Vielfraß
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Gulo gulo
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Gattung: Gulo (monotypisch)
- Lebensraum: Boreale Nadelwälder (Taiga), Tundra, alpine Hochlagen
- Körperlänge: 65–105 cm (ohne Schwanz); Schwanzlänge 17–26 cm
- Gewicht: 9–18 kg (Weibchen), 12–30 kg (Männchen)
- Lebenserwartung: 8–13 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 17 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Vielfraß ist das größte landlebende Mitglied der Familie der Marder (Mustelidae) und wirkt auf den ersten Blick eher wie ein kleiner Bär als wie ein typischer Marder. Sein Körperbau ist gedrungen, kräftig und tiefgestellt, mit kurzen, stämmigen Beinen und breiten Pfoten. Die großen Pranken wirken wie natürliche Schneeschuhe und verhindern, dass das Tier in tiefen Schnee einsinkt – ein entscheidender Vorteil gegenüber größeren Beutegreifern.
Das dichte, langhaarige Fell ist überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Auffällig ist ein helleres, gelblich-braunes Seitenband, das sich von den Schultern über die Flanken bis zur Schwanzwurzel zieht. Dieses sogenannte Sattelband variiert individuell stark und dient der Identifikation einzelner Tiere. Das Unterfell ist extrem dicht und wasserabweisend, eine Anpassung an die extremen Temperaturen seines Lebensraums. Reif und Eis setzen sich am Fell des Vielfraßes kaum fest – eine Eigenschaft, die von indigenen Völkern der Arktis seit jeher für die Kapuzenbesätze ihrer Kleidung geschätzt wird.
Der Kopf ist breit und rundlich mit kleinen Augen und kurzen, abgerundeten Ohren. Das Gebiss ist außerordentlich kräftig: Besonders der obere Molar ist um 90 Grad nach innen gedreht, was dem Vielfraß ermöglicht, selbst tiefgefrorenes Fleisch und Knochen zu zerkleinern. Die Beißkraft ist im Verhältnis zur Körpergröße eine der stärksten unter allen Säugetieren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Vielfraßes erstreckt sich zirkumpolar über die nördlichen Breiten Eurasiens und Nordamerikas. In Europa kommt er heute vor allem in Skandinavien (Norwegen, Schweden, Finnland) und im nördlichen Russland vor. In Nordamerika besiedelt er Alaska, den Norden Kanadas sowie vereinzelt Teile der nördlichen Rocky Mountains in den USA. Historisch reichte sein Habitat weiter nach Süden, doch Lebensraumverlust und Verfolgung haben die Populationen stark zurückgedrängt.
Sein bevorzugtes Biotop umfasst boreale Nadelwälder der Taiga, subarktische Tundra und alpine Gebirgsregionen oberhalb der Baumgrenze. Entscheidend für das Vorkommen ist eine ausreichende Schneedecke im Winter, da der Vielfraß auf Schnee sowohl zur Nahrungsbeschaffung als auch zur Fortpflanzung angewiesen ist. Weibchen legen ihre Wurfhöhlen bevorzugt in tiefen Schneeverwehungen an.
Die Reviere sind enorm groß: Männchen beanspruchen Territorien von 500 bis über 1.500 Quadratkilometern, Weibchen solche von 100 bis 400 Quadratkilometern. Die Reviergröße hängt direkt vom Nahrungsangebot im jeweiligen Habitat ab.
Ernährung
Der Vielfraß ist ein opportunistischer Allesfresser mit starkem Hang zur Karnivorie. Sein Name – im Deutschen wie auch im schwedischen „järv" und im norwegischen „jerv" – spiegelt seinen Ruf als unersättlicher Fresser wider, auch wenn dieser Ruf übertrieben ist. Die lateinische Gattungsbezeichnung Gulo (lat. „Vielfraß, Schlemmer") geht auf denselben Volksglauben zurück.
Ein erheblicher Teil der Nahrung besteht aus Aas, vor allem aus den Überresten von Rentieren, Elchen und Karibus, die von Wölfen oder Luchsen gerissen oder durch natürliche Ursachen verendet sind. Im Winter, wenn andere Nahrungsquellen knapp sind, ist Aas die Hauptnahrungsquelle. Der Vielfraß vergräbt überschüssige Nahrung systematisch im Schnee oder in Felsspalten und legt so Vorratslager an.
Darüber hinaus erbeutet er aktiv Kleinsäuger wie Lemminge und Schneehühner, greift gelegentlich aber auch deutlich größere Tiere wie junge oder geschwächte Rentiere an. Im Sommer ergänzen Beeren, Wurzeln, Vogeleier und Insektenlarven den Speiseplan.
Verhalten & Lebensweise
Der Vielfraß ist ein ausgesprochener Einzelgänger. Außerhalb der Paarungszeit meiden sich die Tiere weitgehend. Sie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen in der Arktis mit ihrem extremen Lichtregime jedoch auch tagaktive Phasen. Ihre Aktivitätsmuster richten sich weniger nach der Tageszeit als nach Ruhephasen von etwa drei bis vier Stunden, die sich mit ebenso langen Aktivitätsphasen abwechseln.
Die Tiere sind ausdauernde Wanderer und legen auf Nahrungssuche regelmäßig 30 bis 40 Kilometer pro Tag zurück. Sie klettern geschickt auf Bäume und sind gute Schwimmer. Ihre Kraft und Hartnäckigkeit sind sprichwörtlich: Vielfraße verteidigen ihre Beute erfolgreich gegen Wölfe und sogar Bären. Dazu setzen sie aggressive Drohgebärden, lautes Knurren und ein übelriechendes Sekret aus ihren Analdrüsen ein – ein typisches Merkmal der Marderfamilie.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich von Mai bis August. Der Vielfraß weist eine verzögerte Einnistung (Keimruhe) auf: Die befruchtete Eizelle entwickelt sich zunächst nicht weiter und implantiert sich erst im Winter, sodass