht in die Höhe wachsen und verharrt in einem strauchartigen Zustand. In Bergwäldern kann übermäßiger Verbiss die Verjüngung des Schutzwaldes verhindern, was zu Erosion und erhöhter Lawinengefahr führt.

Verbissaufnahme und Monitoring

Um das Ausmaß der Schäden zu erfassen, werden regelmäßig Verbissgutachten erstellt. Bei diesen standardisierten Erhebungen werden Stichprobenflächen im Wald untersucht und der Anteil verbissener Jungpflanzen dokumentiert. In Bayern etwa dient das Forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung als Grundlage für die Festsetzung der Abschusspläne. Ein hoher Verbissdruck führt in der Regel zu einer Empfehlung, den Wildbestand durch erhöhten Abschuss zu reduzieren.

Die Verbissbelastung wird in Prozent angegeben und beschreibt den Anteil der verbissenen Leittriebe an der Gesamtzahl der aufgenommenen Jungpflanzen. Werte über 20 bis 30 Prozent gelten bei empfindlichen Baumarten als kritisch.

Maßnahmen gegen Verbiss