Viscacha
VTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lagidium (Berg-Viscacha) / Lagostomus maximus (Flachland-Viscacha)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
- Familie: Chinchillas (Chinchillidae)
- Gattungen: Lagidium (Berg-Viscachas, 6 Arten), Lagostomus (Flachland-Viscacha, 1 Art)
- Lebensraum: Hochanden (Berg-Viscachas) bzw. Pampas und Halbwüsten (Flachland-Viscacha)
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–66 cm, Schwanzlänge 15–32 cm
- Gewicht: 1,5–9 kg (je nach Art und Geschlecht)
- Lebenserwartung: Etwa 3–5 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft bis 20 Jahre (Flachland-Viscacha)
Aussehen & Merkmale
Viscachas sind kräftig gebaute Nagetiere mit einem gedrungenen Körper und großen, runden Ohren. Ihr dichtes, weiches Fell erinnert an das ihrer nahen Verwandten, der Chinchillas. Die Fellfarbe variiert je nach Art und Lebensraum von grau über braun bis gelblich auf der Oberseite, während die Bauchseite deutlich heller, meist weißlich gefärbt ist.
Die Berg-Viscachas der Gattung Lagidium sind schlanker und leichter als die Flachland-Viscacha (Lagostomus maximus). Sie besitzen einen langen, buschig behaarten Schwanz, der beim Klettern in felsigem Terrain als Balancierhilfe dient. Ihre Hinterbeine sind kräftig entwickelt und enden in gepolsterten Sohlen, die auf glattem Gestein hervorragenden Halt bieten.
Die Flachland-Viscacha ist das größte Mitglied der Familie Chinchillidae. Männchen können bis zu 9 kg wiegen und sind damit deutlich schwerer als die Weibchen, die selten mehr als 4,5 kg erreichen. Ein auffälliges Merkmal dieser Art sind die schwarz-weißen Streifen im Gesicht, die von der Schnauze über die Augen bis zu den Ohren verlaufen. Die Vorderbeine sind vergleichsweise kurz und tragen kräftige Grabkrallen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Viscachas erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Die beiden Gattungen besiedeln dabei grundlegend verschiedene Habitate.
Berg-Viscachas (Lagidium) leben in den Anden von Südperu über Bolivien und Chile bis nach Patagonien. Ihr Biotop sind felsige Hänge und Geröllfelder in Höhenlagen zwischen 3.000 und 5.000 Metern über dem Meeresspiegel. Einzelne Populationen kommen auch in tieferen Lagen vor, sofern geeignete Felsformationen vorhanden sind. Die Tiere benötigen Spalten und Höhlen im Gestein als Rückzugsorte.
Die Flachland-Viscacha bewohnt dagegen die offenen Graslandschaften der argentinischen Pampas, reicht aber auch in die Trockensavannen Paraguays und den Süden Boliviens. Dieses Habitat ist durch flaches bis leicht hügeliges Gelände mit lehmigen oder sandigen Böden gekennzeichnet, in denen die Tiere ausgedehnte Bauten anlegen.
Ernährung
Viscachas ernähren sich rein pflanzlich. Berg-Viscachas fressen Gräser, Flechten, Moose und krautige Pflanzen, die in ihrem kargen Hochgebirgshabitat verfügbar sind. In Trockenperioden nehmen sie auch Wurzeln und Rinde auf.
Die Flachland-Viscacha bevorzugt Gräser und Kräuter, die sie in der Umgebung ihrer Bauten abweidet. Durch die intensive Beweidung entstehen rund um die Kolonien charakteristische kahle Flächen, die weithin sichtbar sind. Gelegentlich fressen sie auch Samen und Rinde von Sträuchern. Wie viele Nagetiere trockener Lebensräume decken Viscachas einen Großteil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung.
Verhalten & Lebensweise
Beide Gattungen leben gesellig in Gruppen, unterscheiden sich aber in ihrer Sozialstruktur erheblich.
Berg-Viscachas bilden Kolonien von wenigen bis zu mehreren Dutzend Tieren, die gemeinsam in Felsspalten leben. Sie sind vorwiegend tagaktiv und lassen sich häufig beim Sonnenbaden auf exponierten Felsen beobachten. In den Morgenstunden sitzen sie oft dicht gedrängt zusammen, um sich nach den kalten Andennächten aufzuwärmen. Bei Gefahr stoßen sie schrille Pfiffe aus, die als Warnsignal für die gesamte Kolonie dienen.
Die Flachland-Viscacha ist dagegen überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Sie lebt in großen Kolonien, die als „Viscacheras" bezeichnete, komplexe unterirdische Bausysteme bewohnen. Eine Viscachera kann mehrere hundert Eingänge besitzen und wird oft über Generationen hinweg genutzt und erweitert. Die Bauten erreichen Tiefen von mehreren Metern und bieten Schutz vor Raubfeinden wie Pampaskatzen, Grisons und Greifvögeln. Typisch für die Flachland-Viscacha ist das Sammeln von Gegenständen, die rund um die Baueingänge aufgehäuft werden – darunter Knochen, Steine, Zweige und gelegentlich auch menschliche Gegenstände wie Draht oder Flaschen. Die Funktion dieses Verhaltens ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Markierung des Reviers und Schutz der Eingänge.
Fortpflanzung & Aufzucht
Bei der Flachland-Viscacha herrscht Polygynie: Dominante Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen innerhalb der Kolonie. Die Tragzeit ist mit etwa 154 Tagen für ein Nagetier außergewöhnlich lang. Pro Wurf kommen meist nur ein bis zwei voll entwickelte Jungtiere zur Welt, die bereits behaart sind und sehen können. Die Jungtiere werden etwa zwei M